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Kinder und Corona

Corona bringt Kinder an Grenzen – So können Familien die Krise überstehen

Dunkle Wolken hängen derzeit über vielen Kindern. Doch Fachleute sind überzeugt, mit den richtigen HIlfen kommen sie stark aus der Pandemie.
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Dunkle Wolken hängen derzeit über vielen Kindern. Doch Fachleute sind überzeugt, mit den richtigen HIlfen kommen sie stark aus der Pandemie.
  • Markus Honervogt
    vonMarkus Honervogt
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Der Druck auf Familien ist während der Corona-Pandemie sehr hoch, die Belastung von Kindern und Eltern spürbar. Fachleute aus der Region Mühldorf sind trotzdem zuversichtlich

Mühldorf – Die Corona-Pandemie belastet Kinder und Jugendliche besonders. Darüber sind sich Experten einig. Welche konkreten Folgen damit verbunden sind, ist aber strittig. So warnte in dieser Woche der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), Jörg Dötsch, vor massiv steigenden psychatrischen Erkrankungen und der Überfüllung der Hilfseinrichtungen.

Stefan Vlaho. Foto Inn-Klinikum

Gegen „reißerische Panikmache“, wehrt sich dagegen Dr. med. Stefan Vlaho, Chefarzt der Abteilung für Kinder- und Jugendmedizin am Inn-Klinikum. Die Einrichtungen in der Region seien nicht überfüllt, es müsse nicht ausgewählt werden, wer behandelt wird und wer nicht.

Das ganze System ist belastet

Mitarbeiterinnen in heimischen Einrichtungen bestätigen, dass Corona Kinder, Eltern, ganze Familien an die Grenze ihrer Möglichkeiten treibt. Eltern seien massiv gefordert, Arbeit, Familie und Schulunterricht zu organisieren. Dabei entstehe Druck, der sich auf die Kinder auswirke. Heranwachsenden fehle außerdem der Kontakt zu Gleichaltrigen. „Die lange Dauer des zweiten Lockdowns hat das ganze System überlastet“, analysiert Gabriele Blechta, die die Erziehungsberatung der Caritas leitet.

Eine Diagnose, die das Jugendamt bestätigt: „Grundsätzlich nehmen die Belastungen durch die Einschränkungen zu und können Familien an ihre Grenzen bringen.“ Trotzdem meldet das Amt keine Steigerung der Gefährdungsmeldungen. Sie liegen in den vergangenen drei Jahren konstant zwischen 170 und 190 Fällen jährlich. „Für 2021 liegen noch keine statistischen Auswertungen vor, die Zahl der Fälle in den ersten Monaten dieses Jahres ist nach unseren Beobachtungen nicht gestiegen.“

Mehr Anrufe beim Kinderschutzbund

Einen Hinweis auf die höhere Belastung meldet dagegen der Kinderschutzbund Mühldorf. Zahlen für die Region gibt es laut Leiterin Monika Meyer nicht, bayernweit sei die Zahl der Anrufer bei der „Nummer gegen Kummer“aber gestiegen. „In der ersten Welle haben 20 Prozent mehr Eltern und 29 Prozent mehr Kinder angerufen“, sagt sie. Dr. Vlaho vom Inn-Klinikum sagt, dass die Anfragen an professionelle Hilfsangebote in Deutschland um etwa 20 Prozent gestiegen sei.

Dabei lastet nicht nur der Druck innerhalb der Familien auf den Kindern, betont Psycholgin Blechta. Sie spricht davon, dass Kinder regelrecht ausgehungert seien: „Sie brauchen soziale Kontakte, das sie sich erleben und im Umgang mit Gleichaltrigen erproben können, Lernerfahrungen machen in der Schule und in der Freizeit.“

Gefahr der Vereinsamung

Kinderarzt Vlaho spricht von Vereinsamung. „Im Jugendlichenalter ist der Kontakt zu Gleichaltrigen ein wesentlicher Faktor, der zu einem gelingenden Entwicklungsschritt der Ablösung und Autonomieentwicklung beiträgt.“ Durch die Einschränkungen fehle die Möglichkeit, sich mit Gleichaltrigen auszutauschen, zu streiten, sich zu verlieben.

Mehr zum Thema: Erziehungsberatung in Corona-Zeiten: „Mehr Ängste, mehr Aggressionen in Familien“

Obwohl die Fachleute die Entwicklung mit Sorge sehen, glauben sie daran, dass Kinder und Jugendliche damit fertig werden können. Psychologin Blechta ordnet das Verhalten vieler Kinder so ein: „Es ist die ganz normale Reaktion auf eine unnormale Situation.

Normale Reaktion auf unnormale Situation

Das heißt: Jede Krise hat psycholgische Auswirkungen, die stärker ausfallen, je weniger Widerstandskraft Kinder und Jugendliche entwickelt haben. Entscheidend dafür ist ihrer Ansicht nach auch die Haltung der Eltern: Sind sie ängstlich, überfordert, niedergeschlagen, dann schlage sich dies auf die Kinder nieder.

Verhalten der Eltern entscheidend

Das bestätigt Monika Meyvom Kinderschutzbund: „Der Umgang der Eltern mit der Situation ist entscheidend. Sie geben Angst an die Kinder weiter oder auch nicht.“

Auch interessant: Wer kann in der Pandemie noch abschalten?

Wenn ein Kind eine große psychische Widerstandsfähigkeit habe, könne es besser mit der Situation umgehen.

Verantwortung der Gesellschaft

Kinderarzt Vlaho bringt die Verantwortung der Gesellschaft und der Politik ins Spiel: „Gerade Kindern und Jugendlichen gelingt es besonders gut, sich an geänderte Umwelt- und Rahmenbedingungen anzupassen.“ Er ist überzeugt: „Diese positive Offenheit für Neues und der lebendige Wille zur Gestaltung kann in dieser Krise entscheidend sein, sie gut zu bewältigen.“ Aufgabe der Gesellschaft sei es, Kinder jetzt Erfahrungsmöglichkeiten zu geben.

Kinder stark machen

Nach Ansicht von Fachleuten gibt es mehrere Punkte, um Kinder in der Bewältigung der Krise zu unterstützen:

- Kinder stärken: Eltern sollten versuchen, mit Kindern offen über die Pandemie zu sprechen. So könnten Kinder ihre Sorgen aussprechen und Zuwendung erfahren.

Gabriele Blechta. Foto privat

- Kindern Begegnung ermöglichen: „Den Kindern fehlen wesentliche Erfahrungen. Wir müssen jetzt schauen, dass wir ihnen diese Erfahrungsmöglichkeiten geben“, fordert Psycholgin Blechta. Das sind vor allem Kontakte mit Gleichaltrigen. Diese finden natürlich auch in der Schule statt. Blechta erwartet aber, dass es dort in den kommenden Monaten nicht nur um Wissensvermittlung sondern auch um soziales Lernen gehen soll.

- Für Eltern ist der Austausch mit anderen Eltern wichtig. „Es ist normal, dass diese Krise schwierig ist.“ Das könnten Eltern im Gespräch mit anderen Eltern besprechen und so bemerken, dass sie nicht allein stehen und gleichzeitig Anregungen erhalten

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