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Kein Christkindmarkt in Mühldorf

Einigen geht‘s nun an die Existenz: Absage wegen Corona trifft Mühldorfer Standbetreiber hart

Ohne Mühldorfer Christkindlmarkt bricht Standbetreibern wie Heidi Kamhuber mit ihren Seifen und Cremes ein Teil ihrer Einnahmen weg. Für einige ist das nur schwer zu verkraften.
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Ohne Mühldorfer Christkindlmarkt bricht Standbetreibern wie Heidi Kamhuber mit ihren Seifen und Cremes ein Teil ihrer Einnahmen weg. Für einige ist das nur schwer zu verkraften.

Kein Christkindlmarkt heißt kein Verdienst oder andere Wege gehen. Für Schausteller geht‘s langsam an die Existenz.

Mühldorf  Am Donnerstag (2. Dezember) wäre es so weit gewesen, doch schon zum zweiten Mal ist der Mühldorfer Christkindlmarkt der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen. Vor allem die Standler hat die zweite Absage getroffen.

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Die Spannbreite der Absagefolgen geht von einem Totalverlust der Einnahmen bei hundertprozentigen Schaustellerbetrieben, über jetzt das zweite Jahr lagernde Handwerkerware bis zu Standbetreibern, die sich sehr kurzfristig auf solche Märkte vorbereiten können oder solche, deren Stammkundschaft sich die Ware direkt beim Erzeuger abholt.

Totalverlust für Schaustellerbetrieb

Peter Mayer, der mit seinem Früchteparadies die Christkindlmarktbesucher mit gebrannten Nüssen, Lebkuchenherzen und Magenbrot versorgt, ist – kurz gesagt: „Fertig“. Er bleibt auf seiner Ware sitzen. „Es ist der Wahnsinn“, sagt er hörbar angeschlagen am Telefon. „Alle Christkindlmärkte, auf die wir uns seit August vorbereitet haben, sind uns weggebrochen.“

Der Stand des Isner Krippenbauers Peter Eckl auf dem Mühldorfer Christkindmarkt im Jahr 2018.

Aber nicht nur das. Das ganze Jahr über seien Märkte und Volksfeste ausgefallen. Das bedeute keine Einnahmen wie schon 2020. Ein harter Schlag für den Schaustellerbetrieb in sechster Generation. Mayers Ausblick ins nächste Jahr ist tiefschwarz: „Die Frühjahrsmärkte 2022 werden wir uns auch abschminken können.“

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Etwas leichter tut sich Andreas Gruber mit seiner Grill- und Event Service KG: „Die Märkte und Zeltveranstaltungen sind für uns nicht der Haupterwerb.“ Er bedauert den Ausfall des Christkindlmarktes sehr, hat aber zum Glück nur eine sehr kurze Vorlaufzeit für seine Produkte. Keine Vorräte, die jetzt in großer Menge verderben würden. „Wir haben noch nichts eingekauft“, stellt er fest. „Mit Bäcker und Metzger sind wir innerhalb von drei Tagen für den Markt vorbereitet.“

„Wir produzieren zwar eine gewisse Menge extra für den Markt, aber das geht dann auch übers Jahr verteilt schön langsam weiter“, Silvia Strohmeier aus Buchbach macht sich mit ihrem Sortiment aus Likören und hochprozentigen Spirituosen ebenfalls keine Sorgen, auch wenn die Laufkundschaft am Marktstand fehlt. Ein Likör hält gut zwölf Monate und ein klarer Schnaps noch viel länger. Außerdem sei die Brennerei am Bauernhof nur ein Nebenzweig. Sie findet: „Es war sicher gescheiter den Markt abzusagen.“

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Was vielen Besuchern fehlen wird, die kein Händchen oder keine Lust zum Backen haben, sind Helga Memels selbst gebackene Plätzchen. Auch ohne Markt wird ihr Guatlvorrat bis auf den letzten Krümel ausverkauft sein. „Ich habe wieder jede Menge Vorbestellungen, die direkt bei mir abgeholt werden“, erzählt sie. Von Allerheiligen bis zum Nikolaustag steht sie in ihrer Backstube und bereitet 14 Sorten Plätzchen vor.

Verständnis für die Absage des Christkindlmarktes hat sie überhaupt nicht: „Nach all den Impfungen müsste doch schon mehr möglich sein.“ Sie hofft auf das nächste Jahr, wenn sie ihre Backwerke wieder am Stand aufbauen kann. Plätzchen backen ist ihre Leidenschaft, verdient sei daran bei all der Arbeit so gut wie nichts: „Wenn einer meine Platzerl lobt, ist das Balsam für meine Seele.“

Isner Krippenbauer Peter Eckl.

„Christkindlmarkt für dahoam“ als Flyer

„Seit 2020 sitze ich mit einem vollen Lager im Warenwert von 30.000 Euro da“, stellt Peter Eckl aus Isen im Landkreis Erding fest und lacht dabei – weil weinen würde es auch nicht ändern. Er ist auf dem Mühldorfer Christkindlmarkt regelmäßig mit Weihnachtskrippen und Zubehör, Räucherbedarf und anderen weihnachtlichen Kleinigkeiten vertreten. „Der Krippenbau ist zum Glück nur ein Nebenerwerb für mich. Ansonsten hätte ich mir jetzt die sprichwörtliche Kugel geben können.“

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Mit einem kleinen blauen Auge kommt auch die Mühldorferin Heidi Kamhuber mit ihrer „Soafaseidn“ davon: „Mit der Absage habe ich kein Problem, sie war ja abzusehen.“ Der Verkauf laufe auch übers Internet gut.

„Soafnsiadarin“ Heidi Kamhuber.

„Aber natürlich ist es für die Kunden schöner, die handgemachten Seifen und Cremes am geschmückten Stand am Christkindlmarkt zu kaufen.“ Der Stand auf dem stimmungsvollen Markt sorge immer für guten Absatz und sei eine schöne Werbung fürs Geschäft.

Als kleines Trostpflaster will die Stadt Mühldorf wieder ein Verzeichnis der Standbetreiber unter dem Motto „Christkindlmarkt dahoam“ herausgeben. „Wir haben bereits alle Standbetreiber angeschrieben“, sagt Sandra Zellhuber vom Kulturbüro der Kreisstadt. „Zu denjenigen, die mitmachen, können die Kunden dann direkt Kontakt aufnehmen, um auf diesem Weg zu ihren weihnachtlichen Waren zu kommen.“

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