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Was ein Steuerberater empfiehlt

Mühldorfer Wirte und Einzelhändler schauen mit Sorge auf Corona-Hilfen: Angst vor Rückforderungen

Kaum Betrieb auf dem Stadtplatz in Mühldorf, wo normalerweise reges Einkaufstreiben herrscht.
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Kaum Betrieb auf dem Stadtplatz in Mühldorf, wo normalerweise reges Einkaufstreiben herrscht.
  • Markus Honervogt
    VonMarkus Honervogt
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Die finanzielle Unterstützung von Betrieben in der Coronakrise stellt für viele hohe bürokratische Hürden auf. Jetzt kommt die Sorge dazu, dass die EU die deutschen Maßnahmen als nicht rechtens erklären könnte. Sollen Betriebe sicherheitshalber auf Unterstützung verzichten? Das rät ein Steuerberater.

Mühldorf – Die Verhandlungen der Bundesregierung mit der Europäischen Union über die Rechtmäßigkeit der Corona-Unterstützung, treibt heimischen Händlern, Wirten und Unternehmen Sorgenfalten ins Gesicht. Der Sprecher des Hotel- und Gaststättenverbands, Holger Nagl, bringt die Befürchtungen auf den Punkt: „Es ist möglich, dass enorme Rückforderungen anstehen.“

Mitten im Spiel die Regeln ändern

Denn derzeit klärt die Bundesregierung nach Angaben des Handelsblatts mir der Europäischen Union, ob die von der Bunderegierung beschlossenen finanziellen Maßnahmen mit dem EU-Beihilfe-Recht übereinstimmen. Wirtesprecher Holger Nagl spricht von „einer dramatischen Entwicklung“. Denn, im Falle eines Verstoßes fürchtet er am Jahresende hohe Rückzahlungen.

Seit Beginn der Corona-Pandemie gibt es mehrere Hilfsprogramme: Die Soforthilfen im Frühjahr als Pauschalzahlungen orientiert an der Anzahl der Mitarbeiter; dann die Überbrückungshilfen, die sich an den tatsächlichen Kosten orientierten und schließlich die November- und Dezemberhilfen, die 75 Prozent des Umsatzes ersetzen sollen.

Das empfiehlt der Steuerberater

Nagl vergleicht die Situation mit einem Fußballspiel, bei dem zuerst in der 35. und dann in der 45. Minute erneut die Regeln geändert würden. Eine erste Konsequenz gebe es bereits: Einige Steuerberater würden ihren Mandanten aus der Gastronomie abraten, weiter Anträge zu stellen.

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Dem widerspricht Florian Loserth von der Kanzlei Loserth, Hinterberger, Zehentner, Schranner in Mühldorf. „Unternehmen sollten auf jeden Fall die Hilfe beantragen. Denn wer nichts beantragt, bekommt sowieso nichts.“ Loserth bestätigt, dass die derzeitige Situation für die Unternehmer schwierig ist. „Es gibt keine Erfahrungswerte, wir haben eine komplett neue Situation.“

Die wird für die Steuerberater dadurch erschwert, dass es laut Loserth noch keine Rechtssprechung in diesem Bereich gibt. „Alles was wir wissen, stammt aus Pressemitteilungen.“ Er spricht deshalb von „Beratungen unter Sichtflugbedinungen“, von „großer Unsicherheit, weil rechtlich noch nichts belastbar ist“.

Anträge stellen, aber nicht betrügen

Trotzdem empfiehlt der Steuerberater Unternehmen, Anträge auf die Hilfen zu stellen. Das muss laut Loserth aber sorgfältig geschehen: „Man darf einfach keine falschen Angaben machen. Das wäre Subventionsbetrug.“

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Ohne Hilfe, davon ist Optiker Christian Kühl überzeugt, tun sich kleine und mittlere Betriebe ohnehin schwer. „Es sind sehr hohe bürokratische Hürden aufgestellt“, sagt der Sprecher der Aktionsgemeinschaft Mühldorfer Einzelhändler. „Man sollte sich einen Profi ins Boot holen und es nicht alleine machen.“

Händler setzen Privatvermögen ein

Denn die fortdauernde Corona-Krise bringt nach seiner Überzeugung viele in Gefahr. „Lassen wir uns überraschen, wer wieder aufmacht, wenn es irgendwann im Februar weitergeht.“ Von konkreten Pleiten weiß er in Mühldorf noch nichts, es gebe aber Gerüchte. Wütend sagt er über die Zwangsschließungen vor Weihnachten und die anhaltenden Verbote: „Die machen alles kaputt.“

Kühl ärgert sich über alle, die behaupten, dass die Einzelhändler in den letzten Jahren so viel zurückgelegt hätten und mit dem Geld die Krise meistern könnten. „Die Händler haben für ihren Erfolg hart gearbeitet und müssen jetzt mit ihrem Privatvermögen gerade stehen.“ Dazu komme die massive Unsicherheit, wann es überhaupt weiter gehe. Er sagt: „Alle haben Angst“.

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