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An Brandmeldeanlagen wird gespart

"Dachstühle brennen wie Zunder": So steht es um den Brandschutz für unsere Kirchen

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Den Rest erledigt der Wasserwerfer: Eine Übung der Waldkraiburger Feuerwehr an der Marktkirche in Kraiburg im vergangenen Sommer hat gezeigt, wie Lösch- und Rettungsarbeiten in großer Höhe aussehen können. Dass die heimischen Wehren für diesen Fall gerüstet sind, glaubt Waldkraiburgs Kommandant Bernhard Vietze. Entscheidend ist in seinen Augen der Zeitfaktor.

Der Brand von Notre Dame in Paris wirft die Frage nach der Sicherheit für heimische Kirchen auf. Was passiert, wenn es brennt? Das lässt sich gut in Mühldorf und Waldkraiburg erfahren.

Mühldorf/Waldkraiburg – Pfarrer Roland Haimerl bleibt gelassen, wenn er an seine Kirche St. Nikolaus in der Mühldorfer Altstadt denkt. „Nein, ich glaube nicht, dass man auf die Ereignisse in Paris reagieren muss“, sagt er. Von Rauchmelder in der Kirche über Alarmknöpfe bis zu den Feuerlöschern: In St. Nikolaus seien all die Warneinrichtungen vorhanden, die der Brandschutz vorschreibt. Eine Brandmeldeanlage, die direkt mit der Leitstelle in Traunstein verbunden ist, gibt es allerdings nicht. Dabei ist Mühldorfs Stadtkirche vermutlich schon einmal abgebrannt. 1231, im Jahr des großen Stadtbrands, könnte auch das Gotteshaus zerstört worden sein. Sicher weiß das niemand. 

Den zweiten großen Stadtbrand im Jahr 1640 überstand sie jedenfalls ohne Schäden. Haimerls Gelassenheit rührt aber nicht nur von der Erfüllung der Brandschutzauflagen her oder vom Fehlen größerer Sanierungsarbeiten am Dachstuhl. Für ihn ist die Mühldorfer Stadtkirche nicht annähernd mit Notre Dame in Paris vergleichbar: Nicht so alt, nicht so wertvoll. „Solche Kunstschätze gibt es bei uns nicht“, sagt er. Großformatige Bilder und barocke Skulpturen, deren Wert nicht beziffert ist, stehen im Kirchenschiff, wertvolle Kultgefäße wie der Summerer-Kelch oder Monstranzen werden in einem Tresor in der Sakristei aufbewahrt. 

Brandschutzmaßnahmen müssen erhöht werden

Haimerl weiß allerdings auch: Mit der bevorstehenden Sanierung müssen die Brandschutzmaßnahmen erhöht werden. So ist der Einbau von Rauchmeldern im Dachstuhl Pflicht, auch ein Evakuierungsplan muss erstellt werden, den es bis dato nicht gibt. 

Mühldorfs Feuerwehrkommandat Günther Starzengruber stimmt Haimerls Einschätzung grundsätzlich zu. Er kennt die Kirche von einer Begehung. Der neuralgische Punkt aus Sicht des Feuerwehrmannes ist der Dachstuhl. „Da werden wir auf die Kirche zugehen und sehen, ob Maßnahmen notwendig sind.“ 

Alles aus Holz: Der Blick in Dachstuhl der Nikolauskirche in Mühldorf zeigt die komplexe Struktur des Bauwerks, das genau wie in der Pariser Kirche Notre Dame oberhalb der Kirchenwölbung liegt. Dort verlaufen auch elektrische Kabel. Bei der bevorstehenden Sanierung, müssen die Warnsysteme dort erhöht werden.

Sicherstes Instrument wäre eine Brandmeldeanlage, die direkt mit der Leitstelle in Traunstein verbunden ist. Starzengrubers Waldkraiburger Kollege Bernhard Vietze sagt: „Der entscheidende Faktor ist Zeit.“ Das alte Holz in Kirchendachstühlen brenne wie Zunder. Ein Anruf bei der Leitstelle macht klar: Keine Kirche in der Region verfügt über eine Brandmeldeanlage. Krankenhäuser, Altenheime oder die Stiftung Ecksberg, Jugendherbergen oder der Stadtsaal seien so mit der Feuerwehr verbunden. Der Grund: Der Betrieb von Brandmeldeanlagen kostet Geld. Neben den Einbau- und den Wartungskosten, die von Objekt zu Objekt sehr unterschiedlich sind, sind Überweisungen an den Anbieter erforderlich, der gleich zwei Telefonleitungen für jede Anlage bereithält. Das führt zu Gebühren um die 2000 Euro im Jahr, dazu kommen Anschlusskosten in Höhe von gut 1500 Euro. 

So löscht die Feuerwehr

Neben der Größe einer Kirche stellt die Höhe der Gebäude die größte Herausforderung für die Feuerwehren da. Sollte es in Mühldorf brennen, würden neben der heimischen Wehr automatisch auch die Feuerwehren in Waldkraiburg und Töging alarmiert; denn die haben eine Drehleiter oder einen Gelenkmast. Deren Höhe von 32 Metern reicht laut Mühldorfs Kommandant Günther Starzengruber auch für das Dach der Nikolauskirche aus. Zudem könnte mit dem an der Kanzel befestigten Wasserwerfer auch der höhere Turm erreicht werden. 

Technisch würden sich die Löscharbeiten an einer Kirche nicht von denen der Hochhäuser in der Oderstraße unterscheiden, sagt Starzengruber. Mit der Höhe müssten Feuerwehrmänner klar kommen, für die Arbeiten im Inneren gebe es speziell ausgebildete Atemschutzträger. „Emotional und physisch dürfte der Brand der Nikolauskirche natürlich etwas Besonderes sein“, sagt er. 

Sein Waldkraiburger Kollege Bernhard Vietze hat Übungserfahrung mit dem simulierten Brand einer Kirche. Nach dem Kauf der neuen Drehleiter ging es im vergangenen Sommer zur Marktkirche nach Kraiburg. „Es ist so gelaufen wie geplant“, berichtet er von den Löscharbeiten und der Rettung eines Menschen aus einer Dachluke. Die Konstruktion eines Kirchendachs samt Treppen aus Holz macht es für die Feuerwehrleute schwieriger und gefährlicher, Brandherde zu erreichen. Zitat Haimerl: „Natürlich tut mir Notre Dame leid. Die ganze Welt regt sich auf und spendet sehr viel Geld. Wenn aber 2000 Kinder im Libanon sterben, regt sich kein Mensch auf.“ 

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