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50 Jahre Gebietsreform

Bayerns Innenminister Joachim Hermann beim Festakt: Mühldorf ist ein „wunderschöner Landkreis“

Lebendige Geschichte der Gebietsreform: Daniel Baumgartner (rechts) machte bei der Podiumsdiskussion mit (v.l.) Ludwig Fischer, Dionys Kirschner, Landrat Maximilian Heimerl, Innenminister Joachim Hermann, Professor Ferdinand Kramer und Bürgermeisterin Annemarie Haslberger die Probleme und Erfolge anschaulich.
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Lebendige Geschichte der Gebietsreform: Daniel Baumgartner (rechts) machte bei der Podiumsdiskussion mit (v.l.) Ludwig Fischer, Dionys Kirschner, Landrat Maximilian Heimerl, Innenminister Joachim Hermann, Professor Ferdinand Kramer und Bürgermeisterin Annemarie Haslberger die Probleme und Erfolge anschaulich.
  • Peter Becker
    VonPeter Becker
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1972 wurde der Landkreis Wasserburg aufgelöst – und Mühldorf bekam im Westen neue Gemeinden. Trotz der anfänglichen Widerstände und Probleme wurde die Gebietsreform ein Erfolgsmodell.

Mettenheim – In einem Festakt feierten am Freitag rund 80 Gäste 50 Jahre Landkreis Mühldorf. Der Einladung von Landrat Maximilian Heimerl zum Kreuzerwirt waren zahlreiche Bürgermeister sowie Vertreter von Verbänden und Verwaltung gefolgt. In seiner Festrede gratulierte der bayerische Staatsminister des Inneren, Joachim Hermann, den Landkreisbürgern zu ihrem „wunderschönen Landkreis“ und erinnerte an die Bedeutung der Gebietsreform im Jahr 1972.

Phänomenales Reformtempo

Anschließend ließ Geschichtskoordinator Daniel Baumgartner mit seinen Gästen auf dem Podium die Integration des aufgelösten Landkreises Wasserburg noch einmal lebendig werden.

Landrat Maximilian Heimerl kam dabei auch auf die beiden Väter des heutigen Landkreises Mühldorf zu sprechen: den erst im November verstorbenen früheren Landtagsabgeordneten Nikolaus Asenbeck, den „Vater der Verwaltungsgemeinschaften“, und den damaligen Landrat Erich Rambold. „Ohne sie gäbe es den heutigen Landkreis Mühldorf nicht.“ Dieser habe durch die Auflösung des damaligen Landkreises Wasserburg im Westen große Gebiete hinzugewonnen.

Bayerns Innenminister Joachim Hermann ordnete die Gebietsreform historisch ein: „Bayern war damals das letzte Bundesland, das eine große Gebietsreform durchgeführt hat.“ Als eine glückliche Entscheidung der damaligen CSU-Regierung bezeichnete er die Reformen als „das kleinere Übel“ im Vergleich zum Rothemund-Plan der SPD-Opposition. Der wollte die Aufgaben von Landkreisen und Bezirken direkt in Verwaltungsregionen zusammenfassen.

Schritt zur effizienten Verwaltung

Gegen viele Widerstände hätte es sein Amtsvorgänger Bruno Merk in phänomenaler Geschwindigkeit geschafft, die im Wahlkampf 1970 ausgegebene Reform umzusetzen. Die Zahl der Landkreise wurde von 143 auf 71 halbiert; von 48 kreisfreien Städten blieben 25 übrig. Damit sei der Weg für eine effiziente Verwaltung des Freistaates geschaffen worden, die Bayern erst zu dem gemacht habe, was es heute ist: „Ich weiß nicht, ob wir das heute so hinbekämen, aber angesichts der guten Lage, gibt es aktuell auch gar keinen Anlass für eine Neuordnung von oben“, so Hermann.

Zweifellos gäbe es immer Verbesserungsmöglichkeiten, was er aber gerne in der Entscheidungsgewalt von „leistungsfähigen Gemeinden, die aus sich selbst heraus stark sind“, belassen will. So könnten beispielsweise Standesämter zusammengelegt werden, falls der Bedarf zu gering wäre. Es sollte jedoch alles dafür getan werden, dass die Verwaltungen bürgernah agieren: „An- und Ummeldungen können auch online geschehen, dafür muss der Bürger nicht stundenlang im Amt warten!“, so Hermann.

Absage an ideologische Debatten

Mit Blick auf den Ukrainekrieg sollten sich die Bürger, die sich den Wohlstand selbst erarbeitet hätten, nun nicht die Butter vom Brot nehmen lassen: „Wir können uns momentan keine ideologische Debatte leisten“, sagte der Staatsminister in Bezug auf die gesetzlich beschlossene Abschaltung des Atomkraftwerks OHU II am Ende des Jahres.

Bei der anschließenden Podiumsdiskussion brachte unter anderem der an der Uni München tätige Geschichtsprofessor Ferdinand Kramer auch Kritikpunkte zur Sprache: „Mit den früheren Kreisstädten hat man kulturelle Zentren verloren, die lange mit Entwicklungsdefiziten zu kämpfen hatten.“ Auch sei bei den Reformen „viel demokratische Substanz verloren gegangen“.

Erfahrungen aus erster Hand

Der langjährige Wiesbacher Feuerwehrkommandant Dionys Kirschner erinnerte sich zwar, dass durch die Zusammenlegung der Feuerwehren von Teising, Hörbering, Thambach, Feichten, Elsen- und Wiesbach mit Neumarkt St. Veit zwar plötzlich das alte Problem mit den Schläuchen passé war. Seitdem brauche es aber bei der Beschaffung neuer Materialien und Fahrzeuge eines sehr langen Atems und in den einzelnen Orten musste die ehrenamtliche Feuerwehr praktisch die Rolle der Gemeinde übernehmen: „Das geht schon beim Kulturellen los.“

Die frühere Bezirksrätin Annemarie Haslberger erinnerte an die Widerstände: „Da war 1971 diese Veranstaltung mit 500 Bürgern beim Greinbräu in Wasserburg, bei der Asenbeck wegen der Abschaffung des Landkreises mit Essen beworfen wurde“. Auch an große wirtschaftliche Herausforderungen für die neuen Gemeinden des Landkreises, besonders in den ersten Jahrzehnten, erinnerte die heutige Bürgermeisterin von Reichertsheim: „Erst als das Müllproblem gelöst war, ging Ende der 1980er Jahre langsam wieder was voran.“

Der Westen arbeitet immer noch zusammen

Ludwig Fischer, der lange Jahre zunächst in Bodenkirchen und dann im Rathaus in Buchbach in der Verwaltung arbeitete, wies auf ein weiteres Problem hin. „In den selbstbestimmten Gemeinden haben die Grundstückswerte nach den Reformen stark zugenommen, in den anderen nicht“, so der frühere Geschäftsführer des Rathauses Buchbach über die Entwicklung der Bodenrichtwerte.

Der erst vor zwei Jahren zum Landrat gewählte Maximilian Heimerl stellte abschließend fest, dass der Landkreis in seiner heutigen Form auch dank des guten Teamworks in seiner Behörde gut funktioniere: „Auch dass die westlichen Landkreisgemeinden im Kreistag eine Gruppe bilden, die ihre Interessen gemeinsam vertritt, ist gut so!“, erklärte der Gastgeber der Festveranstaltung.

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