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„Keine Luftschlösser bauen“

Aschau am Inn treibt Klimaschutz voran: Warum der Bürgermeister trotzdem auf die Bremse tritt

Aschau am Inn stellt sich neuen Herausforderungen.
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Aschau am Inn ist in Sachen Klimaschutz äußerst ambitioniert und hat auch schon einiges in die Wege geleitet. Wie es hier weitergehen soll, wurde in der jüngsten Gemeinderatssitzung diskutiert.
  • Jörg Eschenfelder
    VonJörg Eschenfelder
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Aschau am Inn ist in Sachen Klimaschutz äußerst ambitioniert - und alle ziehen mit. Doch in der jüngsten Gemeinderatssitzung trat Bürgermeister Christian Weyrich (CSU) plötzlich auf die Bremse - und erntete Widerspruch.

Aschau am Inn - Eigentlich hätte der Bericht von Bürgermeister Christian Weyrich (CSU) in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates zum Stand des integrierten Klimaschutzkonzeptes schnell abgehakt werden können. Weyrich sollte nur die aktuellen Maßnahmen präsentieren und einen Ausblick auf die weitere Umsetzung geben. Eigentlich ein Wohlfühlthema. Denn Aschau ist sehr ambitioniert, wenn es darum geht, die eigene Energiebilanz zu verbessern und CO2 zu vermeiden. Eigentlich ein kurzer Bericht. Doch dann schloß Weyrich seine Ausführungen mit den Worten: „Wir sind momentan an so vielen Themen dran. Wir sollten nicht zu Selbstzwecken weitere Projekte anstoßen.“ Dem schlossen sich aber die Gemeinderäte nicht kommentarlos an.

„Jeder weiß hinreichend genug, dass er sparen muss“

Im Oktober wurde den Gemeinderäten im Rahmen des integrierten Klimaschutzkonzeptes auch ein Maßnahmenkatalog zur Umsetzung vorgestellt. Hier wurden für die Bereiche Verwaltung, Öffentlichkeitsarbeit, Private Haushalte, Gewerbe & Industrie, Mobilität, Erneuerbare Energien sowie Siedlungsentwicklung insgesamt 36 Maßnahmen aufgelistet. Ein Drittel davon wurde bereits umgesetzt oder angeschoben (siehe Kasten). So ist zum Beispiel die Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED bereits eingeleitet, die Umstellung auf einen elektrischen Fuhrpark der Gemeinde wird geprüft (Weyrich: „Wo es Sinn macht, sind wir dabei.“) und auch der Ausbau des Nahwärmnetzes „beschäftigt uns“, so Weyrich, der für Januar die Vorlage der Machbarkeitsstudie zum Fernwärmenetz ankündigte. Im Bereich der privaten Haushalte sowie der Wirtschaft brauche es momentan keine weiteren Aktivitäten. Weyrich: „Jeder weiß hinreichend genug, dass er sparen muss.“

Auch wenn die Gemeinderäte dem Maßnahmenkatalog nicht widersprachen, auf die Bremse wollten sie im Gegensatz zu Weyrich nicht treten. Karl Heiz Jekler (Bündnis Aschau) vermisste eine „Vision“ sowie eine konkrete Jahreszahl: „Können wir beispielsweise nicht anstreben, 2030 klimaneutral zu sein?“ Dagegen wehrte sich Weyrich: „Wir müssen realistisch sein. Wir machen, was wir können.“ Er habe Schwierigkeiten mit einer konkreten Jahreszahl und verwies auf die Evaluierung des Konzeptes: „Da schauen wir dann, ob wir auf dem richtigen Weg sind.“

„Die Richtung und der Ausblick gehen mir ab“

Das reichte den Gemeindeärtinnen Barbara Bischoff (AWG) und Daniela Reingruber (CSU) nicht. Reingruber: „Die Richtung und der Ausblick gehen mir ab.“ Auch Gemeinderat Martin Höpfinger (SPD) wollte einen konkreten Termin, „wann wir das Konzept wieder anschauen.“

Weyrich warnte wiederholt davor, die Verwaltung zu überfordern und erklärte: „Wir müssen solide arbeiten. Wir düfen keine Luftschlösser bauen. Es ist doch viel, was wir tun.“ Diese Ansicht teilte auch Gemeinderat Andreas Kölbl (AWG): „Wir dürfen die Verwaltung nicht überfahren. Die sind am Limit. Wir dürfen es nicht übertreiben.“ Er meinte aber ebenfalls: „Eine Wiedervorlage ist sinnvoll.“

Im Laufe der Diskussion brachte Höpfinger als Termin für die Wiedervorlage Juni 2023 ins Spiel und konnte damit Weyrich überzeugen. Am Ende nahmen die Gemeinderäte einstimmig von dem Bericht Kenntnis und beschlossen, den Stand und die Umsetzung des integrierten Klimaschutzkonzepts samt Maßnahmenkatalog im Juni 2023 erneut zu überprüfen.

Der Maßnahmenkatalog des Klimaschutzkonzeptes

Im Maßnahmenkatalog sind in sechs Handlungsfeldern insgesamt 36 Maßnahmen aufgelistet und deren Umsetzung als kurzfristig (bis zu drei Jahre), mittelfristig (bis zu sieben Jahre) sowie langfristig (bis zu zehn Jahre) eingeordnet. Dabei sollen kurzfristige Maßnahmen die Grundlage des fortzuführenden Klimaschutzprozeses bilden und daher zeitnah umgesetzt werden. Zu den bereits umgesetzten beziehungsweise angeschobenenen Maßnahmen gehören neben den oben genannten die Einrichtung eines übergreifenden und nachhalitgen Klimaschutzmanagements, die Erstellung von Sanierungsfahrplänen für verwaltungseigenen Liegenschaften, die Beschaffung von Pedelces für Mitarbeiter in den gemeindlichen Verwaltungseinrichtungen, die Erweiterung des Internetauftrittes der Gemeinde um den Bereich „Klimaschautz“, die Ausrichtigung von Klimaschutz- und Informationsveranstaltungen, die Entwicklung einer Förderung von privaten Klimaschutz-Kleinprojekten, der Ausbau des gemeindlichen Radwegenetzes, die Erschließung des Versorgungspotenzials von Hackschnitzel durch die regionale Forstwirtschaft sowie der Ausbau von Photovoltaik-Freiflächenanlagen in der Gemeinde.

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