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Sexismus im Sport

Streit um Bikini-Höschen bei Olympia: Beach-Sportlerinnen aus Mühldorf haben klare Haltung

Selbst entscheiden dürfen, ohne Zwang, was man auf dem Sandplatz tragen darf: Das ist die Meinung von Amelie Aigner und Johanna Sturm (von links) vom TSV Mühldorf, die gerne in Bikini-Hosen beachen.
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Selbst entscheiden dürfen, ohne Zwang, was man auf dem Sandplatz tragen darf: Das ist die Meinung von Amelie Aigner und Johanna Sturm (von links) vom TSV Mühldorf, die gerne in Bikini-Hosen beachen.
  • Josef Enzinger
    VonJosef Enzinger
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Es geht um Sexismus und Kleidervorschriften für Sportlerinnen: Leichtatlethinnen, Turnerinnen wehren sich gegen allzu knappe Bikini-Höschen. Beachvolleyballerinnen vom TSV Mühldorf haben einen einfachen Vorschlag, die Seximus-Diskussion zu beenden: mehr Freiheit für die Sportlerinnnen.

Mühldorf – Der Protest der norwegischen Beach-Handballerinnen gegen das Tragen von Bikini-Hosen bei der Europameisterschaft hat hohe Wellen geschlagen. Weil die Norwegerinnen anstelle der vorgeschriebenen knappen Höschen Shorts getragen haben, bekamen sie prompt eine Strafe von 1500 Euro aufgebrummt. Der Fall heizt die Debatte um Sexismus im Sport neu an – auch bei den Beachvolleyballerinnen des TSV Mühldorf.

Maximal zehn Zentimeter

Laut Reglement für Beach-Handballerinnen müssen die Frauen Bikinihosen tragen. Sie müssen körperbetont geschnitten sein, mit einem hohen Beinausschnitt. „Die Seitenbreite darf höchstens zehn Zentimeter betragen.“ Eine Regelung, die auch in anderen Sportarten nicht unüblich ist. Auch im Beachvolleyball waren jahrelang Zentimeterangaben hinterlegt, wenn es darum ging, das bisschen Stoff zu definieren, das die Frauen auf ihrer Haut tragen.

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Doch das war einmal. „Im März 2012 hat der Weltverband beschlossen, die Bikinipflicht abzuschaffen und das Tragen von anderer Kleidung und mehr Stoff offiziell zu erlauben“, sagt der Mühldorfer Tom Gailer, der in der Geschäftsstelle des Bayerischen Volleyball-Verbands tätig ist. Bis zu diesem Zeitpunkt durften die Frauen nur kurze Shorts mit einer Breite von maximal sieben Zentimetern tragen. Plötzlich durften die Hosen dann drei Zentimeter oberhalb der Knie enden.

Amelie Aigner und Johanna Sturm vom TSV Mühldorf

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Auf bayerischer Ebene habe man das nie so penibel gesehen, erinnert sich Gailer, der die Zentimeter-Vorgabe heute für „äußerst fraglich“ hält. „Dem Bayerischen Verband war es nur wichtig, dass die Mannschaften bei den Turnieren, etwa bei hochwertigen Masters-Turnieren, ein einheitliches Bild abgeben. Zum Beispiel, dass die Hosen die gleiche Farbe oder gleiche Länge haben.“

Muslimische Sportlerinnen mit Burkini am Start

Die Meinung der Spielerinnen ist geteilt: Die einen sind gegen die knappen Höschen, andere verteidigen das Outfit. So wie es die deutschen Beachvolleyballerinnen Karla Borger und Julia Sude im Februar dieses Jahres getan haben. Wegen der strikten Kleidervorschrift am World-Tour-Turnier im muslimisch geprägten Qatar verzichteten sie auf ihre Teilnahme.

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Ein Start in Shirts und knielangen Hosen kam für das deutsche Beachvolleyball-Team, das am Donnerstag beim olympischen Turnier in der Vorrunde gescheitert ist, nicht infrage. Man wollte sich die „Arbeitskleidung“ nicht vorschreiben lassen.

Bei den Olympischen Sommerspielen vor fünf Jahren in Brasilien waren muslimische Sportlerinnen im langen Burkini an den Start gegangen. Und hier setzt auch die Empfehlung Gailers an: „Es ist auch ein religiös geprägtes Thema: Man sollte sich im Sport nicht vorschreiben lassen, was man zu tragen hat. Wenn sich Frauen darin nicht wohlfühlen, dann sollte das nicht sein.“

Freie Entscheidung gegen Kleiderordnung

Auch wenn die knappe Kleidung mittlerweile nicht mehr verpflichtend ist: Frauen scheuen sich nicht, Bikini-Hosen zu tragen. Amelie Aigner (17) und Johanna Sturm (16), beide Beachvolleyballerinnen des TSV Mühldorf, haben sich speziell für das Beachevent Anfang Juli in Mühldorf diese knappen Hosen besorgt. „Wir haben da kein Problem damit. Es ist unsere freie Entscheidung, diese zu tragen, ich schätze die größere Bewegungsfreiheit damit“, sagt Aigner.

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Wenn die knaptten Höschen aber vorgeschrieben wären, „dann würde ich es nicht akzeptieren!“ Ihre Beachpartnerin Sturm sieht das genauso. „Es sollte jedermanns eigene Entscheidung sein!“ Über Sexismus bezüglich ihres Outfits im Sand haben sich die beiden noch keine Gedanken gemacht. „Aber ich verstehe , wenn es Spielerinnen gibt, die sich sexualisiert fühlen.“

Knappe Outfits für jugendliche Spielerinnen ein Problem

Dani Bruckner, Headcoach der weiblichen Volleyballjugend im TSV, macht das Outfit vom Wetter abhängig. Selbst jedoch habe sie kein Problem mit Bikini-Hoserl rumzulaufen. „Für mich ist das eine Sache der Bequemlichkeit. Aber es gibt Leute, die haben vielleicht einen etwas breiteren Oberschenkel und fühlen sich unwohl. Warum soll sie dann mit einer Bikini-Hose spielen?“

Eine Kleiderordnung hält sie für furchtbar. Vor allem wenn Jugendspieler in den Damenkonkurrenzen mitspielen: „Bei solchen Turnieren werden Fotos gemacht, die kommen ins Internet oder landen in die sozialen Netzwerken, wo sie dann auch bleiben. Das muss doch nicht sein!“

Pink zahlt Straft für Sportlerinnen

Gailer bringt in diesem Zusammenhang grundsätzlich die Verantwortung der Medien ins Spiel. „Es muss eigentlich nicht sein, dass im Beachvolleyball auf die Hintern gezoomt wird. Das hat nichts mit der Sportart zu tun“, weist sie auf Sexismus in solchen Bildern hin.

In die Diskussion um die norwegischen Handballerinnen hat sich inzwischen Popstar Pink eingeschaltet und die Strafe von 1500 Euro bezahlt.

Und auch der Europäische Handballverband sendet in der Sexismus-Debatte ein Signal – indem er die Strafe nicht behält, sondern gespendet hat.

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