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Anwohner diskutieren mit Investor über Bauprojekt an der Töginger Straße

„Wir haben einfach Angst um unser gewachsenes Mühldorf!“

Wo einst nur eine Villa stand, sollen an der Töginger Straße in Mühldorf am Inn Wohnhäuser entstehen.
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Wo einst nur eine Villa stand, sollen an der Töginger Straße in Mühldorf am Inn Wohnhäuser entstehen.
  • Heinz Seutter
    VonHeinz Seutter
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Schon länger schwelt der Konflikt zwischen einem Investor, der an der Töginger Straße in Mühldorf am Inn Wohnhäuser bauen will und Anwohnern. Die Nachbarn des betreffenden Grundstücks haben zahlreiche Befürchtungen und der Bauherr in ihren Augen auch schon einiges an Vertrauen verspielt, wie bei einem Ortstermin am Donnerstagabend erneut klar wurde.

Mühldorf am Inn - „Wir haben einfach Angst um unser gewachsenes Mühldorf. Unsere Kinder sollen in einer lebenswerten Stadt wohnen können, nicht in einer Ansammlung von Wohnsilos ohne Grün darum“, mahnte die Anwohnerin Stephanie Nömeier. Helga Josel verwies auf „Bausünden“ aus der jüngeren Vergangenheit und nannte „H&M“ und das Gebäude gegenüber des Bahnhofs als Beispiele. Beide Baumaßnahmen seien keine Visitenkarte für die Stadt. Mit Blick auf das geplante Objekt an der Töginger Straße sagte sie: „Auf einer Tiefgarage kann man keinen vernünftigen Baum pflanzen“. Bei Bauprojekten gehe es eben nicht nur um Wohn-, sondern auch um Lebensraum.

„Wir schaffen hier Wohnraum, über den sich dann vielleicht auch ihre Kinder einmal freuen werden“, konterte der an diesem Tag anwesende Investor Reinhold Schneider aus Polling. Fast drei Stunden lang gingen er und anwesende Vertreter der Mühldorfer Stadtratsfraktionen auf Fragen zu dem Bauprojekt an der Töginger Straße ein und diskutierten.

Anwohner sehen Wohnbau-Projekt an der Töginger Straße in Mühldorf am Inn kritisch - Fragen an Investor und Diskussion am Donnerstagabend

Auf einem Grundstück an der Töginger Straße in Mühldorf am Inn, in Sichtweite des Landratsamts, befand sich bis Anfang des Jahres eine alte Villa. Nach deren Abriss sollen dort nun Wohnhäuser entstehen. Zwischen 28 und 32 Wohneinheiten sollten es nach den ersten Planungsvarianten werden, verteilt auf drei beziehungsweise vier Mehrfamilienhäuser. Das Projekt hatte im März durch ein vom Bauausschuss beschlossenes Bauverbot außerdem einen erheblichen Dämpfer verpasst bekommen. Nun soll zunächst ein Bebauungsplan aufgestellt werden, der regeln soll welche Dimensionen und Vorgaben Wohnbebauung dort einhalten muss.

Viele Anwohner stehen dem Projekt weiter kritisch gegenüber. Sie sehen durchaus die Notwendigkeit einer innenstädtischen Nachverdichtung, wie sie kürzlich gegenüber den OVB-Heimatzeitungen betonten (Plus-Artikel ovb-online.de). Zusammengefasst haben Sie aber drei wesentliche Kritikpunkte an dem Projekt:

  • Die Einfügung in die Umgebung: Einerseits befürchten sie, dass die geplante Bebauung und die zu erwartenden Neuanwohner in keinem Verhältnis zu den Ein- und Zweifamilienhäusern, die bisher dieses Siedlungsgebiet prägen stehen. Zum anderen sehen sie das Risiko, dass dadurch ein Präzedenzfall für weitere, noch massivere Bebauung geschaffen wird.
  • Eine Erhöhung der Verkehrsbelastung: Dies nicht nur durch die neuen Nachbarn an sich. Auch zu erwartender Verkehr durch Lieferdienste, Paketfahrer und Besucher würden insbesondere die Schlüsselbergstraße überlasten. Dies einerseits hinsichtlich des fließenden Verkehrs aber auch die Parksituation könne sich, auch durch haltende Liefer- und Paketfahrer, drastisch verschärfen.
  • Weniger Grün: Es seien zu wenig Grünflächen vorgesehen und zudem zu befürchten, dass auch hier ein Präzedenzfall für eine immer weitergehende Reduzierung geschaffen werden könnte.

Mit Rodungs-Aktion einiges an Vertrauen verspielt

Gerade bei den Grünflächen hat der Investor in den Augen der Anwohner einiges an Vertrauen verspielt. Denn im Januar wurden nach dem Eindruck der Anwohner „in einer Nacht und Nebel-Aktion“ zahlreiche Bäume auf dem Grundstück gefällt. „Alles legal“, betont der Investor. „Das war überwiegend Buschwerk und absterbende oder beschädigte Bäume.“ Dies habe auch das Landratsamt bestätigt. Auch sonst betont er beim Ortstermin immer wieder, dass sein Anliegen rechtens sei. „Warum soll ich nicht so viel aus dem Grundstück herausholen dürfen wie im Rahmen der Vorschriften erlaubt ist? Ich tue hier nichts unrechtes!“ „Was rechtens ist und was anständig, das können durchaus zwei Paar Schuhe sein“, konterte Stadtrat Stephan Schinko (Grüne).

Nicht alle anwesenden an diesem Abend sehen das Projekt allerdings kritisch. „Ich arbeite selbst im Klinikum“, berichtete einer von ihnen. „Viele meiner Kollegen, Ärzte, Pfleger, Krankenschwestern wären heilfroh, wenn hier nahe an ihrem Arbeitsplatz Wohnraum entstehen würde!“ Christian Zanklmeier merkte an: „Das ist doch eigentlich ein ganz normaler Ablauf: Ein innerstädtisches Grundstück wird verfügbar, natürlich wird das dann jemand kaufen und dort dann möglichst effizient Wohnraum schaffen wollen. Mühldorf ist nun mal Teil der sogenannten Metropolregion München, durch den Autobahn-Ausbau, den Ausbau der Eisenbahn, die Ansiedlung der Hochschule und des Amts für ländliche Entwicklung und so weiter ist da eine Entwicklung da, die nicht mehr rückgängig wird. Dazu braucht es Nachverdichtung!“

Auch Stadträte unterschiedlicher Meinung

Auch unter den anwesenden Stadträten gab es unterschiedliche Meinung. Vor allem die anwesenden Grünen-Kommunalpolitiker zeigten einiges an Skepsis gegen das Projekt. „Beispielsweise die Planskizze, welcher zuletzt vorgestellt wurde, war schon arg geschönt“, kritisierte Matthias Kraft. „Beispielsweise war da die Schlüsselbergstraße auf einmal so breit wie die Töginger Straße und das ganze war aus der Vogelperspektive statt einer Perspektive, wie es die Leute hier dann erleben müssen gehalten!“

Knapp drei Stunden lang wurde am Donnerstagabend über das Bauprojekt an der Töginger Straße in Mühldorf am Inn diskutiert.

„Bitte bedenken Sie aber auch: Natürlich werden wir Ihre Position berücksichtigen. Aber wir müssen auch an diejenigen Leute denken, die auf Wohnraum angewiesen sind“, gab Angelika Kölbl (SPD) zu bedenken. „Wir werden natürlich im Rahmen unserer Möglichkeiten im Bauausschuss und dem Stadtrat zusehen, dass ihre Einwände und Bedenken berücksichtigt werden“, versicherte Ulrich Niederschweiberer (CSU) wiederum.

Thema im Ausschuss am Dienstag

Die Möglichkeit dazu bietet sich schon am Dienstag, wenn der Bauausschuss um 17 Uhr im Stadtsaal über den Neubau von vier Mehrfamilienhäusern mit 26 Wohneinheiten und Tiefgarage mit 48 Stellplätzen und neun oberirdischen Stellplätzen erörtert wird. Vorab haben die Anwohner auf neun DIN A 4-Seiten ihre Fragen und Bedenken zusammengefasst und diese den Stadträten als Lektüre zukommen lassen.

Der Mühldorfer Anzeiger wird im Anschluss über den Verlauf der Beratung berichten.

hs

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