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SOMMER IN MÜHLDORF

Bierbrezenbruch im Freibad-Kiosk - Mühldorfer Anzeiger startet mit seinen Sommergeschichten

Brezenbruch hat sich im Gegensatz zu Waffelbruch bis heute nie so richtig durchgesetzt.
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Brezenbruch hat sich im Gegensatz zu Waffelbruch bis heute nie so richtig durchgesetzt.
  • Josef Bauer
    VonJosef Bauer
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Bunte Sommergeschichten aus dem Landkreis Mühldorf: Das bietet die Sommerserie 2021. Sie beginnt im Freibad.

Mühldorf – Meine Tante Hilde war Regentin über die Freibadkasse und betrieb auch den Freibad-Kiosk, der damals noch gleich neben der Kasse war. Sie war im Kassenbereich eine milde Herrscherin, die es an der Kasse menschlich und kommod zugehen lies.

Strenger wurde schon beim Betrieb des Kiosk gearbeitet. Es war eine nie diskutierte Frage, dass die Familie, wenn es brennt, anzutreten hatte.

Um 1968 verbrachten der überwiegende Teil der Kinder und Jugendlichen die Sommerferien im Mühldorfer Freibad. Ein Ausflug an den Chiem- oder an den Wagingersee war eine Weltreise und sehr rar, weil meine Eltern kein Auto hatten.

Arbeiten statt Fußball spielen in den Ferien

Meine Freunde und ich trafen uns jeden Tag im Freibad, spielten Fußball und Eckenfangsterl. Dann kam die Durchsage meiner Tante, dass ich zur Kasse kommen sollte.

Ich stellte mich taub, denn das Fußballspiel war in der entscheidenden Phase. Nur fünf Minuten später die gleiche Durchsage, aber der Ton klang schon schwer gereizt. Da musste ich, was die Stunde geschlagen hat, und ich machte mich von der hinteren Liegewiese auf zur Kasse. „A Arbad in de Ferien is ned da Brülla“, war meine Meinung. Meine Mutter kam mir schon mit einem Gesichtsausdruck entgegen, der auf ganz schwere Niederschläge hinwies. „Imma, wenn ma die brauchd, dann is da Herr nicht zum auftreim“, hielt sie mir vor.

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Den Tadel steckte ich weg, machte ein freindlichs Gschau und wollte wissen, was de ganze Aufregung soid, Da Tant san im Kiosk de Semmeln und Bierbrezen ausganga und des macht bei da Kundschaft um zwoa Nachmittag ko Ehr, Mei Auftrag war in de Stod zum Fahrn und Semmeln und Bierbrezen käuflich zu erwerben. Auf mein Gebäckträger wurde ein leerer Pappkarton eingezwickt und mit 20 Mark konnte die Fahrt losgehen.

Mit dem Rad zur fetten Beute

Die Aufkaufarbeit startete in der Spitalgasse beim Mooslechner. Die alte Frau Mooslechner mochte mich sehr und wollte mir 15 Semmeln verkaufen. „Beppi, mehre gehd ned, denn i brauch für de Kundschaft no oa. Bierbrezn hab i ned.“ Dann is mit dem Radl zum Kotter-Bäck ganga. Der hod no Bierbrezn vorrätig gehabt. 30 Semmeln und 20 Bierbrezen war die Ausbeute. Nächste Station war die Bäckerei Vitzthum am Kirchenplatz. Dort kaufte ich den gesamten Bestand an Semmlen auf.

Dieser Bäcker war für seine Bierbrezen berühmt, die ich auch käuflich erstand. Bei der Bäckerei Glas kamen nochmals 40 Semmeln und 20 Bierbrezen dazu. Dann trat ich frohen Mutes den Rückweg an. Alles lief am Schnürchen bis zur Kreuzung Friedhofsstraße/Ahamerstraße. Dort fuhr mich ein Mopedfahrer fast um und ich knallte mit meinem Rad mit den Bierbrezen und Semmeln auf die Straße. Der Unfallverursacher flüchtete.

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Mir schwante schon, wie es in meinem Pappkarton aussehen würde. Im Freibad angekommen versuchte ich, jedes Aufsehen zu vermeiden. Ich stellte den Karton im Arbeitsbereich des Kiosk ab und legte das Wechselgeld daneben. Es dauerte nicht lange und die schon erwartete Durchsage meiner Tante kam.

Mutter, Tante und Oma wollten wissen, was mit den Brezen passiert sei und dann, warum die Semmeln so staubig waren. Meine ausführliche Schilderung der Ereignisse drang nicht durch. Mir wurde bodenloser Leichtsinn, verantwortungsloses Handeln und Feigheit vor dem Feind vorgeworfen, weil ich mich nicht gleich gestellt hatte.

Es gab an diesem Tag Bierbrezenbruch im Freibad-Kiosk, was auch nicht alle hatten. Innerlich gab ich mir ein ganz festes Versprechen, die sollen nicht noch einmal zu mir kommen, sondan ihr Glump soiba hoin.

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