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Dreistes Lügengebilde

Waldkraiburger scheitert mit gelogener Aussage vor Mühldorfer Amtsgericht

Wenig Wahrheit: Erst die Fragen des Richters brachten die Tatsachen vor dem Amtsgericht ans Licht.
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Wenig Wahrheit: Erst die Fragen des Richters brachten die Tatsachen vor dem Amtsgericht ans Licht.

Erst landete er sturzbetrunken im Straßengraben, dann zog er ebenso keck wie kühn vor Gericht – und am Ende schaute er so bedröppelt drein wie ein Pannenfahrer mit vier geplatzten Reifen.

von Rudolf Neumaier

Mühldorf - Ein 55 Jahre alter Waldkraiburger und seine Lebensgefährtin sind mit ihrem Versuch gescheitert, das Mühldorfer Amtsgericht hinters Licht zu führen.

An einem frühen Freitagmorgen im vergangenen November setzte der Angeklagte das Auto seiner Freundin bei Weidenbach in die Wiese. Doch erst als er im Januar den Strafbefehl über 120 Tagessätze à 50 Euro erhielt, fiel ihm ein, dass er nicht gefahren war. Diese Geschichte ließ er zum Prozessauftakt von seinem Verteidiger vortragen. Auch seine Freundin sagte aus, sie sei gefahren und im Nebel gegen 4.45 Uhr früh bei Weidenbach von der Straße abgekommen.

Für den zweiten Prozesstermin kündigte der Anwalt einen Zeugen an, der sich in den fraglichen Morgenstunden als Chauffeur dienstbar gemacht und den 55-Jährigen nach einem Hilferuf seiner Partnerin zum Unfallort gebracht habe. Einen Kumpel des mehrfach vorbestraften Waldkraiburgers. Fantasie paarte sich mit der Dreistigkeit, dem Richter Dr. Christoph Warga ein Märchen weiszumachen.

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Doch zur Aussage des Kumpels kam es nicht. Denn Dr. Warga lud nicht nur ihn, sondern weitere Zeugen. Sie fuhren in der fraglichen Zeit zur Arbeit, bemerkten das havarierte Auto des 55-Jährigen und boten ihm ihre Hilfe an. Einer der beiden bemerkte eine Alkoholfahne beim Unfallfahrer und verständigte die Polizei. Dem anderen stellte sich der seinerzeit sternhagelvolle Angeklagte ohne Umschweife als Urheber des Unfalls vor. Ein Blutalkoholtest ergab dann 1,74 Promille.

Bei ihrem Streben nach Gerechtigkeit geben Richter Angeklagten bis zuletzt eine Chance, Fehler einzuräumen. Auch Amtsrichter Dr. Warga baute dem Angeklagten eine Brücke. Ob er an seinem Einspruch gegen den Strafbefehl wirklich festhalten wolle? Er wies den Waldkraiburger darauf hin, dass die Staatsanwaltschaft wohl schon gegen eine Zeugin Ermittlungen wegen uneidlicher Falschaussage anstrengen dürfte. Damit meinte der Richter die gutmütige Lebensgefährtin und fragte, ob er nun auch noch ein weiteres Falschaussage-Verfahren anzetteln wolle – wenn er seinen Spezl aufbietet.

Richter glaubte auch Freundin des Angeklagten nicht

Bei Verteidiger Stefan Neudecker und seinem Mandanten waren lange Gesichter zu sehen, ehe sie sich für fast eine halbe Stunde zur Beratung zurückzogen. Als sie zurückkamen, blieben sie beim Einspruch gegen den Strafbefehl vom Januar. Somit wollten sie weiterkämpfen gegen den darin enthaltenen Schuldspruch wegen der Trunkenheitsfahrt. Doch ihr Ansinnen, dass der Kumpel des Angeklagten aussage, wollten sie zurückziehen.

Allein der Richter spielte nicht mit. Der Zeuge sei geladen, also höre er ihn auch an. „Ich habe ja eine Ermittlungspflicht!“, sagte Dr. Warga. Damit brachte er den Angeklagten zum Einlenken. Seinem Kumpel wollte er nun nicht auch noch Schwulitäten bescheren. Weil er beschäftigungslos ist, muss der Waldkraiburger nun als Strafe 120 Tagessätze à 15 Euro bezahlen. Und die Prozesskosten.

Für seine Freundin, die mit ihm vor Gericht Märchen erzählte, könnte es genauso teuer werden. Die Staatsanwaltschaft prüft.

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