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Traditionsgaststätte im Landkreis Mühldorf ist zu

Beim Pauliwirt bleibt die Küche kalt - Erhartinger Restaurant schließt wegen Personalmangels

Der Parkplatz vor dem Paulwirt ist verwaist: Weil das Restaurant geschlossen ist, steht der Landgasthof nur noch als Hotel Reisenden zur Verfügung. Den Gastbetrieb hat der Betreiber drinen wie draußen eingestellt.
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Der Parkplatz vor dem Paulwirt ist verwaist: Weil das Restaurant geschlossen ist, steht der Landgasthof nur noch als Hotel Reisenden zur Verfügung. Den Gastbetrieb hat der Betreiber drinen wie draußen eingestellt.
  • Markus Honervogt
    VonMarkus Honervogt
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Schon äußerlich wird klar, dass etwas nicht stimmt. Auf dem großen Parkplatz vor dem Pauliwirt stehen nur wenige Autos, am Wochenende ist er häufig ganz verwaist. Daran wird sich vorerst nichts ändern.

Erharting – Der Grund für den leeren Parkplatz vor der eingesessenen Gaststätte: Seit Wochen sind das beliebte Restaurant und der dazugehörige Biergarten geschlossen. Lediglich der Hotelbetrieb im Haus läuft weiter. Kein Biergartenbetrieb, keine Feste im Saal keine Schmankerl in der Gaststube.

Zapfsäule statt Zapfanlage

Den Grund nennt Frederik Lange: „Kein Personal.“ Eine kurze Zeit hatte die Gaststätte nach dem Ende des Corona-Lockdowns offen, „der Ansturm war gigantisch.“ Deshalb würde Lange gerne wieder aufsperren, seine Münchner Firma hat den Pauliwirt im September 2020 übermommen. „Das ist aber derzeit nicht möglich.“

Dabei hat Lange alles versucht. Er stellte den Biergarten auf Selbstbedienung um, etwas, das in Bayern durchaus üblich ist. „Funktioniert hat es aber nicht“, sagt er. Grund seien die Erwartungen der Gäste an das Speisenangebot gewesen. „Hendl und Brotzeit reicht ihnen beim Pauliwirt nicht, sie wollen unsere normalen Gerichte.“

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Die aber können laut Lange im Selbstbedienungsbereich nicht garantiert werden. „Wir haben versucht, das Angebot auf vier Gerichte zu reduzieren, aber das geht nicht.“ Die Schlange vor der Essensausgabe sei lang gewesen, die Wartezeit groß, weil die Teller aufwendig gestaltet hätten werden müssen.

Von wegen Selbstbedienung: Hoher Anspruch der Gäste ans Essen

Nur mit mehr Personal sei ein Restaurant wie der Pauliwirt zu führen, um den hohen Anspruch ans Essen zu erfüllen. Aber dafür, sagt Lange, brauche er mehr Servicekräfte.

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Lange steht nicht alleine da. Das weiß Holger Nagl, selbst Gastwirt im Mühldorfer Ortsteil Hammer und Sprecher des Hotel- und Gaststättenverbands im Landkreis. Zahlen für den Landkreis gibt es keine, er geht aber davon aus, dass die deutschlandweiten Werte auch in der Region gelten: „Wir haben durch den Lockdown 15 bis 20 Prozent der Belegschaft verloren.“

Gastromitarbeiter warten erstmal ab

Die unsicheren Perspektiven für die Gastro hätten viele Teilzeitkräfte in neue Jobs in Supermärkten oder an Tankstellen getrieben, die nie von einer Schließung bedroht gewesen wären. „Die sind noch am Abwarten, ob nicht bald der nächste Lockdown für uns kommt“, sagt Nagl.

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Auch Pauliwirt-Chef Lange ist skeptisch. „Es wird schwierig, wieder mehr Leute zu bekommen“, schätzt er. „Die Ungewissheit ist zu groß, was in zwei Monaten sein wird.“ Da behielten viele lieber ihre neuen, sichereren Jobs. Ob mehr Lohn eine Lösung wäre, kann er nicht sagen. So weit ist er in Gesprächen noch nicht gekommen. „Auf Ausschreibungen kommt keine Reaktion, da geht es noch gar nicht ums Geld.“

Mehrwertsteuer senken

Trotzdem fordert Gaststättensprecher Nagl neben dem klaren Nein zu einem neuen Lockdown vor allem eine bessere finanzielle Grundlage für die Gastronomie, damit die Wirte ihren Mitarbeitern mehr zahlen können.

Konkret müsse die Mehrwertsteuer gesenkt werden. „Die kann für Getränke nicht bei 19 Prozent bleiben“, sagt er und verweist auf niedrigere Umsätze und höheren Aufwand wegen der Coronaregeln.

Den Hotelbetrieb beim Pauliwirt will Lange aufrecht erhalten. Der ist nicht so personalintensiv wie das Restaurant.

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