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Ausbau des Innkanals

Ab 2022 liefern die Inn-Kraftwerke im Landkreis Mühldorf Strom für 200.000 Häuser

Das Luftbild zeigt die Ausmaße des neuen Kraftwerks in Töging. Es soll ab dem nächsten Jahr die gesamte Stromerzeugung vom alten Wasserschloss übernehmen. Das wird dann stillgelegt. Verbund
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Das Luftbild zeigt die Ausmaße des neuen Kraftwerks in Töging. Es soll ab dem nächsten Jahr die gesamte Stromerzeugung vom alten Wasserschloss übernehmen. Das wird dann stillgelegt. Verbund
  • VonPeter Becker
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Der Jahrhundert-Bau ist weit fortgeschritten: Inn-Kanal, Stauwerk in Jettenbach und Großkraftwerk in Töging liegen gut in der Zeit. Der Verbund will seine Stromproduktioin durch die Erweiterung um 30 Prozent steigern.

Mühldorf/Töging – Nach einem spektakulären Schwertransport wurde jetzt der erste von drei Generatorgehäusen für das neue Kanalkraftwerk in Töging geliefert und eingebaut. Mit dem Einbau des rund 100 Tonnen schweren Bauteils ist ein wichtiger Meilenstein des Ausbaus von Kraftwerk und Innkanal geschafft. „Das ist der feststehende Teil des Generators, der jetzt mit Beton eingegossen wurde“, sagt Bernhard Gerauer, „da geht es um Zehntelmillimeter, damit die Welle später effizient läuft“, sagt der Verbund-Projektleiter.

Investition von 250 Millionen Euro

Mit über 100 Mitarbeitern, allein auf der Baustelle am Kraftwerk Töging könnten Zeitplan und Ausbau-Kosten von rund 250 Millionen Euro zwischen Jettenbach und Töging nach derzeitigem Stand eingehalten werden.

Wegen der Corona-Grenzsperrung zwischen Deutschland und Österreich hatte der Verbund Zeit eingebüßt, sagt Gerauer.

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Schließlich ist der Bauherr eine österreichische Firma, genau wie die federführende Baufirma Porr: Bauteile oder Maschinen konnten nicht fristgerecht geliefert werden und auch für das Baupersonal galten bei der Einreise besondere Auflagen. Die verlorene Zeit habe man gutmachen können, weshalb sowohl das Stauwehr in Jettenbach, als auch das Kraftwerk in Töging, wie geplant 2022 fertig würden werden sollen.

Arbeiten entlang des Kanals abgeschlossen

Nach Angaben von Sprecher Wolfgang Syrowatka sind die Arbeiten am Innkanal selbst so gut wie abgeschlossen. Die Betonverschalung wurde auf den Innenseiten der beiden Dämme um bis zu zwei Meter erhöht und die Fahrwege auf beiden Seiten auf jeweils 3,5 Meter verbreitert.

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Ebenso wurden die Sicherheitszäune bereits fast überall errichtet.

Nun steht die Hebung verschiedener Brücken über den Kanal an, wie die Höchfeldener Brücke in Töging: „Da wird es im August losgehen“, sagte Tögings Bürgermeister Tobias Windhorst kürzlich im Bauausschuss.

Bau am Jettenbacher Wehr geht voran

Die Brücke nach Klugham, direkt an der Stauanlage Jettenbach, ist schon seit Längerem gesperrt. Hier sollen die Bauarbeiten im Juli beginnen, werden aber ebenfalls im Frühjahr 2022 abgeschlossen.

Die beiden mittleren Schleusen des neuen Stauwehrs in Jettenbach könnten bereits wieder einem Innhochwasser standhalten. Die Wehrtore werden später eingesetzt.

Auf der Innseite des Stauwehrs laufen die Arbeiten an der Verschalung für die Betonierung des letzten Pfeilers, in den auch eine Abstiegsmöglichkeit für Fische integriert wird. „Zur Fischtreppe am Westufer, die Fischwanderungen flussaufwärts schon seit Jahren ermöglicht, kommt jetzt eine Einrichtung, damit die verschiedenen Fischarten auch bei Niedrigwasser innabwärts können“, erklärt Projektleiter Gerauer. Installiert wird eine neuartige „Schnecke“, die erst vor wenigen Jahren an der Uni Wien erfunden wurde.

33 Prozent mehr Energie als derzeit

Wenn alle Bauarbeiten abgeschlossen sind, soll das neue Kraftwerk in Töging mit drei Generatoren bis zu 33 Prozent mehr Strom erzeugen, als die 14 derzeitigen Generatoren aus dem Jahr 1923, die im Wasserschloss installiert sind.

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Das sind statt 85 Megawatt rund 118 an Stromerzeugung möglich. Damit könnten nach Angaben des Verbunds 200 000 Haushalte mit Strom versorgt werden. Durch die zusätzlichen 70 Kubikmeter Wasser, die der Innkanal pro Sekunde führen wird, soll die Jahresstromerzeugung von derzeit 560 auf 700 Gigawattstunden steigen.

Im Juli geht es unter die Erde

Im Juli soll die Baustelle in Töging unter einer Erdschicht verschwinden, denn das neue Kraftwerk ist unterirdisch. Lediglich die Rechenanlage für das Schwemmgut und ein Teil des Turbinenhauses werden dann noch zu sehen sein.

Ab September 2022 wird die Stromerzeugung im alten Kraftwerk eingestellt. „Wir müssen das Wasser im Kanal aufstauen, um die Verfüllungen zu machen“, erklärt Projektleiter Gerauer. Denn der Kanal muss in Zukunft vor dem Wasserschloss eine letzte Kurve machen, um den Weg durch die neue Rechenanlage und die drei riesigen Betonrohe zu den Rotoren zu finden. Bedauerlich findet der Projektleiter, dass wegen der Pandemie aktuell keine Führungen möglich sind.

Aussichtsplattform bleibt offen

Die Aussichtsplattform, die über das Wasserschloss erreichbar ist, ist weiterhin geöffnet, doch wird man von den neuen Kraftwerksgebäuden bald nur noch wenig sehen. Immerhin kann man sich auf der Brüstung des Wasserschlosses mit seinen 15 mächtigen Wasserrohren eine Vorstellung davon machen, welche Wassermenge künftig durch nur noch drei Betonkanäle fließen wird. Denn die Gebäude werden als Industriedenkmal erhalten.

Müllhalde Inn

Froh ist Verbund-Projektleiter Bernhard Gerauer darüber, dass die beiden mittleren Wehranlagen in Jettenbach bereits soweit fertig sind, dass dort bei Gefahr ein Innhochwasser durchgeleitet werden könnte. Zwar fehlen die Wehrtore noch, dafür sind die Fundamente schon gegen Schwemmgut gesichert´, das vor allem bei Hochwasser im Inn mittransportiert wird.

Diese Schwemmgut ist mehr geworden. „Insgesamt waren es, vor allem in der zweiten Jahreshälfte, 37 Prozentmehr Störkörper, als 2019“, sagt Verbund-Sprecher Wolfgang Syrowatka. Besorgniserregend sei der hohe Anteil an teils sperrigem Müll, wie Autoreifen. Mehr als 13 000 Tonnen Müll, darunter auch Gefahrstoffe wie Ölkanister, musste der Verbund 2020 an allen Innkraftwerken entsorgen.

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