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Bundestagswahl 2021 – Wahlkreis Altötting (212)

Die Direktkandidaten im großen OVB-Check: Dr. Ilse Ertl (Freie Wähler)

Bundestagswahl 2021: Dr. Ilse Ertl tritt für die Freien Wähler als Direktkandidatin im Wahlkreis Altötting an, zu dem auch der Landkreis Mühldorf zählt.
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Bundestagswahl 2021: Dr. Ilse Ertl tritt für die Freien Wähler als Direktkandidatin im Wahlkreis Altötting an, zu dem auch der Landkreis Mühldorf zählt.

Am 26. September ist Bundestagswahl. Im Wahlkreis Altötting, zu dem auch Mühldorf zählt, treten 10 Kandidaten für das Direktmandat an. Hier stellen sie sich den Menschen in der Region vor, nehmen zu aktuellen politischen Themen Stellung und beantworten persönliche Fragen. An dieser Stelle: Dr. Ilse Ertl (Freie Wähler).

Hinweis in eigener Sache: Unsere Redaktion hat allen Kandidaten die gleichen Fragen gesendet. Wir haben es den Kandidaten überlassen, auf welche Fragen sie wie ausführlich antworten. Wir veröffentlichen die Antworten ungekürzt. Sprache und Inhalt liegen ausschließlich in Verantwortung der Kandidaten. Die Redaktion macht sich keine der Aussagen zu eigen.

Steckbrief Dr. Ilse Ertl

  • Partei: Freie Wähler
  • Alter: 56 Jahre
  • Wohnort: Mauern (Kreis Freising)
  • Beruf: Tierärztin
  • Familienstand: alleinstehend, keine Kinder
  • Hobbys: mein eigenes Pferd

Zum Bundestagswahl-Spezial und allen weiteren Kandidaten:

> auf ovb-online.de

> auf innsalzach24.de

> auf wasserburg24.de

Dr. Ilse Ertl: Berlin braucht bessere Bayern als die, die gerade im Bundestag sitzen. Mir geht es gar nicht um die Selbstbereicherungsmentalität einiger Abgeordneter und auch nicht um die offensichtlichen Fehler in der Politik wie zum Beispiel der Pkw-Maut. Mir geht es um das unterlassene politische Handeln auf wichtigen Feldern wie etwa der Digitalisierung. Unsere Daten sind nicht sicher und nahezu jede Woche hören wir von schwerwiegenden Hackerangriffen. Deutschland braucht eine eigene sichere Plattform, auf der es seine hoheitlichen Aufgaben erfüllen kann, damit Meldungen wie „Hackerangriff legt Landkreis Anhalt-Bitterfeld lahm“ der Vergangenheit angehören. Ich mag mir gar nicht vorstellen, was diese Sicherheitslücken bedeuten, wenn Smart-Cities und autonomes Fahren umgesetzt werden.

Ebenfalls vermisse ich ein schlüssiges Konzept für die Energiebereitstellung, gerade bei uns im Chemie-Dreieck. Angesichts der angestrebten E-Mobilität für alle frage ich mich, wie man eine grundlastfähige Energieversorgung bereitstellen will, wenn Ende 2022 die letzten Atommeiler abgeschaltet werden. Hier stimmen die Zeitachsen von Abschaltung der bisherigen Energielieferanten und Ersatz der Energielieferanten durch speicherfähige Medien in der Zukunft nicht überein. Gleichzeitig soll aber ein weiterer Energieverbraucher, nämlich die E-Mobilität, hochgefahren werden. Es wird künftig nötig sein, Kohle- und Atomstrom von Nachbarländern zu kaufen. Dieses Vorgehen gefährdet unseren Standort im Chemie-Dreieck. Energie wird künftig teuer werden und die chemische Industrie in Deutschland wird dann nicht mehr konkurrenzfähig sein. Die Chemische Industrie warnt bereits, ihre Standorte in energiegünstigere Länder zu verlagern. Dieses Damoklesschwert gilt es politisch abzuwenden, um zehntausende von Arbeitsplätzen bei uns im Chemie-Dreieck zu erhalten.

Als Tierärztin bin ich Tierschützerin und sehe mich selbst als Lobbyistin für Nutztiere. Tierwohl und profitables Wirtschaften für Landwirte können und müssen Hand in Hand gehen. Gerade das Thema der Impfung gegen den Ebergeruch ist eine reine Win-Win-Situation für die Tiere, die Umwelt, das Klima und für den Landwirt. Trotzdem wird politisch auf die klimaschädliche Gasnarkose zur Kastration gesetzt. Sie nützt weder den Tieren, noch unserer Umwelt, noch den Landwirten. Diese verdienen bei der Kastration mit Narkosegasen weniger als mit der Impfung gegen den Ebergeruch. Niemandem ist geholfen, wenn die Nutztierhaltung ins billigere Ausland verlagert wird. Dort würden keinesfalls die gewünschten Maßnahmen zum Tierwohl eingesetzt. Deshalb muss alles getan werden, um vor allem unsere familiengeführten landwirtschaftlichen Betriebe und die Nutztierhaltung in Deutschland zu erhalten.

Als politisch interessierter Bürger der Mitte, finde ich es wichtig, dass man sich in die politische Debatte einmischt, sonst bekommen bei Themen, die dazu prädestiniert sind, die Bevölkerung zu spalten, rechte und linke Ränder Zulauf und unsere Gesellschaft zerfällt dadurch immer mehr. Politik darf nicht spalten, sondern muss die Gemeinschaft zusammenhalten.

Thema Corona

Unsere Fragen an Dr. Ilse Ertl:

  • Mit welchen Szenarien und Folgen rechnen Sie Ende 2021 und 2022? Wie sieht Ihre Corona-Strategie aus?
  • Wie hat Corona Ihr Denken und Handeln verändert? Warum spaltet Corona die Gesellschaft?

Verantwortung den Leuten zurückgeben

Weil die Politik nicht spalten darf, müssen Geimpfte, Genesene und Getestete weiterhin dieselben Rechte haben. Schnelltests in den Teststationen sollen weiterhin kostenfrei angeboten werden. Da auch Geimpfte erkranken können und das Virus weitergeben können, müssen die Hygieneregeln weiterhin eingehalten werden.

Geimpfte gelten darüber hinaus nur als geimpft, wenn die letzte Impfung nicht länger als 284 Tage zurückliegt. Nachimpfungen sind also nötig. Diese Notwendigkeit könnte sich auch ergeben, wenn sich neue Varianten ausbreiten sollten, gegen die bisherige Impfungen nicht (vollständig) wirken.

Der Einzelhandel ist unisono unabhängig von den Inzidenzfällen offen zu halten und das Betreten mit einer FFP2-Maske zu erlauben. Sensible Bereiche wie zum Beispiel Gastwirtschaften und Fitnessstudios sollen nach Vorlage des negativen Corona-Tests, der Impfbescheinigung oder der Bescheinigung eines Antikörpertiters betretbar sein.

Der britische Großversuch, nach Erreichen einer gewissen Impfquote die Menschen „wieder aufeinander los zu lassen“, gibt Hoffnung. Schwere Verläufe scheinen größtenteils auszubleiben und die Situation ist für die Krankenhäuser beherrschbar. Wir, die Freien Wähler, plädieren deshalb dafür, die Verantwortung langsam wieder an die Bevölkerung zurückzugeben.

Die Freien Wähler im Landtag haben bereits im Frühjahr einen Bayernplan mit einem angepassten Coronamanagement vorgelegt. Er zielt darauf ab, die Inzidenzen nicht als alleiniges Beurteilungskriterium der Lage heranzuziehen. Genauso wichtig ist es, die Lage in den Krankenhäusern und die Schwere der Erkrankungsverläufe zu beurteilen. Sehr wichtig in diesem Zusammenhang ist es, schnell Medikamente wie zum Beispiel Ivermecin zur Linderung der Symptome zu erforschen.

Thema Klimawandel

Unsere Fragen an Dr. Ilse Ertl:

  • Der Klimawandel bedroht Mensch und Natur. Was ist zu tun? In der Welt, in Brüssel, in Berlin und München?
  • Aber auch in der Region, vor der Haustür oder im eigenen Haushalt?

Warum baut China Kohlekraftwerke?

Der Klimawandel ist eine realistische Gefahr, die alle Menschen auf der ganzen Welt gleichermaßen bedroht und deren Auswirkungen wir bereits jetzt schon zu spüren bekommen. Umso unverständlicher ist es, dass die Welt nicht gleichzeitig am selben Problem arbeitet. So dürfen zum Beispiel „die Chinesen noch Löcher in die untergehende Titanic bohren“. Das soll heißen, dass China derzeit noch Kohlekraftwerke hinzubauen darf. Man wird erst in ein paar Jahrzehnten sehen, ob sich China an sein Versprechen, bis 2060 klimaneutral zu sein, halten wird.

In Anbetracht der Situation habe ich mich gewundert, warum die Regierungen dieser Welt nicht sofort umsetzbare Aktivitäten in Angriff nahmen, wie zum Beispiel die Impfung gegen den Ebergeruch oder den Umstieg von Benzin und Diesel auf Autogas oder Tempo 130 auf den Autobahnen, um nur ein paar zu nennen. Vergessen dürfen wir auch nicht, in welchem Ausmaß in Südamerika Wälder verbrannt werden, um Anbaufläche für genmanipulierten Soja zu gewinnen, der dann an unsere Nutztiere verfüttert wird.

Freie Wähler stehen für den Erhalt von sauberem und sicherem Trinkwasser als öffentlichem Gut durch einen wirksamen Grundwasserschutz und eine umweltgerechte Nährstoffbewirtschaftung in der Landwirtschaft. Eine Privatisierung der Wasserversorgung lehnen wir ab. Wir messen dem Schutz des Trinkwassers einen besonders hohen Stellenwert bei. Grundwassergefährdungen müssen konsequent vermieden werden. Ein verantwortungsvoller Umgang mit Trink- und Regenwasser muss als Klimafolgenanpassung bundesweit gefördert werden.

Vor der eigenen Haustüre können wir nur begrünen, was zu begrünen geht, und wir dürfen die Flächen nicht weiter versiegeln. Natürlich habe ich persönlich eine Blumenwiese angelegt und mähe sie zweimal im Jahr mit der Sense. Eine Schinderei, die ich gerne als Fitnessübung ansehe.

Thema Verkehr

Unsere Fragen an Dr. Ilse Ertl:

  • Drei Verkehrsthemen prägen die Region: der Lärmschutz an der A94, der Ausbau der B15 von Landshut nach Rosenheim und die Schließung des Bahnübergangs Allersheim bei Schwindegg, den die Bahn im Zuge des Ausbaus der Bahnstrecke von München nach Freilassing auflassen will. Wie ist Ihre Haltung zu diesen drei Problemen?

Neue Trassen lehnen wir ab

Obwohl alle Lärmschutzmaßnahmen entlang der A94 eingehalten wurden, könnten noch Verbesserungen erfolgen, zum Beispiel indem der Belag erneuert oder Lärmschutzwände aufgestellt werden. Die Freien Wähler hatten Tempo 120 in manchen Bereichen mitgetragen, diese Anordnungen wurden jedoch gerichtlich wieder aufgehoben.

Wir Freien Wähler sprechen uns für einen autobahnähnlichen Ausbau entlang der Bestandsstraße B15 mit Ortsumfahrungen aus. Gleichzeitig plädieren wir auch dafür, die B20 entsprechend auszubauen. Beide Straßen können die A99 entlasten. Neue Trassen lehnen wir ab.

Eine ausschließliche Schließung des Bahnübergangs in Allersheim bei Schwindegg ohne eine Alternative (Übergang oder Unterführung) anzubieten, halten wir für unzumutbar.

Thema Wirtschaft und Arbeitsmarkt

Unsere Frage an Dr. Ilse Ertl:

  • Welche Schwerpunkte setzen Sie zur Sicherung der Arbeitsplätze und der heimischen Wirtschaft?

Wasserstoff ist die Zukunft

Energie muss für unser produzierendes Gewerbe, insbesondere das Chemie-Dreieck, bezahlbar bleiben. Sonst wären wir genötigt, die mit Abwanderung drohende chemische Industrie zu subventionieren, um Arbeitsplatze in Deutschland und auch bei uns im Chemie-Dreieck erhalten zu können. Immerhin sind rund 20.000 Mitarbeiter direkt in Firmen des Chemie-Dreiecks und rund 50.000 Menschen indirekt als Zulieferer für diese Firmen tätig.

Ebenfalls bedroht sind Arbeitsplätze bei unseren bayerischen Automobilherstellern. Wenn die bevorstehende Euro 7-Norm ausschließlich auf Elektromobilität setzt, werden bei den Autobauern viele Entlassungen bevorstehen. Freie Wähler setzten sowohl im Schwerlastverkehr, im Flugverkehr als auch im Individualverkehr auf Wasserstoffantrieb.

Hierzu werden derzeit in den Reallaboren Kreisläufe erprobt. Wasserstoff kann, an das Trägermolekül LOHC gebunden, gefahrlos transportiert werden. Auch das Heizen mit Wasserstoff ist möglich.

Wasserstoff kann nicht nur bei uns durch nicht stillstehende Erneuerbare Energien erzeugt werden, er kann auch in sonnenreichen Ländern im großen Stil gewonnen und über Pipelines oder per Schiff zu uns gebracht werden.

Ein weiteres Zukunftsfeld ist die Digitalisierung in all ihren Ausprägungen. Derzeit fehlen in Deutschland geschätzt zwischen 90.000 und 150.000 IT-Spezialisten. Diese Lücke gilt es zu schließen und die Ausbildung und Hochschullehre darauf auszurichten.

Ebenfalls immens wichtig ist und bleibt der Mittelstand mit seinen Freiberuflern und Handwerkern.

Thema Demokratie und Stabilität

Unsere Fragen an Dr. Ilse Ertl:

  • Sind die Menschen wirklich demokratiemüde und empfänglich für neuen Extremismus und Populismus?
  • Wie steht es um Stabilität, Toleranz und Konsensfähigkeit im Land?

Wir sind glaubwürdige Kümmerer

Bürger wünschen sich auf komplexe Sachverhalte einfache Antworten. Diese sind aber aufgrund unserer vielschichtigen Welt nicht mehr möglich. Deshalb muss Politik viel erklären und vereinfachen. Gesetze und Verordnungen von der EU und vom Bundestag erschweren die Arbeit im Land und in den Kommunen. 80 Prozent der Verordnungen der EU betreffen die Kommunen unmittelbar.

Wir Freie Wähler stehen dafür, dass Gesetze vereinfacht und auf ihre Beständigkeit geprüft werden müssen. Wir Freie Wähler setzen uns pragmatisch mit den Belangen der Bürger vor Ort auseinander. Dabei setzen wir auf aktive Bürgerbeteiligung. Politik darf nicht spalten und muss die Gesellschaft als Einheit stets im Blick haben.

Freie Wähler sind seit Jahrzehnten aktiv und erfolgreich in der Kommunalpolitik. Mit über 600 Bürgermeistern und 14 Landräten sind wir in Bayern in den Kommunen verwurzelt. Und wer Kommune kann, der kann auch Bundestag!

Freie Wähler verstehen sich als sachpolitische Kümmerer und glaubwürdige Vertreter der Interessen und Sorgen aller Bürger. Wir sind mit unserem ideologiefreien Handeln und der jahrzehntelangen Erfahrung in bürgernaher Politik in den deutschen Städten und Gemeinden das Gegenmodell der alten Parteiapparate Berlins. Wir wollen zurück zu einer vernünftigen Gestaltung und zu einer verlässlichen Ordnung unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens. Die Bürger müssen der politischen Mitte wieder ihr Vertrauen schenken können. Auch aus diesem Grund sind wir Freie Wähler finanziell unabhängig und nehmen keine Großspenden an. Wer zahlt, schafft an…

Thema Wohnraum und Mieten

Unsere Frage an Dr. Ilse Ertl:

  • Zur Lebensqualität gehört Wohnen. Speziell im Raum Rosenheim wird Wohnraum immer knapper, das Wohnen immer teurer. Wie kann man diese Entwicklung stoppen?

Schnelles Internet hilft

Eine eigene Immobilie ist der Garant für ein sorgenfreies Leben im Alter. Deshalb möchten wir, dass die erste und selbstbewohnte Immobilie von der Grunderwerbssteuer befreit ist.

Eigentum ist auch möglich, wenn man Anteile an genossenschaftlichen Wohnungen erwerben kann. Ebenfalls ein tolles Modell ist der Mietkauf. In Großstädten sollten Büroräume in Mietwohnung oder Betriebswohnung umfunktioniert werden.

Wir Freie Wähler setzen uns, seitdem wir im Landtag sind, dafür ein, das schnelle Internet aufs Land zu bekommen. Denn wo schnelles Internet möglich ist, dort siedeln sich Firmen an. Wo Firmen sind, sind auch Arbeitnehmer. Dies ist die Lösung für eine Entwicklung, die künftig 80 Prozent der Menschen in Großstädten sieht, während das Land „ausstirbt“. Großstädte sind aber nur bedingt nachverdichtbar oder mit Neubauten zu versehen. Verkehr und Infrastruktur bleiben hinter dem überbordenden Zuzug zurück.

Thema Familie

Unsere Fragen an Dr. Ilse Ertl:

  • Die Gesellschaft wird immer älter – auch im Zuzugsraum Rosenheim. Was kann die Politik leisten, damit wieder mehr junge Menschen eine Familie gründen?
  • Wie wollen Sie zum Beispiel eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie erreichen?

Neue Steuerklasse „Familie“

Wir Freie Wähler sprechen uns für das Baukindergeld aus. Nachwuchs sorgt für die Nachhaltigkeit unseres Rentensystems. Deswegen müssen wir Eltern bei der Rente die Kindererziehungszeiten mit dem letzten Bruttogehalt voll anrechnen.

Noch immer haben Frauen, bedingt durch nicht kontinuierliche Erwerbsbiografien, ein höheres Armutsrisiko im Alter. Unser gemeinsames Ziel ist es deshalb, deutschlandweit Schritt für Schritt eine kostenfreie Kinderbetreuung zu organisieren.

Wir fordern ein verpflichtendes kostenfreies Kindergartenjahr. Wir wollen, dass Kinder vor ihrer Einschulung bundesweit ein Jahr lang verpflichtend in den Kindergarten gehen. Dies schafft Chancengerechtigkeit und ermöglicht einen fließenden Übergang vom Kindergarten in die Schule.

Familien bei Erziehung und Pflege unterstützen, heißt: Wir wollen, dass Familien angemessen bei der Erziehung von Kindern und der Pflege von chronisch kranken Kindern und weiteren Angehörigen unterstützt werden. Ihnen dürfen keine Nachteile bei der Rentenberechnung erwachsen, wenn sie sich für ihre Nächsten aufopfern.

Wir treten für eine steuerliche Entlastung von Familien ein. Damit soll sich die Allgemeinheit an der wirtschaftlichen Bürde beteiligen, die Eltern zu tragen haben. Dieses Ziel wollen wir durch eine neue Steuerklasse „Familie“ und kurzfristig durch Aufstockung der steuerlichen Freibeträge erreichen.

Familienfreundliche Arbeitsbedingungen dürfen keine Worthülse bleiben. Uns ist wichtig, dass Eltern Zeit für ihre Kinder haben und sie das Großziehen neben dem Beruf nicht überbelastet. Wir wollen deshalb gemeinsam mit der Wirtschaft dafür sorgen, dass attraktive Arbeitszeitmodelle, Telearbeit, Homeoffice und Betriebskindergärten flächendeckend eingerichtet werden.

Familienfreundliche Karriereplanung: Wir wollen, dass Beschäftigte während der Familienphase auch Weiterbildungsmöglichkeiten wahrnehmen können, um vor allem einen Wiedereinstieg bei den Berufen zu erleichtern, in denen sich Wissen und Fachkenntnisse schnell verändern.

Thema Rente 

Unsere Fragen an Dr. Ilse Ertl:

  • Die Alterspyramide in Deutschland bedroht die Stabilität und die Höhe der Rente. An welchen Stellschrauben muss die Politik drehen, damit zunehmende Altersarmut und eine Überlastung der Beitragszahler vermieden werden?
  • Wie kann der Staat für Generationengerechtigkeit sorgen?

Börse schafft Rentenpunkte

Wir Freie Wähler sehen hier verschiedene Möglichkeiten, stabilisierend zu wirken. Zum einen möchten wir die Besteuerung der Renten aufheben und die Doppelverbeitragung abschaffen.

Die erste, selbst bewohnte Immobilie soll zum Aufbau der Alterssicherung von der Grunderwerbssteuer befreit werden.

Wir Freie Wähler setzen zusätzlich auf eine sogenannte „Automatisierungs-Gutschrift“. Börsennotierte Aktiengesellschaften sollen einen Teil der Dividende an die Deutsche Rentenversicherung abgeben.

Wir wollen sicherstellen, dass es zu keiner weiteren Absenkung des Rentenniveaus und zu einer wachsenden Altersarmut kommt. Immer mehr Menschen haben zwar ein Leben lang in Vollzeit gearbeitet, aber dabei nur ein geringes Einkommen erzielen können. Gut bezahlte Arbeitsplätze in der Industrie sind durch die zunehmende Automatisierung weggefallen. Im wachsenden Dienstleistungssektor werden aber weit geringere Stundenlöhne gezahlt als im produzierenden Gewerbe.

Da sich die Rentenanwartschaften nach dem individuellen Einkommen richten, ist es also erforderlich, die individuellen Rentenkonten zu erhöhen. Deswegen wollen wir das Instrument der „Automatisierungs-Gutschrift“ einführen, damit weder eine Absenkung des Rentenniveaus noch eine zunehmende Steuerfinanzierung der Rente nötig wird.

Für die „Automatisierungs-Gutschrift“ wird bei börsennotierten Aktiengesellschaften auf die ausgeschütteten Dividenden berechnet – vergleichbar der Abgeltungssteuer auf Kapitalerträge – von den Banken automatisch ein Anteil an die Deutsche Rentenversicherung überwiesen. Dieses Geld wird als Rentenpunkte allen Rentenversicherten gleichmäßig auf ihren individuellen Rentenkonten gutgeschrieben. Die Höhe wird zwischen der Deutschen Rentenversicherung und der Deutschen Börse ausgehandelt. So steigt die individuelle Rentenanwartschaft und das Rentensystem bekommt zusätzliche Einnahmen zur Finanzierung der fälligen Rentenzahlungen.

Die „Automatisierungs-Gutschrift“ stabilisiert somit das Rentenniveau, verhindert Unternehmens- und Einkommenssteuererhöhungen zur Rentenfinanzierung und reduziert den Abfluss von deutschem Kapital an die zunehmende Zahl von Aktionären aus dem Ausland und nimmt diese für den Erhalt des Sozialstandards im Entstehungsland ihrer Dividenden in die Pflicht.

Welches Thema liegt Ilse Ertl besonders am Herzen?

Von Corona über Klimawandel bis zum Schutz der Demokratie: In unserem Kandidatencheck haben wir die zwölf Bewerber für den Bundestag im Wahlkreis Rosenheim mit vielen Fragen konfrontiert. Das letzte Wort haben die Kandidaten selbst – mit einem Thema ihrer Wahl, das ihnen besonders am Herzen liegt.

Mehr Lobby für die Tiere

Ich bin nicht nur Tierärztin, sondern ich sehe mich selbst auch als Lobbyistin für Nutztiere.

Zunächst einmal müssten wir mit sofortiger Wirkung die Impfung gegen den Ebergeruch politisch umsetzen. Denn nur diese Methode ist eine Win-Win-Situation für die Tiere, die Umwelt, das Klima und den Landwirt.

Für die Eber bedeutet es, dass sie nicht kastriert werden müssen, also keine Narkose brauchen, keine Schmerzen haben und auch keine infizierten Wunden. Der Magerfleischanteil bei geimpften Ebern ist höher und daher auch der Gewinn des Landwirts. Diese Tiere haben auch weniger Futterkosten. Es entsteht weniger Gülle und der CO2-Ausstoß ist bei 20 Millionen Schweinen jährlich um 460 000 Tonnen niedriger. Das entspricht in etwa dem CO2-Ausstoß von 240 000 Pkw jährlich. Darüber hinaus wird kein klimaschädliches Narkosegas eingesetzt.

Tierwohl und faire Preise für den Landwirt können und müssen Hand in Hand gehen.

Darüber hinaus fordern wir Freie Wähler in jedem Land einen Tierschutzbeauftragten einzusetzen, genauso, wie es einen Bundestierschutzbeauftragten geben soll. Sie sind mit weitreichenden Befugnissen auszustatten, um dem Staatsziel Tierschutz näher zu kommen. Ebenso fordern wir eine Schwerpunktstaatsanwaltschaft Tierschutz, die sich mit Verstößen gegen den Tierschutz besonders gut auskennt.

Kurz-Interview mit Dr. Ilse Ertl:

Ein Motto, ein Satz oder ein Zitat, das sich Ihnen besonders eingeprägt hat?

Dr. Ilse Ertl: Du kriegst, was du tolerierst!

Sie steigen in eine Zeitmaschine. Welches Ereignis der Geschichte würden Sie gerne miterleben und warum?

Ertl: Ich wäre gerne in Berlin beim Mauerfall dabei gewesen – so eine Sternstunde des Glücks, das Ende des Kalten Krieges, unmenschlicher Teilung von Familien, Freunden, Stunden großer Hoffnung auf eine friedlichere Welt!

Ihr Lieblingsplatz in der Region? Warum?

Ertl: Die Innspitze in Töging, wo Inn und Innkanal zusammenfließen. Dort war ich oft in meiner Kindheit.

In welchem Film hätten Sie gerne in welcher Rolle mitgespielt?

Ertl: Jenseits von Afrika als Tanja Blixen.

Wie bekommen Sie Politik und/oder Beruf/Familie unter einen Hut?

Ertl: Jede freie Minute für Politik nutzen.

Ihr politisches Vorbild? Warum?

Ertl: Hubert Aiwanger, fest in der Sache.

Stellen Sie sich vor, Sie könnten drei Dinge beschließen – und alle Staaten dieser Welt müssten sich daran halten. Was würden Sie tun?

Ertl: Friedlichere und gerechtere Welt, Abschaffung der massenhaften Nutztierhaltung, Beschränkung der Anzahl der Menschen auf der Welt auf fünf Milliarden.

Wen ertragen Sie nur mit Humor?

Ertl: Meine politischen Feinde.

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