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Unschuldig unter Verdacht

Wegen vermeintlicher Corona-Verstöße angeschwärzt: Aschauer Pferdehofbetreiber ärgert sich

Für das Verbot von Reitunterricht gibt es aus Sicht von Gerhard Preintner keine sachliche Begründung. Er halte sich trotzdem dran, sagt der Pferdehofbetreiber in Aschau-Haselbach.
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Für das Verbot von Reitunterricht gibt es aus Sicht von Gerhard Preintner keine sachliche Begründung. Er halte sich trotzdem dran, sagt der Pferdehofbetreiber in Aschau-Haselbach.
  • Hans Grundner
    VonHans Grundner
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Gerhard Preintner ist sauer. Wieder eine Coronakontrolle auf seinem Pferdehof. Neulich war die Polizei da, diesmal ein Mitarbeiter des Landratsamts. Wieder gab es nichts zu beanstanden. Preintner ärgert sich jedoch nicht über die Kontrolleure.

Aschau – Preintner ärgert sich darüber, dass wieder ein Hinweis eines „Blockwarts“ aus der Bevölkerung Auslöser war. Aus den sozialen Netzwerken bekommt er, der einen Pferdehof im Ortsteil Haselbach besitzt, Zustimmung: Das Denunziantentum habe Hochkonjunktur. Polizei und Landratsamt wollen das so nicht bestätigen.

Wieder angeschwärzt

Erneut hatte jemand den Pferdehofbetreiber angeschwärzt, weil er angeblich Reitunterricht gebe, jemand, „der die Sachlage wohl noch nicht verstanden hat“. Tatsächlich kommen nach wie vor Leute auf den Pferdehof, Familien, Mütter mit Kindern. „Die dürfen das, die müssen das sogar“, betont Preintner. Viele haben ihre Tiere bei ihm in Haselbach abgestellt und kommen, um die Pferde zu versorgen und zu bewegen.

Etwa 30 Prozent weniger Einnahmen

Für den Betrieb ist die Pacht für das Einstellen der Pferde die größte Einnahmequelle, die noch bleibt, seit der Reitunterricht verboten ist. 50 bis 80 Reitschüler kommen zu normalen Zeiten laut Preintner, viele mindestens einmal die Woche. Etwa 30 Prozent der Einnahmen sind weggebrochen, weil im Lockdown keine Reitstunden erlaubt sind. Der Pferdehof sei „kein strukturschwacher Betrieb, nicht akut existenzgefährdet. Wir haben Rücklagen. Aber aktuell arbeiten wir in einen Verlust hinein. Man muss schauen, wie lange man das aushält.“

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Bei der ersten staatlichen Förderung im Frühjahr 2020 habe er Geld bekommen. Zu kompliziert, zu aufwendig sei das Verfahren. „Aktuell rechne ich mir keine Unterstützung aus.“

Er halte sich an die Vorgaben, sagt der Unternehmer. Er habe vor Monaten sogar das Landratsamt auf einen Fehler hingewiesen, als auf der Homepage der Behörde irrtümlich noch zu lesen war, dass Reitunterricht möglich sei.

Reitunterricht: Verbot macht keinen Sinn

Wie kritisch er diese Verordnung sieht, die aus seiner Sicht einem „Berufsverbot gleichkommt“, steht auf einem anderen Blatt. „Es ist ähnlich wie bei Tennisspielern, da müsste es ja auch nicht sein.“ Reitunterricht sei an der frischen Luft und bei sehr großem Abstand oder auch per Funk möglich. Das Infektionsrisiko gehe gegen Null. Hoffnungen, dass das Entscheidungen der Politiker beeinflusst, macht sich Gerhard Preintner nicht. „Dabei würde man die Leute leichter mitnehmen, wenn die Entscheidungen nachvollziehbar sind.“

Pferde müssen versorgt und bewegt werden

Die Pferde müssen versorgt und bewegt werden durch die Besitzer oder deren Beauftragte. Auch das unterliegt Beschränkungen. Eine Menge Bürokratie falle da an. Es darf zu keinen Kontakten kommen, der Aufenthalt muss so kurz wie möglich ausfallen. „Bei mir haben die Leute eine App.“ In Ställen, wo Zettelwirtschaft herrsche, sei die Einhaltung der Regeln nicht mehr kontrollierbar, räumt er ein.

Schwierig wird es aus Preintners Sicht, wenn die Regeln den Tieren schaden, weil sie die notwendige Bewegung nicht oder nicht mehr richtig haben. Einige Besitzer könnten ihr Pferd nicht so bewegen, wie es notwendig wäre, ohne die Begleitung durch einen Reitlehrer. „Da stößt man an Grenzen, aber man muss sie allein lassen.“

Polizei und Landratsamt: Zahl der Beschwerden auf niedrigem Niveau 

Steigt die Zahl der Hinweise, Beschwerden und Anzeigen wegen tatsächlicher oder vermeintlicher Verstöße gegen Corona-Regeln in Betrieben? Greift eine Blockwart-Mentalität um sich? Landratsamt und Polizeiinspektion Waldkraiburg können das nicht bestätigen.

Vier bis fünf Hinweise oder Beschwerden gehen laut einer Pressesprecherin durchschnittlich pro Woche in der Behörde ein. „Die Motivation der Hinweisgebenden können wir nicht beurteilen.“ Eine Häufung sei nicht erkennbar. Das Landratsamt gehe den Beschwerden nach. „Bei Verstößen im privaten Umfeld ist dies nur begrenzt möglich, da wir kein Zutrittsrecht zu Privaträumen haben. Hier wäre gegebenenfalls die Polizei zu verständigen.“ Der Anteil der Kontrollen, bei denen tatsächlich Verstöße festgestellt werden, betrage etwa zehn Prozent.

Ähnlich äußert sich Georg Deibl, der Leiter der Polizeiinspektion Waldkraiburg: Die Polizei erhalte nur selten Hinweise von Bürgern, die aus Unkenntnis über die detaillierte Rechtslage mögliche Regelverstöße in Bezug auf betriebliche Abläufe mitteilen“. Eine signifikante Steigerung der Mitteilungen sei gegenüber dem Vorjahr nicht zu erkennen. „Die Zahl dieser Anzeigen, Hinweise, Beschwerden beläuft sich auf niedrigem Niveau.“

„Die Kontrollen verlaufen überwiegend ohne Beanstandungen“, so Deibl weiter. „Wir stellen im Bereich der Betriebe und Geschäfte einen zuverlässigen und verantwortungsbewussten Umgang mit den Auflagen fest.“ Im Falle der Reiterhöfe in Aschau habe die PI zwei Hinweise erhalten. In beiden Fällen habe es sich um namentlich bekannte Personen gehandelt, „die darum baten, ihre Beobachtungen vor Ort zu überprüfen“. Das Ergebnis der Kontrollen: Die anwesenden Personen hätten sich „regelkonform verhalten“.

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