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„Dann sprudelt es gerade so heraus“

Biografiearbeit hilft älteren Menschen bei der Verarbeitung ihrer Lebensgeschichte

Barbara Meier-Engelmann hilft mit ihrer Biografiearbeit älteren Menschen, ihre Lebensgeschichte zu reflektieren.
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Barbara Meier-Engelmann hilft mit ihrer Biografiearbeit älteren Menschen, ihre Lebensgeschichte zu reflektieren.
  • Kirsten Meier
    vonKirsten Meier
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Das Leben schreibt viele Geschichten. Ganz besonders ältere Menschen blicken auf ein ereignisreiches Leben voller Höhen und Tiefen zurück. Mit Hilfe von Biografiearbeit, haben sie die Möglichkeit ihrem Erlebten eine Stimme zu geben.

Mühldorf – Es ist nicht nur eine Rückschau auf das eigene Leben, sondern kann auch dabei helfen, Erlebtes zu reflektieren, Krisen und Wendepunkte im Leben besser zu verstehen und zu bewältigen. Aus diesem Grund bietet das katholische Kreisbildungswerk das Erzähl-Café und das biografische Schreiben für Senioren an. Ohne Corona würden die Menschen sich in gemütlicher Atmosphäre bei Kaffee und Kuchen treffen. Momentan sind Treffen nur Online erlaubt.

Biografiearbeit ist Balsam für die Seele

Wie wichtig der Austausch der älteren Generation ist, weiß Barbara Meier-Englmann aus Töging. Die 36-Jährige ist Pädagogin für therapeutisches Tanzen, Referentin bei „on AIR“, einem Projekt der Beruflichen Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft (bfz) in Pfarrkirchen und Biografiereferentin.

Ihre Ausbildung zur Biografiereferentin absolvierte sie bei dem Verein ´LebensMutig`. Biografiearbeit fördert Kompetenz in allen Lebenslagen. Vom ressourcenorientierten Blick in die Vergangenheit über das Reflektieren der Gegenwart bis hin zur aktiven Gestaltung der Zukunft. „Ich selbst kam zu dieser Arbeit, weil mich die Menschen und ihre individuellen Geschichten interessieren“, erzählt die 36-Jährige. „Wenn man weiß, was ein Mensch in seinem Leben durchgemacht und erlebt hat, sieht man ihn auf einmal mit ganz anderen Augen“, setzt sie fort.

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In der Biografiearbeit lassen die Menschen die Referentin durch ihre `Lebensbrille` schauen. Bei ihrer kommenden Veranstaltung steht das Thema „Wenn die Frühlingssonne lacht“ auf dem Programm. Die Referentin führt die Menschen mit einem schönen Gedicht oder alten Liedern aus ihrer Jugend an das Thema heran und bringt sie über leichte Fragen ins Gespräch. Im Laufe der Gesprächsrunde werden auch Kindheitserinnerungen wach.

Schreibkurse werden auch angeboten

Aber nicht nur Erzählen kann Balsam für die Seele sein, sondern auch Schreiben. Hierzu bietet Inge Finauer aus Polling biografische Schreibkurse an. Ganz wichtig ist, dass Biografiearbeit im Rahmen der Erwachsenenbildung angeboten wird und keine therapeutische Ausrichtung hat.

Vor allem zu Zeiten von Corona, wo viele zur Einsamkeit gezwungen werden, ist ein Erzähl-Café eine tolle Möglichkeit, dem für einige Zeit zu entfliehen, wenn auch nur in der digitalen Welt. Schön wäre, wenn diese biografische Reise durch den Jahreskreis für alle zugänglich wäre. Auch für Menschen in Alten- und Pflegeheimen. Schließlich hätten sie dadurch eine schöne Beschäftigung.

Dem Alltag entfliehen

Da die Veranstaltungen aktuell nur Online möglich sind, wären Computerräume in Alten- und Pflegeheime für deren Bewohner ein echter Segen. Dann könnten auch sie Teil des ganz normalen Lebens sein. Die meisten Senioren sind rüstig und begeistern sich für Technik und Fortschritt. Mit einem Besuch im Online-Erzähl Cafe könnten sie ihrem Alltag für einige Zeit entfliehen, selbst wenn sie in einer Pflegeeinrichtung leben.

Meier-Englmann möchte in Zukunft Biografiearbeit für alle Menschen, egal welcher Herkunft oder welches Alter sie sind, anbieten. „Nicht nur für ältere Menschen eignet sich dies perfekt, sondern auch für Kinder. Schließlich ist es ein ressourcenorientierter Blick in die Vergangenheit und eine Schatzsuche ins eigene Leben“, sagt die Expertin.

Geschichten für die Enkelkinder

Johanna „Hanni“ Reichl (78), Rentnerin aus Neumarkt Sankt Veit kann auf 17 Jahre Biografiearbeit zurückblicken. Auslöser war, dass sie früher ihren Enkelkindern immer schöne Geschichten aus ihrer eigenen Kindheit erzählte. Seit 2004 kann sich die lebensfrohe Rentnerin ein Leben ohne die Biografiearbeit nicht mehr vorstellen.

„In unserem Kurs sind wir eine richtig schöne Gemeinschaft. Wir können einander vertrauen, fangen uns gegenseitig auf und haben eine Menge Spaß zusammen“, erzählt Reichl. „Die Themen über die wir schreiben werden uns vorgegeben. Am Anfang fällt einem spontan gar nichts ein, aber wenn man dann in die eigene Vergangenheit eintaucht, sprudelt es gerade so aus einem heraus“, setzt sie fort.

Über das Leben lernen

Aktuell sind acht Teilnehmer, zwischen 50 und 80 Jahren in der Gruppe von Referentin Inge Finauer. „Wir geben uns gegenseitig Tipps. Jeder lernt vom anderen. Vor allem lernt man auch viel über das Leben – auch das eigene“, sagt die 78-Jährige. Bei ihren Lesungen in Alten- und Pflegeheimen, Büchereien, Schulen und den Geschichtstagen in Mühldorf, erfreuen sie Zuhörer mit ihren Kindheitserinnerungen. Auch ein Buch haben sie bereits veröffentlicht: „Gelebtes Leben – 99 Biografische Geschichten“.

Weitere Informationen zu Biografiereferentin Barbara Meier-Englmann gibt es beim Kreisbildungswerk, Telefon 08631-37670, unter www.kreisbildungswerk-mdf.de oder www.barbara-meier-englmann.de.

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