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19 Jahre in der Politik

Bodenständig und menschennah: Mit Dr. Marcel Huber verliert die CSU ihren Erststimmenkönig

Der Ampfinger Dr. Marcel Huber zieht sich nach 19 Jahren aus dem Landtag zurück.
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Der Ampfinger Dr. Marcel Huber zieht sich nach 19 Jahren aus dem Landtag zurück.
  • Josef Enzinger
    VonJosef Enzinger
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Der Tierarzt aus Ampfing kam 2001 zur CSU und legte in den Folgejahren eine steile Politkarriere hin. Für seine Frau nimmt er jetzt seinen Abschied.

Ampfing – Es ist kein Geheimnis: Die Zeiten, in denen die CSU landesweit absolute Mehrheiten geholt hat, sind lange vorbei. Doch selbst wenn es bei der CSU mal nicht gut lief, dann war auf Dr. Marcel Huber Verlass.

2008 holte er bayernweit das beste Ergebnis für den Landtag, und auch 2013 war er Stimmenkönig. Jetzt legt der Politiker sein Landtagsmandat nieder. Die Erkrankung seiner Frau hat ihn zu diesem nachvollziehbaren Schritt bewogen, der einen großen Verlust für die bayerische Politik darstellt.

„Spannend war es immer!“

Denn Huber personifiziert genau das, was die CSU jahrelang als Slogan ausgelobt hatte: Näher am Menschen. Das war der 64-Jährige vom ersten Tag an, als er die politische Bühne betreten hat. Als Spätberufener sozusagen. Denn erst 2001 schloss sich der Ampfinger der CSU an. Wegbereiter sei Ottmar Wimmer gewesen, wie Huber heute verrät. Der ehemalige und mittlerweile verstorbene Ampfinger Bürgermeister habe ihn mit den Worten überzeugt: „Wenn du nicht nur gescheit daher reden, sondern etwas bewegen willst, musst Du in eine Partei eintreten und dort Verantwortung übernehmen.“ Gesagt, getan.

In den Folgejahren sollte er eine steile politische Karriere hinlegen. 2003 wurde Huber Vorsitzender des CSU-Kreisverbandes Mühldorf. Ein Amt, das er bis 2021 innehatte. 2003 war auch das Jahr, als er es in den Landtag schaffte. Seine Kompetenzen durfte er von 2007 bis März 2011 als Staatssekretär – erst im Umweltministerium, später im Kultusministerium – zeigen, bevor er Leiter der Staatskanzlei wurde und diese Position bis November 2011 ausfüllte. Von 2011 bis 2014, ebenso von März bis November 2018 war er bayerischer Umweltminister, zwischenzeitlich war ihm erneut die Leitung der Staatskanzlei übertragen worden. Die Heimat ließ er dabei aber nie außen vor. Seit 2008 ist er Kreisrat, und ebenso lang bringt er seine Expertise im Ampfinger Gemeinderat ein.

Auch für den Musikbund engagiert

Huber war immer gefragt, wenn schnelle Entscheidungen nötig wurden. Das war etwa 2014 der Fall, als die Flüchtlingssituation in Bayern die Regierung vor große Herausforderungen gestellt hatte. Huber koordinierte als Leiter des „Krisenstabes Asyl“ der Staatsregierung die Unterbringung der Hilfesuchenden in ganz Bayern. Unaufgeregt. Ergebnisorientiert.

„Spannend war es immer“, sagt Huber nach 19 Jahren, „besonders als es um Entscheidungen von großer Tragweite ging“. Den Donauausbau nennt er, und den Atomkraftausstieg. Richtig herausfordernd sei es aber erst in der letzten Periode geworden, „als die Parteienvielfalt im Parlament nochmal zunahm und man als Abgeordneter nicht nur um die Sache ringen musste, sondern auch um den Bestand unserer Demokratie“.

Mit Politik hatte Huber zunächst nichts am Hut. Nachdem er 1976 am Ruperti-Gymnasium Mühldorf sein Abitur geschafft hatte, verschlug es ihn an die LMU nach München, wo er sein Staatsexamen in Tiermedizin ablegte. Von 1984 bis 2003 war er Tierarzt beim Tiergesundheitsdienst Bayern.

Feuerwehrkleidung statt Nadelstreifen

Dann kam die Politik – und Huber fand dennoch Zeit, sich ehrenamtlich zu engagieren. Seit 2009 war er Vorsitzender des Katholischen Männervereins Tuntenhausen, seit 2013 Chef des Musikbundes Oberbayer-Niederbayern und sei 2019 Vorstandsvorsitzender des Zentrums für Umwelt und Kultur in Benediktbeuern. Der Bayerische Musikrat wählte ihn im selben Jahr zu seinem Präsidenten.

2020 übernahm er den Vorsitz des Beirats des Landesfeuerwehrverbandes. Kein Wunder: Die Feuerwehr lag und liegt ihm auch in seiner Heimat Ampfing am Herzen, wo er von 1994 bis 2009 Kommandant war. Wie wichtig Dr. Marcel Huber dieses Engagement war, zeigte sich bei der Hochwasserkatastrophe 2005 in Mühldorf. Die Innenminister Beckstein und Schily hatten der Stadt Mühldorf einen Besuch abgestattet, um sich ein Bild vom Ausmaß der Katastrophe zu machen. Alle im repräsentativen Zwirn, nur einer trug auf dem Pressefoto seine Einsatzkleidung: Marcel Huber.

Stets mit Vernunft, Maß und Mitte

Der 64-Jährige gilt als bodenständig. Seine Integrität ist parteiübergreifend geschätzt. Dass er, selbst in Ministerzeiten, kaum beim Starkbieranstich am Nockherberg erwähnt wurde, liegt sicher daran, dass Dr. Huber niemand ist und war, der mit billiger Polemik auf politische Mitstreiter eingedroschen hat. Skandale zu provozieren, das war seine Sache nicht.

Dass er bei der Wahl des bayerischen Landtages 2019 trotzdem keinen Platz mehr im Kabinett bekommen hat, hat der loyale Ampfinger damals klaglos hingenommen. „Ich gebe zu: Ich hätte gerne weiter gemacht, aber der Ministerpräsident hat das Recht, nach seinem Gusto Minister zu berufen und zu entlassen.“ Er habe sich in den Jahren danach genauso engagiert als Stimmkreisabgeordneter des Landkreises Mühldorf gearbeitet. Da ist sie also wieder, die Bodenständigkeit des Ampfingers.

Wer Huber kennt, weiß: Das ist niemand, der viel Wert darauf gelegt hätte, mit dem Bayerischen Defiliermarsch im Volksfestzelt begrüßt zu werden. Der Marcel – oder der „Maasl“ wie in die christsozialen Kollegen im oberbayrischen Landkreis in respektvollem Urbairisch genannt haben – wäre sich nicht zu schade gewesen, stattdessen mit seiner Tuba oben bei den Musikern zu sitzen. „Näher am Menschen“ nennt man das. Dr. Marcel Huber hat diesen Slogan gelebt wie kein Anderer.

Worauf er besonders stolz ist? Dazu sagt er mit all seiner Bescheidenheit: „Stolz ist keine Kategorie für mich. Retrospektiv zufrieden mit meinem Wirken bin ich aber, dass es mir gelungen ist, während meines gesamten politischen Wirkens einen Weg von Vernunft, Maß und Mitte zu gehen und immer die für die Menschen beste Lösung zu suchen, ohne mich parteipolitisch oder ideologisch beeinflussen zu lassen.“

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