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Bierkrug-Opfer sucht die Täter

Beinahe totgeschlagen: So will das Opfer der Mühldorfer Volksfest-Attacke seine Peiniger finden

Dicht gedrängt aber meist friedlich ging es beim Mühldorfer Volkfest zu. Drei Männer hielten sich an diese Regel nicht und schlugen einen anderen Besucher brutal zusammen. Der sucht jetzt die Gewalttäter.
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Dicht gedrängt aber meist friedlich ging es beim Mühldorfer Volkfest zu. Drei Männer hielten sich an diese Regel nicht und schlugen einen anderen Besucher brutal zusammen. Der sucht jetzt die Gewalttäter.
  • Markus Honervogt
    VonMarkus Honervogt
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Mit einem Maßkrug schlug einer der Täter zu. Dreimal, viermal, dann zerbricht der Krug. Mit der Scherbe schlägt der Unbekannte noch einmal zu. Heinz F. verliert das Bewusstsein: „Dann gingen mir die Lichter aus.“ Nun will F. die Täter finden.

Mühldorf – Heinz F. ist kein Opfertyp. Niemand, den man sich für eine Schlägerei aussuchen würde.

Und trotzdem wurde er Opfer einer brutalen Bierkrug-Attacke beim Mühldorfer Volksfest. Obwohl einige gesundheitliche Beschwerden bleiben, hat er den Angriff ganz gut überstanden. Jetzt will er den Schlägern das Handwerk legen.

Es ist der Tag der Betriebe am Freitagabend und Heinz F. (Name von der Redaktion geändert) sitzt mit Kunden im Unertl-Festzelt. Eine halbe Stunde nach Mitternacht geht er mit einem Kollegen Richtung Bushaltestelle, sie ratschen. Der Festplatz ist trotz der späten Stunde noch voll, auch Richtung Wiesnbus sind viele Menschen unterwegs.

Körperlich unterlegen, aber besonders brutal

Plötzlich schubst jemand den Kollegen, Heinz F. dreht sich um. Hinter ihm stehen drei junge Männer, vielleicht 16 bis 20 Jahre alt, nicht besonders groß, nicht besonders kräftig, aber sportlich, drahtig. Arabisch aussehend, Bart, natürlich keiner in Tracht. „Sie waren mir körperlich bestimmt unterlegen“, sagt Heinz F. „Ich fühlte mich nicht bedroht.“

F. ist groß, sicher 1,80, ein gestandenes Mannsbild, 39 Jahre alt. Den jungen Angreifer schreckt das nicht. „Was schaust Du so blöd“, will er von F. wissen, der sagt „Geh einfach weg.“ Der andere schubst ihn, „ich schiebe ihn weg“, sagt F.

In diesem Moment kommt der Zweite, holt mit dem rechten Arm aus und schlägt F. einen Halbliterkrug gegen die linke Backe. F. bleibt stehen, fällt trotz des Schlags nicht um. Der dritte Mann tritt ihm gegen das Knie, er trifft das Standbein, erst jetzt geht F. zu Boden. Der Bierkrugschläger ist sofort über ihm, schlägt wieder zu. Dreimal, viermal, dann zerbricht der Krug. Mit der Scherbe schlägt der Unbekannte noch einmal zu. F. verliert das Bewusstsein: „Dann gingen mir die Lichter aus.“

Mehr als 20 Sekunden haben das Wortgefecht und die Attacke wohl nicht gedauert. F. trägt eine Platzwunde am Hinterkopf davon, einen sieben Zentimeter langen Riss an der rechten Seite des fast kahlen Schädels, eine Gehirnerschütterung. Das Jochbein ist gebrochen.

F. kommt nach der Erstversorgung durch Rettungssanitäter ins Krankenhaus. Fünf Tage nach dem Abend verändert die Staatsanwaltschaft ihre Einschätzung der Tat: Aus Körperverletzung wird versuchte Tötung, auch wenn die Folgen nicht so bedrohlich sind. „Die Verletzungen waren nicht lebensgefährlich“, berichtete damals Polizeisprecher Alexander Huber. Der Hergang der Schlägerei war aber wohl so, dass es auch hätte schlimmer kommen können.

„Es hängt mir noch ganz schön nach“

Heinz F. erzählt sehr ruhig von der Nacht auf dem Mühldorfer Volksfestplatz. Manchmal blickt er aus dem Fenster, er schaut nach oben. Dann stockt seine Rede. „Es hängt mir noch ganz schön nach“, sagt er und meint nicht nur die Narbe auf dem Kopf oder die Gefühllosigkeit der linken Gesichtshälfte. „Es verändert schon die Sicht auf die Dinge.“

Es habe vorher keine Auseinandersetzung gegeben, beteuert F. „Die waren auch nicht betrunken.“ Das bereitet ihm Sorgen. „Es wirkte strategisch und durchdacht, jeder hat seinen Job gemacht.“

Er ist davon überzeugt, dass diese Auseinandersetzung für die drei jungen Männer nicht die erste war. Und vermutlich auch nicht die letzte: „Mit wie viel Freude die bei der Sache waren.“ Deshalb will er auch seinen Namen nicht in der Zeitung lesen. Denn einen Racheakt kann er nicht ausschließen.

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F. denkt an seine Kinder, den elfjährigen Buben, das achtjährige Dirndl. Wenn denen so etwas passiert? „Oft kommt ganz schlimme Wut auf“, sagt er. „Hilflosigkeit.“

Die will er überwinden, deshalb hat er eine Belohnung ausgesetzt. 2 000 Euro verspricht er demjenigen, der einen Hinweis auf die Täter geben kann. „Die haben das sicher nicht für sich behalten“, sagt er und hofft auf einen Hinweis aus dem Umfeld der Täter. „2 000 Euro sind viel Geld, das könnte eng für die werden.“

Auf keinen Fall aufs Oktoberfest

Einen Rechtsanspruch auf die Belohnung, das macht Reiner Reißl klar, gibt es nicht. „Das ist die ureigenste Angelegenheit von Herrn F.“, sagt der stellvertretende Chef der Mühldorfer Kripo. Die Belohnung sei nicht vom Staat ausgelobt, sondern privat. F. macht aber klar, dass er auf jeden Fall gerne zahlt, wenn es die entscheidenden Hinweise auf die Volksfestschläger gibt.

Ob F. im nächsten Jahr wieder aufs Mühldorfer Volksfest geht? „Ich habe mir noch keine Gedanken darüber gemacht“, sagt er. Über das Oktoberfest dagegen schon: Den geplanten Besuch hat F. abgesagt.

Hinweise auf die Täter

Hinweise auf die Tat an die Polizei Mühldorf unter 0 86 31/3 67 30. Oder per E-Mail an die Adresse, die F. für Zeugenaussagen eingerichtet hat: hinweis-mue@web.de

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