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Bereits Auseinandersetzungen: Die Hintergründe

Lebensmittel-Spenden werden knapp: Angespannte Lage bei Mühldorfer Tafel

Die Drei von der Tafel Mühldorf (von links) Gerlinde Nentwig, Detlef Künzel und Barbara Ossowicki bilden das Leitungsteam. Insgesamt engagieren sich über 40 Ehrenamtliche für die Versorgung Bedürftiger.
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Die Drei von der Tafel Mühldorf (von links) Gerlinde Nentwig, Detlef Künzel und Barbara Ossowicki bilden das Leitungsteam. Insgesamt engagieren sich über 40 Ehrenamtliche für die Versorgung Bedürftiger.
  • Christa Latta
    VonChrista Latta
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Weniger frische und haltbare Lebensmittel kommen bei der Tafel an, die dann auch weniger an Bedürftige verteilen kann. Dabei steigt die Nachfrage deutlich.

Mühldorf – Die Stimmung im Team der Tafel Mühldorf ist prächtig. Beim Sortieren, Vorbereiten und Packen der Lebensmittel wird viel und gern gelacht.

Sorgenfalten kommen allerdings auf, wenn über den aktuellen Rückgang von Lebensmittelspenden gesprochen wird. „Seit drei, vier Wochen fällt uns auf, dass die Geschäfte weniger Frischwaren wie Obst, Gemüse, Käse, Wurst und Fleisch für uns haben“, stellt Detlef Künzel fest. „Es wird allgemein weniger“, pflichten ihm Gerlinde Nentwig und Barbara Ossowicki bei. „Bei Salz, Zucker und Mehl können wir nicht einmal zukaufen. Es gibt nichts.“

„Können Flüchtlinge nicht mit versorgen“

Woran das liegt, darüber kann das dreiköpfige Leitungsteam nur spekulieren: „Vielleicht gibt es wegen der hohen Spritpreise weniger Anlieferungen oder der Einzelhandel kauft seine Warenmengen gezielter ein.“ Fakt ist, dass weniger frische und haltbare Lebensmittel bei der Tafel ankommen und die dann auch weniger an Bedürftige verteilen kann.

Dabei steigt die Nachfrage deutlich. Künzel: „Vor Corona haben wir 100 Haushalte pro Woche versorgt, jetzt sind wir bei 140.“ Das entspricht rund 300 Personen. Jeder, der gewisse finanzielle Rahmenbedingungen nachweist, kann sich bei der Tafel eine Berechtigungskarte holen. Mit dieser bekommt er dann jede Woche ein vorgepacktes Paket mit frischen und haltbaren Lebensmitteln, auf Nachfrage auch Hygieneartikel und sogar Kleidung. Je nach Größe des Haushalts gibt es pro Woche ein bis drei Pakete. 200 Pakete reicht das über 40-köpfige Tafel-Team – alles Ehrenamtliche – jeden Donnerstag aus dem Ausgabefenster an der Mühlenstraße 22.

In den letzten zwei, drei Wochen hat die Tafel auch ukrainische Flüchtlinge ohne Berechtigungskarte mit versorgt. „Wir lassen keinen ohne Paket gehen“, zitiert Detlef Künzel die Tafel-Devise. Aber, das kann die Tafel auf Dauer nicht leisten. „Was wir verteilen können, reicht gerade mal so für unsere bestehende Kundschaft“, so das Leitungsteam. „Registrierte Flüchtlinge werden von staatlicher Seite versorgt. Da haben viele unsere Mini-Rentner, die auch noch Miete und anderes zahlen müssen, weniger zum Leben.“

Das führe zwar zu Diskussionen mit abgewiesenen Flüchtlingen oder Asylbewerbern, aber die Tafel müsse da hart bleiben. Auch während des Besuchs der OVB-Heimatzeitungen in der Tafel wird Detlef Künzel wieder zu einer solchen Auseinandersetzung gerufen. Es tue ihnen leid, aber das, was da ist, könne nicht unendlich gestreckt werden. Mit Zetteln in deutscher, englischer, arabischer und jetzt auch ukrainischer Sprache klären sie darüber auf.

Zahl der Bedürftigen ist sicher viel höher

Dabei gebe es im Landkreis sicher noch viel mehr Menschen, die Hilfe von der Tafel gebrauchen könnten. „Vor allem alte und alleinstehende Menschen, nutzen unsere Hilfe nicht, weil sie sich davor schämen, zu uns zu kommen und von anderen gesehen zu werden“, Barbara Ossowicki bedauert das sehr.

+++ Weitere Meldungen aus dem Landkreis Mühldorf +++

Ab 1. Mai wird die Tafel pro Paket wieder einen Unkostenbeitrag von 2 Euro verlangen. Darauf wurde während der Corona-Hochphasen insgesamt elf Monate lang verzichtet. Aber das Geld wird gebraucht, um Waren, die nicht gespendet werden, zuzukaufen. Geldspenden sind bei der Tafel gern gesehen, diese müssen aber ausdrücklich mit dem Vermerk „Für Lebensmittel“ versehen sein – so verlangt es das Gesetz. Auch Sachspenden in Form von haltbaren Lebensmitteln in haushaltsüblichen Packungsgrößen können immer donnerstags von 9 bis 12 Uhr bei der Tafel abgegeben werden. Wer mehr dazu wissen will, erreicht Detlef Künzel unter Telefon 0163 6895021 oder per E-Mail an info@tafel-muehldorf.de.

Jede Woche werden 200 Lebensmittelpakete ausgegeben –der Bedarf steigt, die Spenden werden weniger.

Ausgabe der Tafel-Pakete ist jeden Donnerstag von 14 bis 15.30 Uhr. Jeder, der zu wenig Geld zum Leben hat, sollte nicht zögern, diese Hilfe anzunehmen. Und sich mit dem Paket voller guter Sachen auch noch ein Lächeln und ein paar nette Worte am Fenster der Tafel Mühldorf abholen.

Grundsicherung für Flüchtlinge

Bund und Länder haben sich am Freitag darauf geeinigt, dass Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine ab 1. Juni staatliche Grundsicherung erhalten sollen, was in etwa Hartz-IV-Leistungen entspricht. Sie würden damit anerkannten Flüchtlingen gleichgestellt. Auch Flüchtlinge aus anderen Ländern sollen für eine bessere Integration entsprechend behandelt werden.

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