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Alternativ und naturnah

Hühner unter dem Christbaum: Paar aus Salmanskirchen hat ein Herz für‘s Federvieh

Lieblingsplatz Christbaum: Hier ist es schattig und die Hühner sind vor Greifvögeln geschützt.
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Lieblingsplatz Christbaum: Hier ist es schattig und die Hühner sind vor Greifvögeln geschützt.
  • Rita Stettner
    VonRita Stettner
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Die Hühner werden gemästet, die männlichen Tiere getötet, weil sie nicht schnell genug wachsen. Ab Januar 2022 wird das verboten sein. Josef Reichl und Marina Lohr aus Salmanskirchen und Mettenheim lassen schon alle Küken leben, um sie als Fleisch- und Eierlieferanten zu vermarkten..

Salmanskirchen – Josef Reichl junior (24) ist Techniker für Landbau und derzeit im elterlichen Betrieb angestellt. Als er seine Freundin Marina Lohr (20) aus Mettenheim – und ihr Hobby, die Hühnerhaltung – kennenlernte, wurde der anfängliche Skeptiker schnell von den gefiederten Zweibeinern überzeugt.

Josef Reichl und Marina Lohr beim Bestücken der Eierwaben mit frischen Eiern von glücklichen Hühnern.

Die Steuerfachangestellte und angehende Hauswirtschafterin Marina Lohr ist vertraut mit der Landwirtschaft und der Geflügelhaltung. Neben den Hühnern ist auch die Imkerei ein Hobby von ihr. Ihre Produkte verkauft sie im eigenen Hofladen in Harthausen und Salmanskirchen. In diesem werden neben den Eiern auch Nudeln angeboten. Die sind aus den eigenen Eiern hergestellt und natürlich gibt es auch den Honig von Marina Lohr und einem Imker aus der Region.

Josef Reichl und Marina Lohr haben inzwischen schon den dritten mobilen Stall in Betrieb. Insgesamt steht den Tieren eine Weidefläche von mehr als 4000 Quadratmetern zur Verfügung. Eine Fläche, auf der normalerweise Christbäume wachsen. Hier haben die Hühner einen großen Auslauf und sind vor Greifvögeln geschützt.

Mobile Hühnerställe gibt es für bis zu 2000 Tiere, erklärt Claudia Meyer vom Amt für Landwirtschaft in Töging. Sie werden regelmäßig umgestellt und haben eine Größe von etwa drei mal zwölf Metern. Claudia Meyer empfiehlt allen Hühnerhaltern, beim Amt für Landwirtschaft einen „Kurs für die Legehennenhaltung“ zu machen. Zudem sagt sie, dass die staatliche Landwirtschaftsberatung bei Fragen rund um die Hühnerhaltung gerne weiterhilft.

Neue Idee: Umstellung auf Zweinutzungsgeflügelhaltung

Das „neue Wohnzimmer“ der fleißigen Damen. Josef Reichl baut gerade den Feststall der Hühner um.

Eine neue Idee von Josef Reichl und Marina Lohr für ihre Hühner ist das Umstellen von Hybridgeflügelhaltung auf Zweinutzungsgeflügelhaltung. Während bei der Hybridhaltung entweder auf die Legeleistung oder auf eine hohe Mastleistung der Hühner gesetzt wird, sollen bei den Zweinutzungsrassen beide Nutzungen für die Tiere denkbar sein, erklärt Claudia Meyer.

Über Jahrtausende züchteten Bauern die Hühner als Fleisch- und Eierlieferanten. Erst seit Ende der 50er Jahre wurde angefangen, speziell das Eine (Eier) oder Andere (Fleisch) zu züchten. Das war der Beginn der Hybridtiere : Das hat dazu geführt, dass weibliche Tiere gemästet werden, während männliche Tiere getötet werden, weil sie zu langsam wachsen, um profitabel zu sein.

Josef Reichl und Marina Lohr lassen alle Küken leben. Die weiblichen werden als Legehennen genutzt und die männlichen werden Weidehähnchen, die später in der Bratpfanne, auf dem Grill oder im Suppentopf landen. Sie werden in einem Mobilstall aufgezogen und sind ab der siebten Lebenswoche täglich auf der Wiese.

Geschlossener Kreislauf bei den Eiern

Noch müssen Sie das Haus hüten bis es dann für den Nachwuchs auf die Wiese geht.

Unter den Hühnern sind richtige Rassemädels und Jungs wie Les Bleues, Australorps oder Vorwerk; alte und exotische Rassen eben. Josef Reichl und Marina Lohr sind sich einig: „Es ist nicht ganz leicht, einen Bestand aufzubauen, bis dann endlich die Eier zum Brüten verfügbar sind“. „Unser Ziel ist es, von Ei zu Ei einen geschlossenen Kreislauf zu bilden“, ergänzt Marina Lohr.

Anfänglich wurden die Eier im Brutautomat von Marinas Oma ausgebrütet. Der wurde aber schnell zu klein und deshalb ein großer angeschafft. Rund 300 Eier können dort auf einmal ausgebrütet werden. Nach dem Brüten werden Küken ab dem ersten Schlupftag zur Weiterzucht abgegeben. „Ob ein Küken männlich oder weiblich ist, kann man nach drei Wochen feststellen“, sagt Josef Reichl. Auch Masthähnchen sind ab der dritten Woche zur Aufzucht abzugeben. Und ein Teil geht später als Weidehähnchenfleisch an Privatkunden oder die Gastronomie.

Hühner sollen bis zum Ende keinen Stress haben

Sind die Hühner oder Hähne schlachtreif, werden sie in Amerang in einer kleinen Metzgerei geschlachtet. ,,Uns ist wichtig, die Tiere keinem Stress auszusetzen, darum begleiten wir sie bis zuletzt.“

Und auch solange sie leben, haben die Hühner es schön bei Marina Lohr und Josef Reichl. Derzeit baut Reichl im Feststall „ein neues Wohnzimmer“ für die Hühner. Und „wenn sie dort einziehen, arbeiten sie sozusagen als ökologischer Rasenmäher auf der Christbaumkultur“, sagt Reichl.

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