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Angeklagte (52) muss in Haft

  • VonMonika Kretzmer-Diepold
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Traunstein/Mühldorf. – Ein sechs Monate altes Frühchen und ein dementer Heimbewohner (83) wurden zu Opfern einer 52-jährigen Altenpflegerin aus Mühldorf.

Die Sechste Strafkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzender Richterin Jacqueline Aßbichler verurteilte die Angeklagte gestern zu vier Jahren und acht Monaten Haft sowie einem fünfjährigen Berufsverbot – wegen fahrlässiger Körperverletzung und versuchten Totschlags durch Unterlassen an dem Kind sowie wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen und gefährlicher Körperverletzung an dem 83-Jährigen.

Die 52-Jährige hatte am 12. Januar 2018 die Trachealkanüle zum Absaugen von Flüssigkeit zu tief in die Lunge des Babys geschoben und das Kind dabei verletzt. Satt dem Säugling zu helfen, zog die Angeklagte alle Stecker und Schläuche und schaltete die Beatmungsmaschine ab. Die herbeigeeilte Mutter beatmete das Kind mechanisch und rettete ihm somit das Leben. Das Kind überlebte das Geschehen und trug keine weiteren Schäden davon.

83-Jähriger stirbtim Krankenhaus

Der zweite angeklagte Fall ereignete sich am 10. Dezember 2018 in einem Seniorenheim. Gegen 23 Uhr soll die 52-Jährige in das Zimmer eines bettlägerigen 83-jährigen Bewohners gegangen sein und ihn mit einer Rollstuhlstütze mindestens zehnmal auf den Kopf geschlagen haben. Der Mann trug 22 blutende Verletzungen davon und starb zwölf Tage später im Klinikum Mühldorf.

Staatsanwalt Thomas Langwieder plädierte auf eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren und ein lebenslanges Berufsverbot. Eine von der 52-Jährigen behauptete „Überforderung“ im Fall des Babys habe kein Zeuge bestätigt.

Vier Pflichtverletzungen seien der Pflegerin bei der „fahrlässigen Körperverletzung“ vorzuwerfen. Ein Vorsatz für eine Verletzung oder eine Tötung könne nicht nachgewiesen werden. Die laut psychiatrischem Sachverständigen möglicherweise nicht voll schuldfähige Frau habe in „einem psychischen Schock überreagiert“.

Bezüglich des 83-Jährigen komme keine andere Person für die Täterschaft in Betracht. Das bestätige das Gutachten des Biomechanikers Dr. Jiri Adamec. Die 52-Jährige habe den Senior „grob misshandelt“. Das Berufsverbot begründete der Staatsanwalt mit der Gefahr, „dass die Angeklagte bei Ausübung ihres Berufs weitere rechtswidrige Taten begehen könnte“.

Verteidigerin Veronika Schönsteiner aus Waldkraiburg argumentierte, bei dem Säugling habe ihre Mandantin „ihre Fähigkeiten überschätzt“, das Kind keinesfalls schädigen wollen.

Die 52-Jährige habe die Tätigkeit gerade erst angetreten gehabt, die damalige Arbeitgeberin trage eine Mitschuld. Wie der Staatsanwalt kam die Anwältin bezüglich des Babys zu „fahrlässiger Körperverletzung“.

Verteidigerin sieht„keinen Tatnachweis“

In dem Fall mit dem Senior sah die Verteidigerin „keinen Tatnachweis“. Die Angeklagte habe kein Motiv gehabt, ihn zu verletzen. Vorwerfen lassen müsse sie sich aber „unterlassene Hilfeleistung“. Eine Strafe von unter zwei Jahren mit Bewährung sei ausreichend, kein Berufsverbot zu verhängen. Im „letzten Wort“ wiederholte die 52-Jährige, bei dem Kind sei sie „überfordert“ gewesen. Und weiter: „Das mit dem Bewohner – das war ich nicht.“

„Die Einlassungen der Angeklagten waren widersprüchlich, teils unsinnig“, betonte Richterin Aßbichler im Urteil. Die 52-Jährige sei eine examinierte Kranken- und Altenpflegerin mit vielen Jahren Berufserfahrung. Da die Frau erst 90 Sekunden gar nicht gehandelt und dann alle Stecker des Beatmungsgeräts des Säuglings entfernt habe, gehe das Gericht von einem „bedingten Tötungsvorsatz“ aus.

Richterin Aßbichler fragte weiter: „Kann man ihr glauben, dass sie den alten Herrn versorgt hat? Wir sagen: Nein.“ Das Gericht habe „absolut keinen Zweifel“ an der Täterschaft der 52-Jährigen. Der kausale Zusammenhang mit dem Tod des 83-Jährigen sei nicht herzustellen, deshalb ein Tötungsvorsatz zu verneinen.

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