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Bundestagswahl 2021 – Wahlkreis Altötting (212)

Die Direktkandidaten im großen OVB-Check: Bernhard Suttner (ÖDP)

Bundestagswahl 2021: Bernhard Suttner tritt für die ÖDP als Direktkandidat im Wahlkreis Altötting an, zu dem auch der Landkreis Mühldorf zählt.
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Bundestagswahl 2021: Bernhard Suttner tritt für die ÖDP als Direktkandidat im Wahlkreis Altötting an, zu dem auch der Landkreis Mühldorf zählt.

Am 26. September ist Bundestagswahl. Im Wahlkreis Altötting, zu dem auch Mühldorf zählt, treten 10 Kandidaten für das Direktmandat an. Hier stellen sie sich den Menschen in der Region vor, nehmen zu aktuellen politischen Themen Stellung und beantworten persönliche Fragen. An dieser Stelle: Bernhard Suttner (ÖDP).

Hinweis in eigener Sache: Unsere Redaktion hat allen Kandidaten die gleichen Fragen gesendet. Wir haben es den Kandidaten überlassen, auf welche Fragen sie wie ausführlich antworten. Wir veröffentlichen die Antworten ungekürzt. Sprache und Inhalt liegen ausschließlich in Verantwortung der Kandidaten. Die Redaktion macht sich keine der Aussagen zu eigen.

Steckbrief Bernhard Suttner

  • Partei: ÖDP
  • Alter: 36 Jahre
  • Wohnort: Mühldorf
  • Beruf: Softwareentwickler und Teamleiter in einem IT-Unternehmen in München
  • Familienstand: verheiratet, zwei Kinder
  • Hobbys: Laufen, Fitness

Zum Bundestagswahl-Spezial und allen weiteren Kandidaten:

> auf ovb-online.de

> auf innsalzach24.de

> auf wasserburg24.de

Bernhard Suttner: Nach dem Realschulabschluss in Altötting, einer Ausbildung zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung in Passau, einer Fortbildung zum IHK-IT- Projektleiter habe ich nebenberuflich Bachelor of Science/Wirtschaftsinformatik studiert und arbeite jetzt in einer IT-Firma.

In meiner Freizeit beschäftige ich mich vor allem mit meinen Kindern. Bleibt noch Zeit, laufe ich gerne in der Natur mit dem Ziel, die bestmögliche Zeit beim alljährlichen Halbmarathon zu erreichen, und halte mich generell fit mit Eigengewicht-Fitnessübungen. Meine Lieblingsdisziplin ist hierbei der Handstand. Wenn also jemand sagt, „da kannst einen Handstand machen, es wird nicht klappen“ – kein Problem. Handstand kann ich!

Ich war schon immer interessiert an politischen Themen und musste feststellen, dass keine Partei, die aktuell im Bundestag vertreten ist, nachhaltige Lösungen für die Herausforderungen unserer Zeit bieten. Lösungsansätze sind bei den meisten vorhanden – aber sie lösen nicht die „Root-Cause“, wie man in der Informatik sagen würde – also das Hauptproblem. Wir brauchen eine Politik, die es auch künftigen Generationen erlaubt, ein unbeschwertes Leben auf unserem Planeten zu führen. Aktuell hinterlassen wir immense Altlasten unseren Kindern und Enkelkindern. Und ich rede hier nicht nur von der größten Bedrohung für uns Menschen, der Klimakatastrophe, sondern auch von unserem kaputten Renten- und Gesundheitssystem, von der Devise „höher-schneller-weiter“ die bereits unsere Kinder in der Schule zu spüren bekommen.

Ich meine auch unser Wirtschaftssystem, welches auf „grenzenloses“ Wachstum setzt, wo doch allen klar sein sollte, dass die Ressourcen dieses Planeten begrenzt sind. Das geht natürlich schlussendlich zu Lasten von Mensch, Natur und den Tieren – ob bei uns lokal oder global gesehen. Können wir das zulassen und für immer so weitermachen? Nein, deswegen engagiere ich mich bei der ÖDP, da sie die einzige Partei ist, die das Problem bei der Wurzel packt und für eine konsequente, enkeltaugliche Politik steht.

Thema Corona

Unsere Fragen an Bernhard Suttner:

  • Mit welchen Szenarien und Folgen rechnen Sie Ende 2021 und 2022? Wie sieht Ihre Corona-Strategie aus?
  • Wie hat Corona Ihr Denken und Handeln verändert? Warum spaltet Corona die Gesellschaft?

Corona bleibt, wir müssen damit leben

Das Corona-Virus bleibt. Herdenimmunität ist spätestens seit der Delta-Variante ausgeschlossen. Wir werden mit Corona leben lernen müssen und dabei müssen wir darauf achten, dass wir solidarisch sind mit Menschen, die sich zum Beispiel nicht impfen lassen können.

Ich gehe davon aus, dass wir bis Mitte nächsten Jahres immer wieder Einschränkungen des öffentlichen Lebens haben werden. Meine Hoffnung ist, dass es zu keinem großen Ausbruch im Winter 2021/22 kommt und dann die ersten angekündigten, speziellen Medikamente gegen Covid-19 auf dem Markt sind.

Covid-19 hat allen gezeigt, wie instabil unser Gesundheitssystem ist. Ein Gesundheitssystem, welches zunehmend privatisiert und von globalen Marktinteressen geprägt ist. Für mich ist klar, dass das Gesundheitssystem alleine dem Menschen dienen soll und nicht den Profitinteressen von Unternehmen.

Alle erinnern sich sicherlich noch an die vielen Videos klatschender Menschen vor den Krankenhäusern, um den Pflegekräften zu danken. Was ist geblieben? Hat sich die Situation dauerhaft verbessert? Das ÖDP-Bundestagswahlprogramm bietet hier die richtige Antwort: „Wir fordern die Stärkung der Personalsituation, das heißt deutlich mehr Personal, eine deutlich bessere Bezahlung von Pflegekräften und bessere Arbeitsbedingungen im gesamten Gesundheitssektor.“

Corona hat so viele neue Problemfelder geschaffen: impfen oder nicht impfen, Freiheit einschränken oder nicht und das ganze im Kontext einer möglichen Infektion bis hin zur Intensivstation, Tod und möglichen Langzeitschäden.

Und trotzdem denke ich, dass es für viele nur ein weiterer Verstärker der grundlegenden Tendenz der Abkehr von den großen Volksparteien und allgemeiner Politikverdrossenheit ist. Wir müssen die Probleme der Menschen ernst nehmen und die Parteien müssen das Vertrauen zurückgewinnen – eine Maskenaffäre wie bei CDU/CSU ist da nicht gerade vorteilhaft.

Thema Klimawandel

Unsere Fragen an Bernhard Suttner:

  • Der Klimawandel bedroht Mensch und Natur. Was ist zu tun? In der Welt, in Brüssel, in Berlin und München?
  • Aber auch in der Region, vor der Haustür oder im eigenen Haushalt?

Deutschland muss Vorreiter sein

Klimawandel hört sich so harmlos an, als wäre das nur eine kleine Korrektur, und es würde uns Menschen überhaupt nicht betreffen. Das Gegenteil ist der Fall. Aktuell steuern wir hin zu einer Klimakatastrophe für Mensch, Natur und Tier, wenn wir nicht jetzt handeln: die konsequente Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels und des Pariser Klimaabkommens.

Die ÖDP nennt im ersten Kapitel des Bundestagswahlprogramms, welche Maßnahmen getroffen werden müssen, damit eine Klimakatastrophe noch abgewendet werden kann. Jede Person, die ein Kind oder bereits Enkelkinder hat, sollte sich ernsthaft fragen, in welchem Zustand wir unsere Welt den zukünftigen Generationen hinterlassen wollen.

Viele sind der Meinung, wir in Deutschland haben mit dem rund zweiprozentigen Anteil am weltweiten CO2-Ausstoß nahezu keinen Einfluss. Länder wie USA und China müssen sich bewegen. Und trotzdem sollten wir mit gutem Beispiel vorangehen. Zum einen, können wir als Industrienation Vorbild sein, damit andere Nationen folgen oder gar unsere Technologien und unser Wissen bei uns einkaufen. Zum anderen: die Pro-Kopf-CO2-Emissionen sind in Deutschland höher als zum Beispiel in China.

Es muss die klare Ansage geben: Fossile Energieträger wie Kohle, Öl und Gas müssen soweit wie möglich in der Erde bleiben. Der Blick muss nach oben gehen: Die Sonne schickt uns tagtäglich das Zigfache an Energie, die die Menschheit benötigt. Doch der Aufwand zur Umwandlung und die Speicherung für Strom und Wärme wird uns fordern.

In unserer Region gibt es viele Beispiele, wie wir unseren Beitrag leisten, um die Klimaerhitzung zu bewältigen:

  • Anbringen von Photovoltaik-Anlagen auf möglichst allen Gebäuden in öffentlicher Hand;
  • Die lokale Stromerzeugung hat noch einen weiteren großen Vorteil: Sie reduziert und löst die Abhängigkeit zu überregionalen Stromerzeugern. Dazu müssen wir jedoch Wege finden, wie wir den regional erzeugten Strom speichern und dann wieder lokal verwenden können;
  • Wir brauchen eine massive Förderung des ÖPNV in den Landkreisen Altötting und Mühldorf mit ausgezeichneter Anbindung nach München, Passau, Rosenheim, Landshut, Traunstein und Salzburg. Seit zwölf Jahren leiten CSU-Minister das Verkehrsressort in Deutschland, und trotzdem ist der zweigleisige, elektrifizierte Ausbau der Bahnstrecke Mühldorf-München nur in Planung. Dabei spricht noch niemand über die Elektrifizierung und den Ausbau der restlichen Zugstrecken in den Landkreisen Altötting/Mühldorf.

Thema Verkehr

Unsere Fragen an Bernhard Suttner:

  • Drei Verkehrsthemen prägen die Region: der Lärmschutz an der A94, der Ausbau der B15 von Landshut nach Rosenheim und die Schließung des Bahnübergangs Allersheim bei Schwindegg, den die Bahn im Zuge des Ausbaus der Bahnstrecke von München nach Freilassing auflassen will. Wie ist Ihre Haltung zu diesen drei Problemen?

Lärmbelästigung ist unerträglich

B15 neu: Ich stehe klar zur Kreistagsresolution von 2020, in dem sich die klare Mehrheit, darunter auch die ÖDP, gegen den Bau einer B15 neu durch den Landkreis ausgesprochen hat. Grundsätzlich gilt es beim Bundesverkehrswegeplan wie beim Straßenbau insgesamt umzusteuern. Bisher werden Wachstumsprognosen für den zukünftigen Straßenverkehr gestellt, an denen sich der Straßenbau orientiert. Wer wirklich Verkehr von der Straße auf die Schiene bringen will, der plant Bahntrassen so, dass Autobahnen und Bundesstraßen entlastet werden.

Lärmschutz A94: Die Lärmbelastung entlang der A94 ist unerträglich. Doch wenn man eine Autobahn auf Stelzen über das Istental stellt, dann muss man sich doch hinterher über die Lärmbelastung der Anwohner nicht wundern. Die erste, billigste und darüber hinaus umweltfreundlichste Lösung wäre ein generelles Tempolimit auf 120 km/h. Aber ganz ehrlich: Die ÖDP war immer gegen den Bau durchs Isental. Wenn uns aber die Bürger bei der Bundestagswahl mit an den Parlamentstisch in Berlin setzen, werden auch wir den Löffel in die Hand nehmen, um die Suppe mit auslöffeln, die die CSU, aber auch die lokale SPD, den lärmgeplagten Anwohnern an der A 94 eingebrockt hat.

Bahnübergang Allersheim: Natürlich habe ich Verständnis für die Gemeinde Schwindegg, wenn sie sich gegen die Schließung des Bahnübergangs in Allersheim wendet. Doch im Rahmen des Bahnausbaus entstand ja die Bahnüberführung in Rampoldsheim. Es ist legitim, wenn um jeden Bahnübergang gerungen wird. Das muss auch sauber gelöst werden. Schließlich sollen alle langfristig gut damit leben können. Insbesondere der Lärmschutz muss sehr gut im Auge behalten werden. Die Gemeinden entlang der A94 sind da gebrannte Kinder. Doch sowohl die Gemeinden als auch deren Bürger sollten sich auch immer vor Augen führen, welche Verbesserung der Bahnausbau für sie bringt.

Apropos Lärmschutz: In Burghausen träumt man seit Jahren von einer Ortsumfahrung der B20, die über Mehring führen soll, um den Lärm in Burghausen an der B20 zu reduzieren. Das Projekt ist teuer, langwierig und schlussendlich führt es nicht zu einer erheblichen Lärmreduzierung an der alten B20.

Die Anwohner in Mehring werden jedoch zusätzlich mit dem Lärm leben müssen. Das Betonmonster mit Brücken und „Overfly“ würde wieder zu enormen Flächenfraß und versiegelten Boden führen. Gibt es andere Möglichkeiten, um die Situation in Burghausen zu verbessern? Ja! Lärmschutzwände, „Flüsterasphalt“, Tempo 30 an bestimmten Stellen und mittel- bis langfristig der Ausbau von Zugstrecken, um jeglichen Güterverkehr auf die Schiene zu verlagern.

Thema Wirtschaft und Arbeitsmarkt

Unsere Frage an Bernhard Suttner:

  • Welche Schwerpunkte setzen Sie zur Sicherung der Arbeitsplätze und der heimischen Wirtschaft?

Kranker Tunnelblick auf die Börse

Ich möchte mich im Bundestag dafür einsetzen, dass Unternehmen nicht nur Profitmaximierung betreiben, sondern auch andere Werte zählen. Ich kandidiere für die ÖDP, weil sie die einzige Partei ist, die eingesteht, dass das blinde Wachstum der Wirtschaft ein Ende haben muss. Gutes darf gerne wachsen, Schädliches muss zurückgeschraubt werden. Der kranke Tunnelblick auf Börsenwerte endet in der Sackgasse. Im Artikel 151 der bayerischen Verfassung steht, dass die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit dem Gemeinwohl dient.

Meiner Meinung nach müssen Unternehmen eine Gemeinwohl-Bilanz führen. In dieser Bilanz wird beurteilt, wie sie mit Umwelt, Klimaschutz, Tieren, aber auch mit ihren Mitarbeitern umgehen. Wie viele Ressourcen – wie Energie, Wasser und seltene Erden – sie bei der Produktion verwenden und ob sie familienfreundliche und fair bezahlte Arbeitsplätze anbieten. Welche Standards sie von ihren Lieferanten fordern, damit auch diese die neuen Werte achten. Unternehmen mit einer guten Gemeinwohl-Bilanz müssen am Markt bessere Chancen haben, weniger Steuern zahlen, Vorrang bei öffentlichen Ausschreibungen genießen und ein besseres Ansehen in der Öffentlichkeit haben. Als Gesellschaft sollten wir uns dafür einsetzen, dass wir die Unternehmen unterstützen, die auf Menschenwürde, Transparenz, den ökologischen Fußabdruck und Gerechtigkeit achten.

Zudem müssen wir unsere Steuerpolitik ändern. Aktuell bestrafen wir menschliche Arbeit mit hohen Steuern. Wir müssen diese Steuern senken, damit alle auch von ihrer Arbeit leben können, für das Alter und die Rente vorsorgen können. Gleichzeitig müssen wir den Energie- und Ressourcenverbrauch stärker besteuern. Dadurch werden Anreize zur Einsparung von Energie und Rohstoffen geschaffen.

Thema Demokratie und Stabilität

Unsere Fragen an Bernhard Suttner:

  • Sind die Menschen wirklich demokratiemüde und empfänglich für neuen Extremismus und Populismus?
  • Wie steht es um Stabilität, Toleranz und Konsensfähigkeit im Land?

Bald 1000 Abgeordnete in Berlin?

Die lange Regierungszeit der Großen Koalition führte dazu, dass die beiden großen Volksparteien an Profil verloren haben und dadurch Parteien links wie rechts Zugewinne hatten. Ich hoffe, dass die nächste Regierung von anderen Parteien gestellt wird und wieder um Positionen gerungen wird – und nicht darum, ob eine Person in einem Buch von einer anderen abgeschrieben hat.

Wir leben in einem Land, in dem jeder seine Meinung sagen darf. Das bedeutet jedoch nicht, dass jede Meinung kommentarlos hingenommen wird. Wer seine Meinung sagt, muss damit rechnen, dass darauf eine Antwort mit konstruktiver Kritik folgt.

Schädlich für die Demokratie und damit auch für den Zusammenhalt der Gesellschaft sind die alljährlichen Skandale mancher Politiker. Maskenaffäre, Aserbaidschan-Connection, Nebeneinkünfte in Millionenhöhe. Warum sollten Bürgerinnen und Bürger angesichts dieser Verfehlungen noch Vertrauen in die Politik haben?

Hinzu kommt, dass die Altparteien auch nach vielen Anläufen scheinbar nicht kompromissbereit sind, wenn es um ihre eigene Macht geht. Der nächste Bundestag wird der größte in der Geschichte Deutschlands sein und könnte bis zu 1000 Abgeordnete umfassen. Man kennt das Problem, aber eine vernünftige Lösung würde den Machtverlust der großen Parteien bedeuten. Es entsteht die Meinung, dass die Parteien und die Vertreterinnen und Vertreter nur auf die eigenen Interessen schauen und „Geld zum Fenster hinauswerfen“. Bürgernahe Politik sieht anders aus.

Die ÖDP steht für bürgernahe, transparente und unabhängige Politik, frei von jeglichen Konzernspenden. Alle Parteien, die im Bundestag vertreten sind, nehmen Firmen- und Konzernspenden an und machen sich dadurch abhängig, von eben diesen Firmen. Bei jedem Korruptionsskandal wird dieser Missstand noch deutlicher.

Ich bin auch der Meinung, dass sich ein Mandatsträger während der Amtsperiode voll auf seine Tätigkeit als Abgeordneter konzentrieren sollte. Es ist doch ein Full-Time-Job. Nebentätigkeiten, die vielleicht auch noch im Konflikt mit dem Mandat stehen, lehne ich gänzlich ab. Die Interessen der Bürgerinnen und Bürger, vor allem aus dem eigenen Wahlkreis, müssen an erster Stelle stehen.

Die ÖDP fordert Volksbegehren auf allen Ebenen, bis hin zum Bund. Wir stehen für direkte Demokratie und sind davon überzeugt, dass die Meinung und Erfahrung von Bürgerinnen und Bürgern wertvoll ist.

Thema Wohnraum und Mieten

Unsere Frage an Bernhard Suttner:

  • Zur Lebensqualität gehört Wohnen. Speziell im Raum Rosenheim wird Wohnraum immer knapper, das Wohnen immer teurer. Wie kann man diese Entwicklung stoppen?

An Ulm und Wien orientieren

Hier gibt es zwei Beispiele, die mir Hoffnung machen und die beide in die gleiche Richtung gehen. In Ulm und in Wien hält die Stadt selbst oder über Genossenschaften Grundstücke und Wohnungen. Möchte jemand ein Grundstück von der Stadt Ulm kaufen, besteht Bauzwang – ansonsten geht das Grundstück zurück an die Stadt, und zwar zum Einkaufspreis. Schluss mit den Spekulationen! Der Stadt Wien gehört über Genossenschaften etwa 60 Prozent der Wohnungen. Sie kann dadurch den Preis stabil halten und Spekulationen eindämmen.

Und wie sieht die Situation bei uns aus? 33 000 Wohnungen von der staatlichen Wohnungsgesellschaft GBW verscherbelten Seehofer und Söder von der CSU an einen privaten Investor. Die Spekulationen auf Boden und zu Lasten von Mietern muss aufhören.

Mit der Kreiswohnbau-Mühldorf gibt es bereits eine Gesellschaft in öffentlicher Hand, die bezahlbaren Wohnraum im Raum Mühldorf anbietet. Dieses Konzept sollte man weiter unterstützen und sich auch daran orientieren, was in Ulm und Wien schon längst gängige Praxis ist.

Thema Familie

Unsere Fragen an Bernhard Suttner:

  • Die Gesellschaft wird immer älter – auch im Zuzugsraum Rosenheim. Was kann die Politik leisten, damit wieder mehr junge Menschen eine Familie gründen?
  • Wie wollen Sie zum Beispiel eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie erreichen?

Erziehungsgehalt für alle Eltern

Kinder sind das größte Glück auf dieser Welt. Für viele bedeutet es aber, sich entscheiden zu müssen zwischen Arbeit beziehungsweise materiellem Wohlstand oder der Erziehung ihres Kindes. Ich möchte mich dafür einsetzen, dass Eltern sich frei entscheiden. Ich stehe 100-prozentig hinter der im ÖDP-Bundestagswahlprogramm formulierten Analyse: „Im Vordergrund der Familienpolitik stehen allerdings heute nicht das Kindeswohl und die Elternrechte, sondern kurzfristige und kurzsichtige Arbeitsmarkt- und Wirtschaftsinteressen, die Eltern zunehmend unter Stress und Zeitnot setzen, was sich zulasten der Kinder auswirkt.“

Die ÖDP fordert für alle Eltern ein Erziehungsgehalt. Erst dann haben Eltern die Entscheidungsfreiheit, ihr Kind in den ersten drei Jahren selbst zu betreuen, oder es in einer Kindertagesstätte betreuen zu lassen. Die Erziehung von Kindern dient der sozialen Absicherung der ganzen Gesellschaft und darf somit nie zu Lasten der Eltern selbst gehen.

Deswegen muss die Erziehungsarbeit von heute richtig angerechnet werden bei der eigenen Rente. Die ÖDP steht für eine Beitragsgerechtigkeit für Eltern in der Rentenversicherung, da allein die Erziehung von Kindern spätere Renten nach dem Umlageverfahren ermöglicht. Kinder haben kein eigenes Einkommen und das Erziehungsgehalt deckt sozusagen den Ausfall der Arbeit eines Elternteils. Der Staat sollte sich in Form eines Grundeinkommens dafür einsetzen, dass für die Sachkosten des Kindes Geld für die Familien bereit steht. Das Kindeswohl ist das entscheidende Kriterium einer nachhaltigen Familienpolitik.

Zur Familie gehören aber auch ältere Menschen. Dafür muss es ein Pflegegehalt geben, wenn das pflegebedürftige Mitglied in der Familie selbst betreut wird.

Ich möchte mich auch dafür einsetzen, die Gleichstellung zwischen Frau und Mann herzustellen. Gleiche Löhne für gleiche Arbeit; Verpflichtung der Weiterbeschäftigung nach einer Betreuungsphase und vollständige Gleichstellung der familiären Sorgearbeit mit der herkömmlichen Erwerbsarbeit.

Thema Rente 

Unsere Fragen an Bernhard Suttner:

  • Die Alterspyramide in Deutschland bedroht die Stabilität und die Höhe der Rente. An welchen Stellschrauben muss die Politik drehen, damit zunehmende Altersarmut und eine Überlastung der Beitragszahler vermieden werden?
  • Wie kann der Staat für Generationengerechtigkeit sorgen?

Unsäglicher Missstand

Den ersten Teil der Antwort auf diese Frage habe ich beim OVB-Kandidatencheck bereits bei der Frage zu „Familie und die Gesellschaft wird immer älter“ formuliert. Wir müssen den Missstand zunächst beseitigen und den „Generationenvertrag“ neu formulieren, damit Eltern nicht benachteiligt werden. Das Nächste ist, dass sich alle Erwerbstätigen solidarisch und gemeinsam an der Absicherung der Rente beteiligen und im Alter davon profitieren – also auch Freiberufler, Selbstständige und Beamte.

Unser aktuelles Rentensystem basiert auch darauf, dass man während der Erwerbstätigkeit gute Löhne verdient hat. Personen mit einem geringen Einkommen, werden auch im Alter eine kleine Rente erhalten oder sogar Grundsicherung beantragen müssen. Wie können wir es als Gesellschaft zulassen, dass zum Beispiel eine Verkäuferin mit dem Mindestlohn von 9,50 Euro pro Stunde und damit einem monatlichen Gehalt von 1646 Euro brutto und 1218 Euro netto bei einer 40-Stunden-Woche nach Hause geschickt wird? Das reicht aktuell teilweise gerade so zum Leben und führt unweigerlich zu Altersarmut.

Wir erlauben aktuell den Unternehmen, einen Lohn zu zahlen, der später zu Armut führt und von der Gesellschaft wieder in Form der Grundsicherung abgemildert werden muss. Personen, die aufgrund dieses unsäglichen Missstands in die Grundsicherung abrutschen, bürden wir zusätzlich auf, ein Amt aufzusuchen und „Antrag auf Grundsicherung“ stellen zu müssen – auch wenn diese Person jahrelang erwerbstätig war. Die ÖDP fordert einen Mindestlohn von 12 Euro pro Stunde, der jedes Jahr erhöht und an die Lebenshaltungskosten angepasst werden muss.

Bei der Frage zu „Wirtschaft und Arbeit“ habe ich bereits darauf hingewiesen, dass wir Arbeit „bestrafen“. In meinem Beispiel wird der Verkäuferin noch einmal fast 100 Euro Lohnsteuer abgezogen. Das ist nicht gerecht.

Welches Thema liegt Bernhard Suttner besonders am Herzen?

Von Corona über Klimawandel bis zum Schutz der Demokratie: In unserem Kandidatencheck haben wir die zwölf Bewerber für den Bundestag im Wahlkreis Rosenheim mit vielen Fragen konfrontiert. Das letzte Wort haben die Kandidaten selbst – mit einem Thema ihrer Wahl, das ihnen besonders am Herzen liegt.

Für Respekt und Toleranz

Aufstehen für Respekt und Toleranz und gegen Rassismus, Antisemitismus und rechte Hetze – das ist jetzt wichtig. Der oberste Grundsatz unseres politischen Handelns ist, dass wir nicht nur an uns selbst denken, sondern auch solidarisch an alle Menschen auf diesem Planeten und an die zukünftigen Generationen. Darüber hinaus sind wir uns bewusst, dass wir in die belebte und unbelebte Natur um uns herum eingebettet sind und für sie Verantwortung haben.

Kurzinterview mit Bernhard Suttner

Ein Motto, ein Satz oder ein Zitat, das sich Ihnen besonders eingeprägt hat?

Bernhard Suttner: Nur wer erwachsen wird und ein Kind bleibt, ist ein Mensch. (Erich Kästner)

Sie steigen in eine Zeitmaschine. Welches Ereignis der Geschichte würden Sie gerne miterleben und warum?

Suttner: Ich würde mit der Zeitmaschine zum 28. August 1963 reisen und die berühmte Rede „I have a Dream“ von Martin Luther King mit 250 000 Besuchern miterleben. Sein Engagement gegen Rassismus, gegen Ausgrenzung und für die Freiheit und Gleichberechtigung aller Menschen ist nach wie vor eines der wichtigsten Themen dieser Welt.

Ihr Lieblingsplatz in der Region? Warum?

Suttner: Der Stadtplatz in Mühldorf oder ein Café/eine Bäckerei direkt am Stadtplatz. Ich habe dort viele wunderbare, schöne Stunden mit meinem Sohn verbracht.

In welchem Film hätten Sie gerne in welcher Rolle mitgespielt?

Suttner: In den Star-Wars-Filmen hätte ich „Chewbacca“ gespielt. Er war immer auf der Seite der Guten. Zudem wäre mir in dem Kostüm von Chewbacca sicherlich nie kalt gewesen.

Wie bekommen Sie Politik und/oder Beruf/Familie unter einen Hut?

Suttner: Das wäre eine Frage an meine Frau, inwieweit ich alles unter einen Hut bekomme. Ihr gebührt das Lob!

Ihr politisches Vorbild? Warum?

Suttner: Ein wirkliches politisches Vorbild habe ich nicht. Es gibt viele Politikerinnen und Politiker, die ich sehr schätze. Bernhard G. Suttner aus Windberg (Niederbayern), der ehemalige Landesvorsitzende der ÖDP, ist einer davon. Konsequent auf der Seite des Lebens und immer seiner Linie treu.

Stellen Sie sich vor, Sie könnten drei Dinge beschließen – und alle Staaten dieser Welt müssten sich daran halten. Was würden Sie tun?

Suttner: Mir würde eigentlich ein Gesetz reichen: „Was du nicht willst, das man dir tut, das füg auch keinem anderen zu.“ Diese „goldene Regel“ an erster Stelle in allen Staaten würde dazu führen, dass...

  • wir alle friedlich miteinander leben,
  • wir alle Menschen respektieren und ihnen nur gutes wollen,
  • wir achtsam untereinander, mit der Tierwelt und mit der Natur umgehen,
  • wir unsere Erde und unsere Luft nicht als Mülldeponie verwenden und somit der Klimaschutz oberste Priorität genießen würde,
  • wir die Armut in der Dritten Welt, die bis zum Verhungern oder Verdursten führt, als ein Problem von uns allen begreifen und lösen,
  • wir alle Ausgaben in Militärtechnik, in Atomwaffen und Massenvernichtungswaffen streichen und das Geld in Entwicklungshilfe und Umweltschutz investieren können.

Wen ertragen Sie nur mit Humor?

Suttner: Wenn mit dieser Frage Politikerinnen und Politiker gemeint sind: zum Lachen ist mir bei vielen schon nicht mehr zumute. Es geht um unsere Zukunft. Ansonsten, Boris Becker – wie tief ein angesehener Spitzensportler (leider) fallen kann.

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