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Erste Frau an der Spitze des Vereins

Quereinsteigerin wird Chefin des Anna Hospizvereins Mühldorf und bringt neue Ideen mit

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  • Markus Honervogt
    VonMarkus Honervogt
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Der Anna Hospizverein in Mühldorf hat eine neue Geschäftsführerin – Sie ist eine Quereinsteigerin, die aus einem Steuerberatungsbüro kommt und für SOS-Kinderdorf arbeitet.

Mühldorf – Mit Petra Zimmermann-Schwier hat der Anna-Hospizverein eine neue Geschäftsführerin. Zimmermann-Schwier ist nicht nur die erste Frau an der Spitze an des Vereins, der sich um Schwerstkranke und Sterbende kümmert. Sie ist auch die erste Chefin, die – anders als ihre Vorgänger – nicht aus dem Gesundheitswesen kommt.

Volkswirtin an der Spitze

Die 55-Jährige ist Volkswirtin und hat vor ihrem Wechsel in Geretsried als Steuerberaterin und Wirtschaftsprüferin gearbeitet. Sie betreute dabei auch Kunden aus dem Gesundheitsbereich, engagierte sich als Mediatorin und sitzt im Aufsichtsrat des SOS-Kinderdorfs.

Thema Sterben in die Gesellschaft gebracht

Zimmermann-Schwier ist verheiratet, Mutter von drei Kindern, das jüngste ist 16, die anderen sind im Studium. Ende 2019 habe sie beschlossen, sich noch einmalberuflich zu verändern. „Da kam die Stellenanzeige vom Anna Hospizverein gerade recht“, sagt sie. Die Geretsriederin folgt Thomas Kitzeder nach, der 2020 aus der Geschäftsführung der Kreisklinik zum Hospizverein wechselte.

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Durch persönliche Erfahrungen fühlt Zimmermann-Schwier eine enge Verbindung zur Hospizbewegung, spricht von einem „Herzensthema“. Die Eltern seien sehr früh gestorben, damals habe es noch keine Begleitung gegeben, wie sie der Hospizverein bietet. „Die Auseinandersetzung mit dem Tod hat mich lange begleitet.“

Sie bestätigt dem Anna Hospizverein Mühldorf, dass er das Thema Sterbebegleitung und Palliativmedizin in der Region sehr weit vorangetrieben habe. Er habe seit Mitte der 1990er Jahre eine lange Geschichte, sei fest verwurzelt und werde von vielen Ehrenamtlichen getragen. „Defizite in der Arbeit zu beurteilen maße ich mir nicht an“, sagt sie.

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Eine neue Idee hat sie trotzdem schon im Gepäck: die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Die bietet der Verein zwar auch schon an, Zimmermann-Schwier möchte sie aber in die Schulen tragen. „Es ist wichtig mit Kindern über ihre Trauer zu reden“, sagt sie, da herrscht viel Sprachlosigkeit.“ In der Schule gebe es eine gute Möglichkeit, Kinder und Jugendliche für das Thema zu sensibilisieren und sie vorzubereiten.

Mittelfristig strebt der Hospizverein eine zweite Hospizinsel im Landkreis an. Das bestätigt der Vorsitzende Peter Coellen. Die Arbeit der ersten, finanziert durch die OVB-Weihnachtsspendenaktion, komme dem Grundziel des Vereins, zu Hause zu sterben, sehr nah. Wichtigste Aufgabe für die nächsten Jahre sei es, die Hospizinsel und eine neue zweite als Modell in die Regelfinanzierung der Krankenkassen aufnehmen zu lassen, ein weiterer Arbeitspunkt für Zimmermann-Schwier.

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Die möchte auch das neue Haus des Hospizvereins stärker zum Zentrum der Hospizarbeit machen. Denkbar sei ein Anna-Weg, eine Wanderung von Mühldorf nach Annabrunn, auf dem über die Arbeit informiert wird. Auch die Arbeit der Akademie mit Kursen rund um die Themen der Sterbegegleitung, solle initiiert werden.

Finanziell gut überlegter Schritt

Ein Schwerpunkt könnte auch die Intensivierung der Zusammenarbeit mit den Altenheimen im Bereich der „Zeitintensiven Betreuung“ sein. Dabei gehe es darum, die auslaufenden Projekte des Hospizvereins in diesem Bereich der besonders aufwendigen Betreuung in den Heimen weiterzuführen. Der Hospizverein hätte dann die Aufgabe, diese Form der Betreuung zu initiieren, bevor die Heime sie übernehmen.

Man muss sich das leisten können

Finanziell, das gibt Zimmermann-Schwier zu, ist der Wechsel aus der Steuerkanzlei, in der sie Partnerin war, zum Hospizverein ein Rückschritt. „Ich habe mir auch das sehr gut überlegt“, sagt sie. „Aber ich habe es sehr gewollt, deshalb ist für mich alles schlüssig.“ Sie sagt auch: „Man muss sich das leisten können.“

Für den Verein ist Zimmermann-Schwier eine Idealbesetzung, wie Vorsitzender Coellen sagt. Er betont die Mischung aus sozialen Hintergrund und kaufmännischen Kenntnissen, die die neue Geschäftsführerin mitbringt.

Fischen, Stammtisch, Reisen, Opa sein

Für Thomas Kitzeder endet mit der Übergabe an Petra Zimmermann-Schwier seine Arbeit als Geschäftsführer des Anna Hopizvereins. Der 64-Jährige hatte sie 2020 als Nachfolger von Josef Hell übernommen. In seine Amtszeit fällt der Umzug nach Annabrunn, wo der Verein die ehemalige Suchtklinik nutzt. Die Entstehung einer Hospiz-Akademie konnte Kitzeder nur auf den Weg bringen, Corona verhinderte die Arbeitsaufnahme. Im Ruhestand will Kitzeder seien Hobbys nachgehen, Fischen, mit Stammtischspezln zusammen sein. reise – und Opapflichten erfüllen.

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