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Viele Teilnehmer aus dem Landkreis

27 Landwirte machen mit: Artenreiche Wiesen rund um Mühldorf begeistern Jury

Georg Hans( Zweiter von links) mit den Fachleuten auf seiner Wiese im Thalhammer Moos: (von links) Franz Prinz, Familie Grenzebach, Inge Steidl, Dr. Sabine Heinz, Marion Ruppaner und Klaus Neugebauer.Becker
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Georg Hans( Zweiter von links) mit den Fachleuten auf seiner Wiese im Thalhammer Moos: (von links) Franz Prinz, Familie Grenzebach, Inge Steidl, Dr. Sabine Heinz, Marion Ruppaner und Klaus Neugebauer.Becker
  • VonPeter Becker
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Auf der Suche nach dem „Wiesenmeister 2021“ hat eine Jury von sieben Fachleuten das Mühldorfer Land bereist. Seit der Ausschreibung der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft und des Bund Naturschutz Bayern im Februar, hatten sich 27 Landwirte aus vielen Gemeinden des Landkreises mit ihren aussichtsreichsten Flächen beworben.

Mühldorf - Die Juroren nahmen nun sechs Flächen im Landkreis genauer unter die Lupe, die nach der Kartierung durch Landschaftsplanerin Inge Steidl aus Freising den Kriterien des Wettbewerbs am besten entsprachen. Denn neben dem Naturschutz geht es bei der seit 2009 stattfindenden Meisterschaft gleichermaßen auch um den wirtschaftlichen und den kulturlandschaftlichen Wert der Grünflächen.

Viele Pflanzenarten auf der Wiese

„Ich habe auf den Wiesen schon vor einigen Wochen viele Pflanzenarten gefunden. Jetzt, wo alles blüht, sieht es sogar noch besser aus“, freute sich Inge Steidl bei den Ortsterminen mit ihren sechs Kollegen aus der Fachjury. Dieser gehörten neben Rosa Kugler, der Managerin der Ökomodellregion Mühldorfer Land auch der Artenschutzexperte Klaus Neugebauer von der Höheren Naturschutzbehörde der Regierung von Oberbayern, der Wildlebensraumberater Franz Prinz vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten(AELF) in Töging sowie Dr. Sabine Heinz vom LfL und Marion Ruppaner vom BN an. Außerdem bereicherte der Landwirt Norbert Grenzebach das Gremium mit seiner Expertise. Er hatte den Bayerischen Wettbewerb im Jahr 2013 gewonnen und war mit seiner Frau aus Starnberg angereist.

Lesen Sie auch: Eh-da-Flächen nehmen im Landkreis Mühldorf zu

Sieger wurden zwar noch keine gekürt, denn die beiden Gewinner sollen der Öffentlichkeit erst am 28. September bei einer Festveranstaltung in Fichtner’s Kulturladen in Ramsau präsentiert werden. Dennoch sind die Fachleute im Entscheidungsprozess einen großen Schritt weitergekommen: „Wir wollen uns ja einen Gesamteindruck verschaffen! Stehen zum Beispiel auch die Hoferben hinter der extensiven Nutzung der Flächen?“, erklärt Marion Ruppaner vom mitveranstaltenden Bund Naturschutz in Bayern über die langfristigen Perspektiven des Wettbewerbs.

Statt Mähmaschine: Kühe mit Kälbern auf der Weide

Das Volksbegehren zum Artenschutz in Bayern hat im vergangenen Jahr offenbar einige zusätzliche Kräfte freigesetzt: „Die durch das Vertragsnaturschutzprogramm geförderten Flächen erhöhten sich im letzten Jahr von sechs auf neun Prozent“, so die BN-Agrarreferentin Marion Ruppaner. Dabei bekommen Landwirte Ausgleichszahlungen vom Staat, wenn sie die Flächen in vorgeschriebener Weise pflegen.

„Nach Absprache des Zeitpunkts mit dem Landratsamt, lassen wir zwei Kühe mit ihren Kälbern auf diese Weide“, berichtete zum Beispiel Bio-Landwirt Matthias Reißaus aus Oberneukirchen. Mit dieser Vorgehensweise entwickelte sich die früher als Mähweide genutzte Fläche in wenigen Jahren zu einem ökologischen Kleinod: in einer Senke entlang des Regenwasserlaufs gelegen, ist das 1,6 Hektar große Grundstück bereits wieder Heimat vieler in unserer Region seltener Pflanzen geworden. Kräuter, wie der kleine Baldrian oder verschiedenste Gräser kann man nun auf dem Grundstück finden.

Wieseniris, Mädesüß, Kuckuckslichtnelke, Wiesenknöterich, Labkraut und mehr

„Insgesamt 43 krautige Wiesenpflanzen habe ich hier bisher ausgemacht: Wieseniris, Mädesüß, Kuckuckslichtnelke, Wiesenknöterich, Labkraut, Sumpf-Hornkraut, Hainsimse…“, stimmte Inge Steidl ihre sechs Jurykollegen ein, die sich gleich eifrig auf die Suche nach mehr machten.

Auch wenn diese bei uns höchst seltene sibirische Schwertlilie vermutlich bald in den Mägen einer Wasserbüffel- oder Murnau-Werdenfelser Kuh landet, hat sie dank Vertragsnaturschutz eine Heimat gefunden.

Die Artenvielfalt ist auch Georg Hans aus Obertaufkirchen ein Anliegen: seit gut 20 Jahren spezialisiert er sich auf die Saatgutvermehrung, indem er die Samen der mehr als 150 verschiedenen Arten auf seinen Grünflächen mit speziellem Gerät absaugt und verkauft.

Auch er hatte sich mit einer von ihm bewirtschafteten Fläche im Thalhammer Moos an der Isen beworben und klärte die Fachleute vor Ort beispielsweise darüber auf, wie er die Giftpflanzen auf dem wabernden Moorboden in den letzten Jahren erfolgreich zurückgedrängt hat, sodass er das Schnittgut nun zweimal im Jahr bedenkenlos an die 50 verbliebenen Milchkühe verfüttern kann. Die Zukunft seines Betriebes sieht Hans ausschließlich in der Saatgutvermehrung: „Wenn die Leinenhaltung verboten wird, kann und will ich keine 500 000 Euro in einen neuen Stall investieren“.

Prächtige Blühwiese in Neumarkt

Im Rennen um den Sieg des Wettbewerbs ist aber auch noch das Landwirts-Paar Kurz aus Wolfsberg-Irlau, das seit über 20 Jahren beweist, dass Ökologie und Landwirtschaft nicht im Widerspruch stehen: ihre prächtige Blühwiese südwestlich von Neumarkt-Sankt Veit, macht etwa ein Viertel der 14 Hektar aus, auf denen Georg Kurz mit dem Vertragsnaturschutz zusammenarbeitet.

Geht es nach den Juroren, haben aber auch die Landwirte Johann und Roswitha Zott aus Maitenbeth, Franz Wieser aus Kirchdorf und Sebastian Glonner aus Reichertsheim noch ebensogute Chancen der bayerische Wiesenmeister 2021 zu werden. „Auch wenn wir uns gefreut hätten, wenn sich noch mehr Betriebe beteiligt hätten, sind wir sehr zufrieden“ erklärte Rosa Kugler von der Öko-Modellregion Mühldorfer Land über Wettbewerb.

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