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SCHÄDLING BREITET SICH IM LANDKREIS AUS

Buchsbaumzünsler wütet

Der Buchsbaumzünsler hat die heimischen Gärten erreicht. Wird der Befall nicht rechtzeitig entdeckt, breitet sich der Schädling ungezügelt aus, die Pflanze stirbt ab. je
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Der Buchsbaumzünsler hat die heimischen Gärten erreicht. Wird der Befall nicht rechtzeitig entdeckt, breitet sich der Schädling ungezügelt aus, die Pflanze stirbt ab. je

Die Pflanze ist von einem Gespinst umgeben, der Schädling selbst ist aber nur bei genauer Betrachtung auszumachen. Der Buchsbaumzünsler macht sich im Landkreis breit.

Mühldorf – „Bei meinem Buchs...“ Mehr muss man derzeit bei der Seilerei Weiß in Mühldorf nicht sagen, Stephan Weiß weiß genau, was los ist: „Ja, ja, der Buchsbaumzünsler!“ Dem Schädling ist es zu verdanken, dass Kunden sogar aus den Nachbarlandkreis kommen, um im Mühldorfer Traditionsgeschäft ein Mittel gegen die gefräßigen Raupen zu erhalten. „Scheinbar sind auch im Landkreis Altötting sämtliche Bekämpfungsmittel ausverkauft“, erzählt Weiß davon, dass die Kunden selbst aus Perach nach Mühldorf kommen, um ein Pestizid zu erhalten.

Auch Weiß kann sich nicht erinnern, dass der aus Ostasien eingeschleppte Schädling jemals so gewütet hätte wie in diesem Jahr. „Wir haben 2016 schon die zweite Welle nach dem Frühjahr“. Mittels des nützlingsschonenden „Bacillus thuringiensis“, weiß der Experte, könne man den Schädling biologisch bekämpfen. Doch auch die chemische Keule findet derzeit reißenden Absatz – dringend erwartet Weiß die nächsten Lieferungen, um die aktuelle Nachfrage bedienen zu können.

Der Buchsbaumzünsler ist eigentlich in Ostasien (Japan, China, Korea, Indien, Ferner Osten) beheimatet. In Europa trat er – man vermutet durch den internationalen Handel mit Baumschulware – als Neozoon erstmals 2006 auf. Der erste nachgewiesene Fund für die Fauna Bayerns war wohl ein im Juli 2010 gefundener Falter in Nürnberg.

Die Raupe, die den Buchs am meisten schädigt, ist nur schwer auszumachen. Das klarste Anzeichen: Die befallene Pflanze ist von einem Gespinst umgeben. Hellgrüne Kotkrümel sind im Gespinst und unter der Pflanze sichtbar. Bei sehr starkem Fraß können ohne Behandlung einzelne Triebe oder gar die ganze Pflanze absterben. „Die Pflanze geht schließlich kaputt“, weiß Weiß.

Mittels Hochdruckstrahler und Auffangfolie können die Buchsbaumzünsler großflächig abgesprüht und anschließend aufgesammelt werden, hat Weiß noch einen weiteren Tipp zur Bekämpfung. Diese Methode sei aber sehr mühsam. Eine Dezimierung der Raupen durch Vögel findet übrigens wegen der Giftigkeit der Futterpflanze kaum statt: die Raupen werden wieder herausgewürgt, heißt es dazu in der Literatur.

Chemische und biologische Mittel können bei konsequenter Anwendung helfen. Robert Lächele, Gärtnermeister aus Neumarkt-St. Veit, der auch Gräber auf den Friedhöfen in seinem Heimatort pflegt, ist da schon radikaler: „Ich habe aus dem Friedhof schon einige Buchspflanzen ausgraben und entsorgen müssen.“ Wichtig sei, dass die extrem befallenen Pflanzen von gesunden Buchsbäumen entfernt werden, damit der Schädling nicht weiter wüten kann. Mit der Verbrennung der befallenen Stauden befinde man sich auf der sicheren Seite.

Lächele berichtet, dass er den Befall in der Region schon seit etwa fünf Jahren beobachte. Auch er versuche, befallene Pflanzen zu retten: „Doch wo durch den Kahlfraß der Nährstofftransport bei der Pflanze erst einmal unterbrochen ist, stirbt sie ab.“ Dann nichts wie raus mit dem Bäumchen, „und auf keinen Fall an gleicher Stelle wieder einen Buchs pflanzen“, beruft sich Lächele auch andere Experten. Sein Appell an alle Klein- und Hobbygärtner: Die Pflanzen unter die Lupe nehmen und reagieren, ob nun mit Schädlingsbekämpfungsmittel oder durch Entsorgung der Pflanze. Es müsse auf jeden Fall verhindert werden, dass sich der Schädling weiter ausbreite.

Denn den ganzen Landkreis hat der Zünsler offensichtlich noch nicht befallen. Die Baumschule Oberloher in Rattenkirchen, eine der größten Baumschulen im Landkreis und nur knapp 20 Kilometer von Mühldorf entfernt, meldet zum Beispiel noch keine Schäden ihrer Buchsbäume. Die ungefähr 500 Bäume würden die Oberlohers im Ernstfall mit Fraßgift schützen. Ob und wie stark der Buchsbaumzünsler die Baumschule befallen wird, weiß man aber auch hier nicht. Einen Grund, warum der Schädling die Baumschule noch nicht erreicht hat, sieht man hier in der Höhenlage. Das milde Klima des Inntals begünstige nach Ansicht der Oberlohers den Zünsler. Die Baumschule liegt hingegen auf 500 Metern Meereshöhe. je/bra

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