Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Andacht für den Frieden

Brauchtumsverein Erharting mit Vortrag zeitgenössischer Berichte zur Schlacht von Ampfing

Die Rittergesellschaft der vier Lande im Kostüm der Renaissance. Sie werden im Mai 2023 in der historischen Veranstaltung zu Ehren der Kriegsopfer der Schlacht in Erharting zu Felde ziehen.
+
Die Rittergesellschaft der vier Lande im Kostüm der Renaissance. Sie werden im Mai 2023 in der historischen Veranstaltung zu Ehren der Kriegsopfer der Schlacht in Erharting zu Felde ziehen.
  • Nicole Petzi
    VonNicole Petzi
    schließen

Am Jahrestag der Schlacht von 1322 wurde im Rahmen eines Andachtsgottesdienstes in Erharting der Opfer gedacht. Ein Denkmal für den Frieden wolle der Brauchtumsverein Erharting mit einem Rückblick auf die Ereignisse vor 700 Jahren setzen. Aufhorchen ließ dabei der Vortrag zeitgenössischer Texte, die die Schlacht aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten.

Erharting – Am 28. September 1322 standen sich in Erharting die Kontrahenten Ludwig der Bayer und Friedrich der Schöne von Österreich mit ihren Heeren von rund 12 000 Mann gegenüber. Diese Schlacht forderte viele Opfer, Landstriche wurden verwüstet und geplündert, zahllose Familien wurden auseinandergerissen, Ernten zerstört. Eine Hungersnot war die zwingende Folge. Es dauerte Jahre, bis sich das Land von dieser Tragödie erholte.

Geschehnisse vor 700 Jahren

Um diesem Ereignis würdevoll zu gedenken, veranstaltete der Brauchtumsverein Erharting am Donnerstag, den 28. September 2022 einen Andachtsgottesdienst und lud anschließend zum Schützenstüber in der alten Schule ein. Der Vorstand des Brauchtumsvereins, Christian Hans und Leonhard Biermeier, begrüßte die Ehrengäste, die Burgfreunde Julbach und die Ritter der vier Lande, den Bürgermeister von Erharting, Matthias Huber, Landrat Max Heimerl, den Bürgermeister von Mühldorf, Michael Hetzl, sowie die ehemalige Bürgermeisterin Marianne Zollner, den Geschäftsführer des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege, Dr. Rudolf Neumaier, den Leiter des Museums von Mühldorf, Korbinian Engelmann sowie zahlreiche Vorstände der Erhartinger Vereine und den Mühldorfer Geschichtskoordinator Daniel Baumgartner, der dem Erhartinger Brauchtumsverein stets zuverlässig mit Rat und Tat zur Seite steht.

Denkmal für den Frieden setzen

Daniel Baumgartner eröffnete den Abend, an dem der Brauchtumsverein ein Denkmal für den Frieden setzte, in der Kirche mit einem historischen Rückblick, was vor 700 Jahren an diesem Ort geschah. Er erinnerte an das Leid, was diese militärische Auseinandersetzung mit sich brachte und schloss seine Ansprache mit dem Satz: „Wir wollen nicht feiern, sondern uns darauf besinnen, wie wichtig der Frieden ist.“

Den Andachtsgottesdienst feierte Pfarrer Piotr Wandachowicz. In seiner Predigt sprach er von Hiob, der schwerste Schicksalsschläge geduldig auf sich nahm und in seinem Glauben an Gott nicht wankte, denn er erkannte Gott in seiner Größe und in seiner Wahrhaftigkeit. Wandachowicz gab zu bedenken, dass der Mensch im Alltag oft versucht, der Erste zu sein. Es ginge ihm oft um Macht, die man über andere ausüben möchte, aber das zähle im Leben nicht wirklich. In Wirklichkeit ginge es darum, wie Hiob die Größe Gottes zu erkennen und die Wunder dieser Welt in Demut zu schauen, denn „wer nicht wird, wie ein Kind, kommt nicht in das Reich Gottes“.

Nach der Kirche gingen die Gäste zur alten Schule, zum Schützenstüberl, wo Wirt Hans Stockmann schon wartete, um die Gäste zu bekochen. Die Ehrengäste gedachten in Reden und Vorträgen an das historische Ereignis und betonten, wie wichtig es sei, mit der Geschichte besonnen umzugehen, und dass man nicht aufhören dürfe, immer neue Fragen zu stellen.

Wie leicht man den Verlauf der Geschichte falsch verstehen kann und traurige Schicksale in der Propaganda der Mächtigen oft als Heroentum dargestellt wird, demonstrierte der Brauchtumsverein, indem sie zeitgenössische Berichte vortrugen, die die Schlacht aus verschiedenen Perspektiven beschrieben. Einmal aus der Sicht der Böhmen, dann aus der Sicht der Österreicher und schließlich aus dem Blickwinkel der Bayern.

Entsetzen der Dorfbewohner

Was für die einen als heroischer Sieg galt, stellten die anderen als feigen Rückzug dar, und die Bayern feierten schließlich die Milde ihres siegreichen Königs gegenüber seinem Feind. Was allerdings keiner bedachte, war das Schicksal der Einzelnen, die die Konsequenzen der politischen Entzweiung tragen mussten.

In Erharting heißt der Hain, dort wo man Speerspitzen und Gegenstände der damaligen Rüstungen gefunden hat, heute noch Totenpoint. Dieser Name zeugt heute noch davon, wie groß damals das Entsetzen der Dorfbewohner gewesen sein muss, dass man über all die Jahrhunderte diesen Namen des Ortes bewahrt hat, an dem die Toten dieser Schlacht beerdigt wurden.

Mehr zum Thema

Kommentare