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Ein JAHR CORONA IM LANDKREIS MÜHLDORF

Am Sterbebett auf der Corona-Station spenden Pfarrer Franz Eisenmann und Martin Kuhn Trost

Pfarrer Franz Eisenmann
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Pfarrer Franz Eisenmann
  • Raphaela Lohmann
    vonRaphaela Lohmann
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Mütter, Väter und Partner sterben in Corona-Zeiten auf der Intensivstation, Besuche sind nur eingeschränkt möglich. Von seinen Liebsten nicht Abschied nehmen zu können, schmerzt. Doch keiner muss seinen letzten Weg allein gehen.

Neumarkt-St. Veit/Mühldorf – Den Kittel vor dem Bauch zusammenbinden, Schutzmaske aufsetzen, dazu noch Handschuhe und Plastikvisier: Mit kompletter Schutzkleidung geht es für Pfarrer Franz Eisenmann auf die Corona-Station des Mühldorfer Krankenhauses. Dort begleitet er die Sterbenden auf ihrem letzten Weg.

Zu Beginn der ersten Corona-Welle hat das Erzbistum München-Freising die „Einsatzgruppe Seelsorge für Menschen mit Covid-19“ auf den Weg gebracht. Keiner soll einsam im Krankenhaus sterben, weshalb Seelsorger in allen Dekanaten hinsichtlich Schutzmaßnahmen geschult wurden. Seit Oktober gehört der Pfarrer aus Neumarkt-St. Veit der Gruppe an.

Pastoralreferent Martin Kuhn

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Nassgeschwitzt nach dem ersten Einsatz

Franz Eisenmann ist da für die Menschen, wenn sonst keiner zu ihnen kann. Er betet und ist einfach nur für sie da „Das, was möglich ist, mache ich.“ Er hat Kranke besucht und Sterbende auf ihrem letzten Weg begleitet. Manche von ihnen kannte er persönlich. Vielen Sterbenden sei es wichtig, dass jemand von der Kirche komme und ihnen die Krankensalbung gebe.

Seit 27 Jahren ist Franz Eisenmann Pfarrer und kennt die Arbeit in der Seelsorge. Dennoch sind seine jüngsten Besuche im Krankenhaus „eine besondere Herausforderung“. Nach seinem ersten Einsatz war er „nassgeschwitzt“, nicht nur wegen der Schutzkleidung. „Ich war so aufgeregt, aber das wurde mir erst später bewusst.“ Denn bei jedem Besuch auf der Corona-Station setzt er sich selbst dem Risiko aus, sich trotz aller Schutzmaßnahmen anzustecken. Dennoch fährt er jedes Mal mit einem guten Gefühl ins Krankenhaus.

Er spürt die Dankbarkeit der Patienten, dass jemand für sie da ist, der nicht zum Krankenhauspersonal gehört. Seine Arbeit im Krankenhaus hat ihn verändert. „Das ist kein normales Sterben, wenn die Leute einsam sind und total abgeschirmt. Das ist eine bizarre Situation.“

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Jeden Tag dem Risiko ausgesetzt

Um so mehr schätzen es die Angehörigen, wenn sie einen Seelsorger bei ihrem Vater oder ihrer Mutter wissen. Aber auch viel Hilflosigkeit und Betroffenheit hat Eisenmann in den vergangenen Monaten erlebt. Doch es gab auch andere Momente: Personal, das am Limit arbeitet und dennoch von Angehörigen beschimpft wird. Das geht ihm nahe. Pflegpersonal und Mediziner würden sich jeden Tag dem Risiko einer Ansteckung aussetzen und müssten sich dann noch beschimpfen lassen. „Das braucht viel Durchhaltevermögen und Kraft.“

Pfarrer Franz Eisenmann ist nicht jeden Tag in der Klinik. Er bekommt einen Anruf, wenn er gebraucht wird. „Das ist jederzeit möglich.“ Er ist eine von fünf Personen, die die Ausbildung gemacht haben und Teil der Covid-19-Einsatzgruppe der Erzdiözese sind. Jederzeit kann bei ihm das Telefon klingeln, wenn jemand auf der Corona-Station noch eine Krankensalbung wünscht. Einer, der jeden Tag in der Klinik tröstet und Kraft gibt, ist Pastoralreferent Martin Kuhn.

Geprägt von einem unsicheren Gefühl

Seit 15 Jahren arbeitet er in Mühldorf, aber erst seit Beginn der Corona-Pandemie trägt er weiße Kleidung. „Als Schutz für meine Familie“, sagt er. Seinen täglichen Rundgang durch das Haus plant er seit Monaten genau durch, die Corona-Station kommt immer zuletzt. „Anschließend wechsle ich meine komplette Kleidung“, sagt Martin Kuhn.

Der Umgang mit ansteckenden Patienten ist für ihn nicht neu, dennoch hat Corona eine ganz andere Dimension mit sich gebracht. „Man kannte anfangs nur die Horrorbilder aus Italien und man wusste nicht, was auf einen zukommt.“ Gerade die Anfangszeit sei von einem ängstlichen Gefühl geprägt gewesen. Die Unsicherheit war sogar so groß, dass er zunächst nicht auf die Intensivstation durfte.

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Klinikseelsorger als Brückenbauer

Dass anfangs keine Krankenbesuche möglich gewesen seien, brachte eine „besondere Härte“ mit sich. Als Brückenbauer führt Kuhn viele Gespräche vor der Klinik mit den Angehörigen, zeigt Patienten Bilder von ihren Verwandten und ist nach einem Todesfall für diese da, „damit sie nicht in der Erstarrung bleiben“.

Auch Ärzten und dem Pflegepersonal gehe es nahe, wenn Angehörige nicht ins Krankenhaus kommen dürfen. „Die Ohnmacht ist eine Spur stärker, wenn jemand gestorben ist. Es trifft einen.“

Kuhn ist auch Ansprechpartner für das Personal, das im vergangenen Jahr großen Herausforderungen gegenüber gestanden ist. „Die Mitarbeiter haben Schuldgefühle, wenn sie das Virus mit nach Hause genommen haben. Das ist belastend.“ Es war viel Fürsorge nötig – für Patienten, Angehörige und Klinikpersonal.

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