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Bundestagswahl 2021 – Wahlkreis Altötting (212)

Die Direktkandidaten im großen OVB-Check: Annette Heidrich (SPD)

Bundestagswahl 2021: Annette Heidrich tritt für die SPD als Direktkandidatin im Wahlkreis Altötting an, zu dem auch der Landkreis Mühldorf zählt.
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Bundestagswahl 2021: Annette Heidrich tritt für die SPD als Direktkandidatin im Wahlkreis Altötting an, zu dem auch der Landkreis Mühldorf zählt.

Am 26. September ist Bundestagswahl. Im Wahlkreis Altötting, zu dem auch Mühldorf zählt, treten zehn Kandidaten für das Direktmandat an. Hier stellen sie sich den Menschen in der Region vor, nehmen zu aktuellen politischen Themen Stellung und beantworten persönliche Fragen. An dieser Stelle: Annette Heidrich (SPD).

Hinweis in eigener Sache: Unsere Redaktion hat allen Kandidaten die gleichen Fragen gesendet. Wir haben es den Kandidaten überlassen, auf welche Fragen sie wie ausführlich antworten. Wir veröffentlichen die Antworten ungekürzt. Sprache und Inhalt liegen ausschließlich in Verantwortung der Kandidaten. Die Redaktion macht sich keine der Aussagen zu eigen.

Steckbrief Annette Heidrich

  • Partei: SPD
  • Alter: 54 Jahre
  • Wohnort: Burgkirchen
  • Beruf: Koordinatorin im Testzentrum Neuötting
  • Familie: verheiratet, vier Kinder – Lisa Maria (30), Daniel (26), Isabell (19), Fabian (17) – und zwei Enkelkinder – Arian (2) und Arian (9 Monate)
  • Hobbys: Schwimmen, Stand-up-Paddle, Basteln/Malen.

Zum Bundestagswahl-Spezial und allen weiteren Kandidaten:

> auf ovb-online.de

> auf innsalzach24.de

> auf wasserburg24.de

Annette Heidrich: In einem Parlament werden die politischen Entscheidungen getroffen. Wenn man etwas verändern will, sollte man nicht nur darüber reden, sondern bereit sein, es selbst zu übernehmen. Ich möchte, dass es in unserem Land gerechter und sozialer zugeht, sich die Politik den Bürgern anpasst und nicht umgekehrt. Politik muss für jeden verständlich sein, das will ich erreichen.

Besonders wichtig sind mir die klassischen sozialdemokratischen Themen, für die ich mich auch schon seit Jahren in meiner Region einsetze: Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Gutes Leben im Alter, Wohnen, Bildung, Umwelt- und Klima.

Thema Corona

Unsere Fragen an Annette Heidrich:

  • Mit welchen Szenarien und Folgen rechnen Sie Ende 2021 und 2022? Wie sieht Ihre Corona-Strategie aus?
  • Wie hat Corona Ihr Denken und Handeln verändert? Warum spaltet Corona die Gesellschaft?

Vierte Welle zu befürchten

Ich gehe davon aus, dass wir im Frühjahr 2022 aus der pandemischen Lage rauskommen werden und Corona dann behandelt wird wie eine Grippe. Für 2021 befürchte ich tatsächlich eine vierte Welle, da nicht genug Menschen bisher geimpft sind, besonders weltweit gesehen. Diese vierte Welle wird dann vorwiegend junge Menschen treffen, die sich bisher nicht haben impfen lassen oder nicht geimpft werden konnten, sowie ältere Menschen, die trotz Impfung nicht genug Immunabwehr aufbauen konnten.

Thema Klimawandel

Unsere Fragen an Annette Heidrich:

  • Der Klimawandel bedroht Mensch und Natur. Was ist zu tun? In der Welt, in Brüssel, in Berlin und München?
  • Aber auch in der Region, vor der Haustür oder im eigenen Haushalt?

Wir müssen effizienter werden

Der Klimawandel wird eine der größten Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte werden. Zum einen müssen wir über die Verhinderung des Klimawandels sprechen, zum anderen aber auch über die Anpassung an den Klimawandel reden.

Um die CO2-Emissionen zu mindern, müssen wir energieeffizienter werden und dafür sorgen, dass deutlich weniger Energie benötigt wird. Die Energie, die wir brauchen, sollte aus erneuerbaren Quellen kommen. Alle Bereiche sowie Lebensprozesse müssen auf die Einsparungsmöglichkeiten beim Energieverbrauch überprüft werden. Das heißt für mich, dass auf Autos mit Verbrennungsmotoren verzichtet wird. Im Verkehr oder bei der Wärmeerzeugung soll man verstärkt auf Strom aus erneuerbaren Quellen setzen. Weiter geht es von der Abfallwirtschaft, wo das Recyceln energetisch sinnvoll sein muss, bis hin zur Lebensmittelerzeugung, die rund ein Drittel der Gesamtenergie verbraucht und freisetzt. Ein weiteres Thema ist die Entwicklung von Techniken, die CO2 aus der Atmosphäre ziehen, durch Aufforsten, besseres Bodenmanagement und Wieder-Vernässung von kohlenstoffdioxidspeichernden Mooren. Ein weiterer Schritt in die richtige Richtung ist, den Gebäudesektor klimaneutral zu gestalten und die Industrie auf dem Weg in die Klimaneutralität zu unterstützen. Deutschland, aber auch unsere Region, sollten führend in der Wasserstofftechnologie sein – und zwar für die Erzeugung von grünem Wasserstoff und dessen Einsatz in potenziellen Anwendungstechnologien.

Thema Verkehr

Unsere Fragen an Annette Heidrich:

  • Drei Verkehrsthemen prägen die Region: der Lärmschutz an der A94, der Ausbau der B15 von Landshut nach Rosenheim und die Schließung des Bahnübergangs Allersheim bei Schwindegg, den die Bahn im Zuge des Ausbaus der Bahnstrecke von München nach Freilassing auflassen will. Wie ist Ihre Haltung zu diesen drei Problemen?

Vorgaben werden eingehalten

Nach meinem Wissenstand werden nach den derzeitigen Berechnungen die Vorgaben zum A94-Lärmschutz eingehalten. Allerdings laufen derzeit noch weitere Untersuchungen, deren Ergebnis abgewartet werden muss. Wenn neuere Erkenntnisse vorliegen, muss über weitere Maßnahmen gesprochen werden.

B15: Für die Region ist eine Nord-Süd-Verbindung wichtig. Allerdings befindet sich das Verfahren in der Überprüfung und wird wohl auch noch einige Jahre bis zu einer Planung benötigen. Wichtig ist hierbei, dass sich die Landkreise Mühldorf und Erding einigen und festlegen, wo die Trassenführung am vernünftigsten ist.

Bahnübergang Allersheim: Ich bin der Meinung, dass bestehende Verkehrsflüsse nicht unterbrochen werden sollten. Hier sollte auf die Kommunen gehört werden.

Thema Wirtschaft und Arbeitsmarkt

Unsere Frage an Annette Heidrich:

  • Welche Schwerpunkte setzen Sie zur Sicherung der Arbeitsplätze und der heimischen Wirtschaft?

Strom- und Verkehrsnetz verbessern

Eine gute Infrastuktur und Energiepolitik stärken unsere Region. Die Wettbewerbsfähigkeit für unsere produzierende Wirtschaft in der Region, auch unter dem Aspekt der Klimaneutralität, setzt eine bezahlbare Versorgung mit Strom sowie ein jederzeit stabiles Netz voraus. Einen zügigen Ausbau der Stromtrassen ist hier grundlegend wichtig.

Um keine Arbeitsplätze zu gefährden, benötigt die Wirtschaft Unterstützung bei der Anpassung von Produktionsbereichen an die zukünftigen Herausforderungen. Ebenso wichtig ist der weitere Bahnausbau in der Region. Im Speziellen spreche ich dabei die Elektrifizierung von Tüßling bis Burghausen an. Zwar ist diese mittlerweile im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans 2030 berücksichtigt und in der Planung, jedoch habe ich da so meine Bedenken, wenn ich an die A94 Anschluss Heldenstein- München denke. Weitere verkehrspolitische Maßnahmen sollten die direkte Gleisanbindung zum Flughafen München sein und der Lückenschluss der A94 von Marktl bis Passau.

Thema Demokratie und Stabilität

Unsere Fragen an Annette Heidrich:

  • Sind die Menschen wirklich demokratiemüde und empfänglich für neuen Extremismus und Populismus?
  • Wie steht es um Stabilität, Toleranz und Konsensfähigkeit im Land?

Jeden Spenden-Euro veröffentlichen

Ich würde nicht so weit gehen und sagen, dass die Menschen demokratiemüde sind. Affären, Intransparenz, keine klare Linie bei politischen Entscheidungen – das verunsichert eine Gesellschaft. Wir brauchen mehr Transparenz und mehr Beteiligung an Prozessen.

Hierzu gehört für mich:

  • die Einführung von Bürgerräten, um eine unmittelbare Beteiligung an staatlichen Entscheidungen zu ermöglichen;
  • die Einführung von Paritätsgesetzen für Bund, Länder und Kommunen. Frauen machen 50 Prozent der Bevölkerung aus und das muss sich auch in den Gremien und Parlamenten widerspiegeln;
  • die Verschärfung der Transparenzregeln des Parteiengesetzes, denn jeder Euro, der an Parteien gespendet wird, sollte veröffentlicht werden.

Thema Wohnraum und Mieten

Unsere Frage an Annette Heidrich:

  • Zur Lebensqualität gehört Wohnen. Speziell im Raum Rosenheim wird Wohnraum immer knapper, das Wohnen immer teurer. Wie kann man diese Entwicklung stoppen?

Bauen statt spekulieren

Bauen, bauen, bauen – und zwar zu fairen Preisen. Bis das Bauen seine Entwicklung entfaltet, muss ein Mietenstopp eingeführt werden. Begründungsmittel für Mieterhöhungen müssen überprüft werden und die Kommunen müssen verpflichtend einen Mietspiegel festlegen. Wohneigentum besonders für junge Familien muss erleichtert werden, zum Beispiel durch Mietkaufmodelle. Die Spekulationen mit Grund und Boden muss gestoppt werden.

Thema Familie

Unsere Fragen an Annette Heidrich:

  • Die Gesellschaft wird immer älter – auch im Zuzugsraum Rosenheim. Was kann die Politik leisten, damit wieder mehr junge Menschen eine Familie gründen?
  • Wie wollen Sie zum Beispiel eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie erreichen?

Sicherheit schafft Familien

Wer heutzutage eine Familie gründen möchte, benötigt für die Zukunft Sicherheit – gerade heutzutage im Wandel der Arbeitswelt. Dies kann für mich nur über die Vollbeschäftigung mit gerechten Löhnen funktionieren. Es muss die Möglichkeit geschaffen werden, Tarifverträge für allgemeinverbindlich zu erklären. Mitgliedschaften in Arbeitgeberverbänden ohne Tarifbindung sollte es nicht mehr geben. Öffentliche Aufträge dürfen nur noch dann vergeben werden, wenn nach Tarif gezahlt wird. Zudem muss der Mindestlohn auf 12,50 Euro erhöht werden.

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gelingt mit einem guten Ausbau der Betreuung für unsere Kinder. Die Kommunen dürfen hier, gerade nach der CoronaPandemie, nicht allein gelassen werden.

Thema Rente 

Unsere Fragen an Annette Heidrich:

  • Die Alterspyramide in Deutschland bedroht die Stabilität und die Höhe der Rente. An welchen Stellschrauben muss die Politik drehen, damit zunehmende Altersarmut und eine Überlastung der Beitragszahler vermieden werden?
  • Wie kann der Staat für Generationengerechtigkeit sorgen?

Alle sollen einzahlen

Eine der wichtigen Stellschrauben ist für mich das Ende der 450-Euro-Jobs. Es dürfen nur noch sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse abgeschlossen werden. Es ist auch an der Zeit, alle Erwerbstätigen in die Rentenversicherung aufzunehmen. Egal ob Selbstständige, Honorarkräfte, Beamt*innen, Freiberufler*innen und Mandatsträger. Dies stabilisiert die Renteneinnahmen durch Ausweitung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen.

Für grundlegend wichtig halte ich die Einführung einer Grundrente bei langjährigen Versicherten und die Stabilisierung des Rentenniveaus bei 48 Prozent auch über 2025 hinaus. Durch den 2019 abgeschlossenen Rentenpakt profitiert die jüngere Generation, da unter anderem der Rentenbeitrag in den kommenden Jahren nicht über 20 Prozent ansteigt.

Generationengerechtigkeit ist ein sehr politischer Begriff und wird gerne dazu benutzt, Rentenkürzungen zu legitimieren, um augenscheinlich jüngere Generationen zu entlasten. Generationengerechtigkeit ist für mich weniger ein Problem der Verteilung, sondern des Vertrauens zwischen Generationen. Die Herausforderung an die Politik besteht somit darin, wieder Vertrauen zu schaffen, indem eine grundlegende Neugestaltung des Alterssicherungssystems stattfindet.

Welches Thema liegt Annette Heidrich besonders am Herzen?

Von Corona über Klimawandel bis zum Schutz der Demokratie: In unserem Kandidatencheck haben wir die zwölf Bewerber für den Bundestag im Wahlkreis Rosenheim mit vielen Fragen konfrontiert. Das letzte Wort haben die Kandidaten selbst – mit einem Thema ihrer Wahl, das ihnen besonders am Herzen liegt.

Pflege: Geld statt Applaus

Das Thema Pflege gehört in jedem Fall noch erwähnt, denn sie ist ein wichtiger Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge. Gerade in der Coronapandemie konnten wir sehen, wie wichtig und wertvoll die Arbeit in der Pflege ist. Ich möchte nicht klatschen, um meine Wertschätzung zu zeigen, sondern ich möchte, dass sich die Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte verbessern, durch bessere Bezahlung und mehr Personal zur Entlastung. Aber auch die häusliche Pflege muss ermöglicht werden, indem die Familienpflegezeit ausgebaut und rentenrechtlich aufgewertet wird.

Kurz-Interview mit Annette Heidrich

Ein Motto, ein Satz oder ein Zitat, das sich Ihnen besonders eingeprägt hat?

Annette Heidrich: Wo der Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen.

Sie steigen in eine Zeitmaschine. Welches Ereignis der Geschichte würden Sie gerne miterleben und warum?

Heidrich: Ich wäre gerne bei der Entstehung des Grundgesetzes im Verfassungskonvent 1948 auf Herrenchiemsee dabei gewesen, weil es die Arbeitsgrundlage für das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland war.

Ihr Lieblingsplatz in der Region? Warum?

Heidrich: Die Alz in Burgkirchen. Dort kann ich allein oder mit Kind und Kegel spazieren gehen und einfach die Seele baumeln lassen. Für mich ein richtiges Naherholungsparadies.

In welchem Film hätten Sie gerne in welcher Rolle mitgespielt?

Heidrich: Die Rolle der Erin Brockovich im gleichnamigen Film.

Wie bekommen Sie Politik und/oder Beruf/Familie unter einen Hut?

Heidrich: Hierzu fällt mir der Werbeslogan „Ich manage ein Familienunternehmen“ ein. Das Wichtigste dabei ist die Familie, denn wenn Partner und Kinder nicht mitmachen, funktioniert es nicht. Trotzdem bleibt es eine große Herausforderung. Ehrlich gesagt, im Wahlkampf geht es manchmal auch drunter und drüber, was zum Glück ja auch nur für eine kurze Zeit so ist.

Ihr politisches Vorbild? Warum?

Heidrich: Ich tu mich schwer mit Vorbildern, aber ich fand Marie Juchacz sehr beeindruckend. Sie hat sich für die Frauenrechte und benachteiligte Menschen eingesetzt. Sie war als alleinerziehende Mutter die erste SPD-Abgeordnete, die in einem deutschen Parlament ans Rednerpult trat und die Anwesenden mit den provozierenden Worten „Verehrte Herren und Damen“ begrüßte. Das war für die damalige Zeit doch sehr, sehr mutig.

Stellen Sie sich vor, Sie könnten drei Dinge beschließen – und alle Staaten dieser Welt müssten sich daran halten. Was würden Sie tun?

Heidrich:

  • Frieden auf der ganzen Welt;
  • Kein Mensch auf der Welt darf mehr Hunger erleiden;
  • Alle Staaten müssen sich verpflichten, Maßnahmen umzusetzen, die die Erderwärmung aufhalten.

Wen ertragen Sie nur mit Humor?

Heidrich: Die AfD.

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