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„Es hätte eine touristische Attraktion für Mühldorf sein können“

Denkbar knappe Entscheidung: Warum das Projekt um den Urelefanten Ebi in Mühldorf begraben wird

Ein fünf Meter hoher Kletter-Holzelefant sollte am Ende des „Erlebnisweg Mühldorfer Urelefant“ stehen.
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Ein fünf Meter hoher Kletter-Holzelefant sollte am Ende des „Erlebnisweg Mühldorfer Urelefant“ stehen.
  • Christa Latta
    VonChrista Latta
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Mühldorfs Bürgermeister bedauert die Entscheidung: „Der Urelefant wäre für die Stadt, für Familien und den überregionalen Tourismus eine Bereicherung gewesen.“ Dennoch hat der Stadtrat das Projekt rund um Ebi begraben.

Mühldorf – Vor gut 50 Jahren haben Angler das Skelett des Urelefanten bei Ebing im Inn gefunden.

Jetzt hat der Mühldorfer Stadtrat den Versuch, „Ebi“ ein erlebbares Andenken zu schaffen, beerdigt.

Der geplante Erlebnisweg sollte in Ecksberg entstehen und von der Stiftung aus auf dem bestehenden Weg zum Inn führen. Dort hätte er eine Schleife gemacht, um in einen Abenteuer-Spielplatz zu münden. Das Konzept dafür stammte noch von dem gemeinsamen Versuch der Städte Mühldorf und Waldkraiburg, einen Ebi-Erlebnisweg einzurichten.

Ein fünf Meter hoher Holzelefant

Am Ende des Erlebnisweges sollte ein Abenteuer-Spielplatz mit einem fünf Meter hohen Holzelefanten als Spiel- und Klettergerät stehen, dazu ein Sandkasten mit Elefantenknochen zum Ausbuddeln sowie weitere Spielmöglichkeiten und Verweilplätze. Mit der Stiftung Ecksberg und dem Ecksbäcker sei für Bewirtung, Sanitäranlagen und Parkplätze gesorgt.

Die Stiftung habe die Zusammenarbeit zugesichert, erklärte Bürgermeister Michael Hetzl (UM). Das „Mühldorfer Netz“ habe eine Förderung aus Leader-Mitteln von 60 Prozent in Aussicht gestellt.

Gut 900.000 Euro soll das Vorhaben kosten, die Instandhaltungskosten bezifferte Bürgermeister Hetzl auf jährlich etwa 24.000 Euro.

Bei den Stadträten rief das Projekt geteilte Meinungen hervor. Entsprechend fiel auch die Abstimmung aus und endete denkbar knapp mit 13:12 gegen den Urelefanten.

Müssen Haushalt zusammenhalten

Die CSU stimmte geschlossen dagegen. „Der gewählte Ort ist uns zu abgelegen, zu weit draußen“, sagte Fraktionssprecher Stefan Lasner. „Hauptgrund ist aber das Geld. Die Stadt müsste trotz Förderung eine Investition von mindestens 450.000 Euro leisten. Dazu die laufenden jährlichen Kosten.“ Nach Meinung der CSU hat die Stadt wichtigere Aufgaben zu finanzieren, wie etwa den Ausbau der Kindergärten oder die Unterführung an der Kapellenstraße. „Themen, die deutlich wichtiger sind als der Urelefant.“

Auch ihre Fraktion sei gespalten gewesen, erklärte Angelika Kölbl (SPD). „Es hätte eine touristische Attraktion für Mühldorf sein können“, sagt sie. „Aber die Kosten für die Stadt und der zunehmende Autoverkehr standen dagegen.“ Der Erlebnisweg sei zur falschen Zeit gekommen: „Mühldorf steht bei seinen öffentlichen Einrichtungen vor zu vielen finanziellen Herausforderungen.“

„Das Gelände erscheint uns nicht ideal“

Die Grünen waren ebenfalls uneins. Auch sie fanden den Ort unterhalb Ecksbergs eher unglücklich und zu weit weg von der Stadt. „Auch das Gelände erscheint uns nicht ideal“, erklärte Dr. Matthias Kraft (Grüne). „Wie sollen Familien mit kleinen Kindern und Kinderwagen da rauf und runter kommen?“ Die Idee, etwas aus dem Urelefanten zu machen, sei nicht schlecht und Mühldorf hätte auch die Kosten stemmen können, glaubt Kraft. Nur zentraler sollte es sein, Kraft schlug das ehemalige Sümö-Gelände vor. Einige Stadträte seien sauer gewesen, weil die Finanzierung bereits im Finanzplan eingestellt war. Laut Kraft ohne Zustimmung des Stadtrats.

„Unsere Fraktion hat das Projekt geschlossen unterstützt“, sagte dagegen Markus Saller (UM). Allerdings seien auch er und andere „nicht glühend“ von der Idee und dem Standort überzeugt gewesen. Er hätte auch etwas mehr Programm rund um den Spiel-Urelefanten gut gefunden, dazu einen Kiosk und Sanitäranlagen vor Ort.

„In dieser Zeit mit den unwägbaren Ausgaben für die Stadt wie der Kapellstraßen-Unterführung sollten wir uns so einen Erlebnisweg nicht ans Bein binden“, begründete Oliver Multusch die Ablehnung durch die AfD. Trotz Förderung habe die Stadt dafür derzeit keinen Spielraum: „Wir müssen unseren Haushalt zusammenhalten.“

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Der ehemalige Linke Claus Debnar, jetzt „Mühldorf gemeinsam“ stimmte dafür: „Ich halte das Projekt für eine gute Sache, obwohl der Ort vielleicht nicht ideal gewählt ist. Ich hätte mir aber ein paar Attraktionen mehr am Weg gewünscht.“

„Ich bin enttäuscht, auch wenn es nicht explizit mein Projekt war“, Bürgermeister Hetzl (UM) bedauert das Scheitern. Tourismusverband und „Mühldorfer Netz“ waren mit der Idee an ihn herangetreten. „Ich hätte gern aus Ebi einen Mühli gemacht.“ Der Urelefant wäre für die Stadt, für Familien und den überregionalen Tourismus eine Bereicherung gewesen: „Jetzt ist er zum zweiten Mal gestorben.“

Schon der erste Versuch scheiterte

2019 scheiterte der Versuch Mühldorfs und Waldkraiburgs am Fundort des Urelefanten bei Ebing einen Erlebnisweg umzusetzen. Damals hatte der Waldkraiburger Stadtrat einstimmig beschlossen, wegen der hohen Kosten von 750.000 Euro für die Verkehrserschließung in steilem Gelände auszusteigen.

Im Sommer 2020 gab es in der Stadt Mühldorf Überlegungen, das Projekt alleine neu aufzugreifen. Mühldorfs Bürgermeister Michael Hetzl (UM) schwebte ein Museumsort für den Urelefanten vor. Der sollte aber nicht aber am steilen Ebi-Fundort bei Ebing errichtet werden. Einen genaueren Ort nannte Hetzl damals nicht, er sprach von einem Konzept, das bezahlbar sei.

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