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Covid-Versorgung bindet viel Arbeitskraft

Gesundheitsminister Jens Spahn stellt sich Fragen des Personals vom Inn-Klinikum

Nahm sich viel Zeit für die Fragen des Klinikpersonals: Gesundheitsminister Jena Spahn (Mitte) mit dem Vorstandsvorsitzenden des Inn-Klinikums, Thomas Ewald (links), und CSU-Bundestagsabgeordneten Stephan Mayer.
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Nahm sich viel Zeit für die Fragen des Klinikpersonals: Gesundheitsminister Jens Spahn (Mitte) mit dem Vorstandsvorsitzenden des Inn-Klinikums, Thomas Ewald (links), und CSU-Bundestagsabgeordneten Stephan Mayer.
  • Josef Enzinger
    VonJosef Enzinger
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Pflegenotstand, Finanzierung, Patientenversorgung – den Angestellten des Inn-Klinikums Mühldorf brennen viele Themen unter den Nägeln. Beim Besuch von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in Mühldorf sprachen sie Probleme an.

Mühldorf – Helga Büllesbach, seit 1986 als Krankenschwester im Inn-Klinikum, war der Meinung, dass sich der Pflegenotstand nicht innerhalb von Monaten lösen ließe. Der sei in den vergangenen 20 Jahren durch die Politik entstanden, die das Ziel hatte, Krankenhäuser zu reduzieren. „Damals gab es in Deutschland 1900 Krankenhäuser – und man war der Meinung, dass 1200 genügen würden. 500 sind mittlerweile geschlossen“, nannte sie Zahlen. Die Arbeitsbedingungen seien schlechter, der Beruf unattraktiv geworden. Rein wirtschaftlich gesehen bedeute ein multimorbider Patient ein Verlustgeschäft. „In unseren Häusern sind wir auf gutem Weg, aber ich befürchte, dass der der Kampf weiter geht!“

Spahn: In der Pflege steigen die Gehälter überdurchschnittlich

Hier zählte Spahn die aus seiner Sicht positiven Entwicklungen der vergangenen Jahre auf, nannte die Abschaffung des Schulgelds, mehr Attraktivität durch die Zusammenführung der Ausbildungsberufe und die Ausbildungsvergütung von 1000 Euro im ersten Ausbildungsjahr. In keinem anderen Beruf seinen die Gehälter so stark gestiegen wie in der Pflege.

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„Wir zählen 13 Prozent mehr Auszubildende in den letzten drei Jahren. So viele wie nie. Reicht es? Nein. Aber der Weg ist begonnen!“ Das Geld sei da – aber es fehlten die Fachkräfte. Man habe einen Veränderungsprozess begonnen. Doch Vertrauen könne nur geschaffen werden, wenn nicht nur der Minister „vorturnt“, sondern wenn man gemeinsam vermittle: „Wir haben den richtigen Weg begonnen!“

Personalvorgaben schaffen kein Personal

Gesundheitsminister Jens Spahn über den Pflegermangel auf Intensivstationen

Auf Intensivstationen habe man einen Betreuungsschlüssel von 1:2 eingeführt. Natürlich könne man einen Schritt weitergehen und eine 1:1-Betreuung anstreben. „Doch dann müssten wir die Intensivstationen zusperren, weil die Kräfte fehlen. Denn Personalvorgaben schaffen kein Personal.“

Es sei eine große Aufgabe der Politik, bedarfsgerechte Strukturen zu schaffen. Während man in Vorpommern Gebiete habe, in denen man 15 Minuten zum nächsten Krankenhaus brauche, fänden sich im Ruhrgebiet innerhalb von 30 Kilometern 60 Kliniken. Ziel sei es, die Grundversorgung in der Fläche sicherzustellen sowie die Bündelung der Kräfte und Spezialisierung.

Leidet die Pflege unter einem schlechten Ruf?

Annemarie Denkl, Pflegedirektorin für Mühldorf und Haag, sorgt sich um das Image der Krankenhäuser und um das der Pflege im Speziellen. Von einem „negativen Touch“ sprach sie. Man müsse die Arbeit in den Häusern nach Außen verstärkt positiv darstellen. Die Corona-Pandemie habe man gut gemeistert. „Doch bei der Beschaffung von Schutzkleidung waren wir von Lieferungen aus dem Ausland abhängig“, sagte sie.

Der Gesundheitsminister sagte zum „negativen Touch“, dass man im Ministerium große Anstrengungen unternehme, um das Berufsfeld positiv darzustellen. „Aber solange in den Pflegeberufen stets über Notstand geredet wird, kann ich noch so viele Imagefilme machen.“ Man müsse über Probleme reden, aber auch darüber, welche Verbesserungen bereits angestoßen worden seien. Auch die Beschäftigten in den Krankenhäusern sollten dies nach außen kommunizieren.

Mühldorf: Mehr Corona-Patienten als im Klinikum rechts der Isar

Landrat Max Heimerl (CSU) dankte dem Bund für die Ausgleichszahlungen in der Pandemie, „sonst wäre das nicht zu stemmen gewesen“. Er appellierte aber auf weitere Hilfen für das Inn-Klinikum, in dem die Covid-Versorgung viel Arbeitskraft binde. „Von 275 Betten können wir 100 nicht betreiben. Corona lähmt uns!“ In Mühldorf habe man in der Vergangenheit doppelt so viele Corona-Patienten behandelt als das Klinikum Rechts der Isar.

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Spahn erklärte dazu, dass der Bund im Verlauf der Pandemie etwa 15 Milliarden Euro zusätzlich für die Krankenhäuser zur Verfügung gestellt habe. „Man muss jetzt schauen, wie sich das in den nächsten Monaten entwickeln.“ Er hofft dabei auf die Impfung. „Wir haben eine Pandemie der Ungeimpften. Wenn wir ähnliche Impf-Quoten wie Dänemark erreichen, können wir auch den dänischen Weg gehen“, sagte Spahn, der es jedoch unterließ, sich bei der Zusage weiterer finanzieller Mittel festzulegen.

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