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Diskotheken und Clubs in Mühldorf

Ausgetanzt: Diskotheken in der Region warten seit über einem Jahr auf eine Perspektive

Ausgelassen feiern, dicht an dicht, keine Masken: Das Foto aus dem Uschihaus in Tüßling wirkt nach über einem Jahr Corona wie eine Reise in eine ferne Welt. Clubbetreiber hoffen, dass auch sie bald aus dem Lockdown kommen dürfen.
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Ausgelassen feiern, dicht an dicht, keine Masken: Das Foto aus dem Uschihaus in Tüßling wirkt nach über einem Jahr Corona wie eine Reise in eine ferne Welt. Clubbetreiber hoffen, dass auch sie bald aus dem Lockdown kommen dürfen.
  • Hans Grundner
    vonHans Grundner
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Für fast alle Bereiche gibt es Öffnungsperspektiven. Nur die Club- und Diskothekenszene schaut in die Röhre. Aufgeben wollen sie aber nicht, die Staatsregierung bleibt rigide.

Mühldorf/Waldkraiburg – Manchmal würde Alex Krieger am liebsten alles hinwerfen und aufgeben. So frustiert ist der Waldkraiburger, der zusammen mit seinem Bruder Niklas die „E-Lounge“ im Kino Cinewood betreibt. Weit über ein Jahr ist der Club nun zu und noch immer gibt es keine Perspektive. „Wir sind ganz vom Staat und den Behörden abhängig.“

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Und der Staat stellt sich in Sachen Clubs und Diskotheken weiterhin tot. „Grundsätzlich ist bei allen Öffnungsschritten das jeweils aktuelle Infektionsgeschehen, der Impffortschritt sowie die Ausbreitung von möglicherweise wenig impfsensitiven besorgniserregenden Virusvarianten zu berücksichtigen“, sagt eine Sprecherin der Staatskanzlei. „Die Staatsregierung beobachtet die Entwicklung permanent und wird auf dieser Basis auch die notwendigen politischen Entscheidungen treffen, sobald dies vertretbar ist.“

Verband fordert kontrollierte Öffnung

Eine konkrete Perspektive klingt anders. So sieht das zumindest der Hotel- und Gaststättenverband hat jetzt die Not dieser Sparte erkannt und die „kontrollierte Öffnung gefordert“. Damit, so die Verbandsvertreter, könnte auch einer illegalen Partyszene entgegengetreten werden.

Doch diese Aussichten gibt es derzeit noch nicht. Wer wann wieder wo feiern darf: alles offen. Trotzdem betont Alex Krieger: „Aufgeben ist keine Option für uns. Wir haben so viel investiert.“

Neustart auch für Mitarbeiter wichtig

Das sagt auch Thomas Wöhrl, der das Silo in Töging betreibt. Sollte es irgendwann eine Lockerung geben, wäre er am Start. „Wir hoffen, dass im Herbst drinnen wieder irgendetwas geht.“ Wie eine Prophezeiung schwebt dieser Herbst oder September über den Club-Betreibern. Immer wieder taucht er in Gesprächen auf, allein, der Beleg für diese Hoffnung fehlt noch völlig. Was Maximilian Kendlinger, den Chef des Sinners in Mühldorf zu der Aussage bringt: „Wir hängen völlig in der Luft.“

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Dabei wäre der Neustart dringend nötig. Die Mitarbeiter, meist 450-Euro-Kräfte sind entlassen, für viele ein harter Schlag, sagt Kendlinger. Unter seinen knapp 60 Leuten seien zum Beispiel junge Mütter oder Alleinerziehende, die abends die Kinder von den Großeltern betreuen ließen, um im Sinners bedienen zu können. „Die haben jetzt gar nichts mehr.“

Die Konsequenz für die Clubs schildert E-Lounge-Chef Krieger: „Meine Mitarbeiter sind alle weg. Die haben andere Jobs. Die konnten nicht auf mich warten. Ich verstehe das.“ Jetzt müsse er neue Leute zuerst mal schulen für den Tag, an dem es auch in der „E-Lounge“ wieder losgeht.

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Das sollte möglichst bald sein, denn den Betreibern geht allmählich die Luft aus. Die November-Hilfe habe er zwar bekommen, die zugesicherte Dezember-Hilfe sei noch immer nicht ausgezahlt, sagt Krieger. Ob er weitere schon beantragte Mittel erhält, sei völlig offen. Um die finanziellen Löcher zu schließen, reiche das aber hinten und vorne nicht. „Viele in der Branche haben sich verschuldet.“

Voller Club oder halbe Besetzung?

Wie der Neustart aussehen soll, darüber gehen die Ansichten bei den Clubbetreibern auseinander. Silo-Chef Wöhrl kann sich statt der 500, die an normalen Abenden kommen, auch die Hälfte vorstellen. Sein Kolleg Kendlinger warnt davor: „Die Kosten sind ja die Gleichen, auch wenn nur die Hälfte rein darf.“ Discjockey, Sicherheitsdienst, Bedienungen, Reinigungsleute stehen auf der Gehaltsliste, egal wie viel Leute die Tanzfläche bevölkern. „Deswegen darf man das nicht extrem beschränken. Wir brauchen volle Kapazität.“

Hoffen auf den Herbst

Und damit kommt wieder der September ins Spiel. Denn die ersten Herbstmonate sind die umsatzstärksten, mit den dunkler werdenden Tagen steigt die Sehnsucht nach einer durchgetanzten Nacht.

Ob Politiker dafür Verständnis haben, ob sie nachvollziehen können, dass Feiern für viele Menschen zu Kultur und Lebensgefühl gehört, wissen die Clubbetreiber nicht. Sie sind mit ienem Urteil sehr zurückhaltend, zeigen Verständnis für Corona-Einschränkungen: „Ich glaube nicht, dass sich jemand den Stiefel anziehen will, wenn Menschen alkoholisiert und verschwitzt eng auf der Tanzfläche sind“, sagt Thomas Wöhrl vom Silo. Auf der anderen Seite, mahnt Alex Krieger: „Wie immer“ übertreibe es Deutschland mit den Regeln.

Staatsregierung bleibt hart

Die Staatsregierung verteidigt den regiden Kurs: „Die generelle Intention von Geselligkeit und Kommunikation in Clubs und Diskotheken läuft einer Kontaktreduktion und dem Einhalten und Mindestabständen und Hygienevorgaben zuwider“, sagt die Sprecherin.

Gute Erfahrungen in Österreich und England

Trotzdem, sagen die Clubbetreiber und setzeb auf Geimpfte und Getestete. „Dann sollte es doch gehen“, meint Kendlinger vom Sinners. Er zeigt mit dem Finger auf Österreich, wo es erste Lockerungen gibt. Und auf England. Dort habe es Testkonzerte gegeben mit 60 000 Leuten, ohne Maske. „Von denen waren danach 15 positiv getestet.“

Biergarten statt Tanzfläche

Und bis dahin? Keine Party, aber wenigstens zusammen sitzen und Musik hören, das will Silo-Chef Wöhrl seinen Gästen ermöglichen. Er hat am Freitag und Samstag den Außenbereich vor seinem Club geöffnet. Manchmal werde da sogar eine Band spielen, sagt er. Die Gäste dürfen trotzdem nicht tanzen, sondern müssen ruhig auf ihren Stühlen sitzen bleiben. Biergarten halt, keine Diskothek.

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