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Seit 150 Jahren Hilfe für die Bevölkerung

Mühldorfer Feuerwehr feiert 150-jähriges Bestehen: Interview mit dem Feuerwehrvorsitzenden

Die Arbeit der Mühldorfer Feuerwehr ist mit Löscheinsätzen nicht getan. Technische Hilfeleistungen nehmen bei der Feuerwehren fast schon zwei Drittel der Einsätze in Anspruch.
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Die Arbeit der Mühldorfer Feuerwehr ist mit Löscheinsätzen nicht getan. Technische Hilfeleistungen nehmen bei der Feuerwehren fast schon zwei Drittel der Einsätze in Anspruch.
  • Josef Bauer
    VonJosef Bauer
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Im Interview spricht Mühldorfs Feuerwehrvorstand Dr. Gerhard Deißenböck Klartext. Die Grundaufgaben der Feuerwehr „Retten, Löschen, Bergen, Schützen“ haben sich natürlich auch in den letzten 150 Jahren nicht verändert. „Ich gehe auch davon aus, dass sie auch zukünftig die zentralen Herausforderungen für uns sein werden!“

Mühldorf – Die Freiwillige Feuerwehr Mühldorf besteht seit genau 150 Jahren. Der Feuerwehrdienst war in dieser Zeit immer geprägt von großer Kameradschaft, Ehrenamtlichkeit und Einsatz für den Nächsten. Die Feuerwehr hat in diesem 150 Jahren einen großen Wandel bewältigt. Wir sprachen mit Mühldorfs Feuerwehrvorstand Dr. Gerhard Deißenböck über die Arbeit der Feuerwehr im Wandel der Zeit.

Das ist eine gute Frage, über die es sich sicherlich lohnt nachzudenken. 150 Jahre sind eine lange Zeit mit Höhen, aber auch Tiefen. So herausfordernd unsere Historie gewesen ist, so ist es auch die Gegenwart und wird es gewiss auch die Zukunft sein. Ich denke, ich spreche unseren Kameradinnen und Kameraden aus dem Herzen, wenn ich sage, dass die Mühldorfer Wehr sich nach 150 Jahren stolz, aber auch dankbar fühlt.

Mühldorfs Feuerwehrvorstand Dr. Gerhard Deißenböck.

Wir haben viel zusammen geschaffen und gemeinsam erlebt. Eine der größten Herausforderungen war sicherlich das letzte Jahr. Es wurde uns durch die Pandemie viel abverlangt, wie auch allen Bürgerinnen und Bürgern in unserem Land. Das wieder erlebbare Miteinander, das schön langsam wieder möglich ist, lässt mich aber auch demütig werden. Letzte Woche konnten sich beispielsweise unsere Ehrenmitglieder erstmalig nach langer Zeit wieder im Gerätehaus treffen. Diese Kameradschaft über Generationen hinweg ist es, die neben vielen anderen Dingen zeigt, wie wertvoll unser Dienst ist.

Wie wird dieser runde Geburtstag gefeiert?

Deißenböck: Sagen wir einfach, anders. Wir wollten ein kleines Fest mit Freunden und Ehrengästen feiern – mit Weißwurstfrühstück, einem offiziellen Teil im Rathaus, Gottesdienst in der Stadtpfarrkirche St. Nikolaus und anschließendem gemütlichen Beisammensein im Innenhof des Haberkastens bei gutem Essen und Musik.

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Die Pandemie hat jedoch diese Pläne komplett zunichte gemacht und wir mussten Anfang des Jahres die Entscheidung treffen, das Ganze für dieses Jahr abzusagen bzw. auf das nächste Jahr 2022 oder auf noch später zu verschieben. Still und heimlich wollten wir aber dieses Jahr nicht abhaken. Viel Spielraum blieb nicht, einzig und allein ein Gottesdienst konnte mit den notwendigen Infektionsschutzmaßnahmen sinnvoll geplant werden und so feiern wir nun am ursprünglichen Termin kommenden Samstag mit Weihbischof Wolfgang Bischof abends einen Gottesdienst in St. Nikolaus. Es gab und gibt derzeit einfach keine Planungssicherheit für andere Dinge. Als Feuerwehr sind wir Teil der kritischen Infrastruktur, diese Tatsache schwingt immer mit und die Einsatzbereitschaft steht im Vordergrund jeglicher Überlegung.

Wie würden Sie die Aufgaben der Feuerwehr im Wandel der Zeit beschreiben?

Deißenböck : Die Grundaufgaben der Feuerwehr „Retten, Löschen, Bergen, Schützen“ haben sich natürlich auch in den letzten 150 Jahren nicht verändern und ich gehe auch davon aus, dass sie auch zukünftig die zentralen Herausforderungen für uns sein werden. In den letzten Jahrzehnten hat sich jedoch der Schwerpunkt von einer Einrichtung zum Brandschutz hin zu einem Allrounder mit Fokus auf die „Technischen Hilfeleistung“ verlagert. Wenn wir unsere Einsatzzahlen der letzten Jahre betrachten, sind davon ein Drittel Brandeinsätze und zwei Drittel Einsätze im Bereich der Technischen Hilfeleistung, sprich Verkehrs- und Gefahrgutunfälle, Wohnungsöffnungen oder Rettungsmaßnahmen mit der Drehleiter zusammen mit dem Rettungsdienst, Unwettereinsätze nehmen zu werden intensiver. Unsere Aufgaben sind mit der Gesellschaft gewachsen und haben sich mit ihr verändert – vom Löscheimer hin zum Hightech-Hohlstrahlrohr.

Wie optimistisch sehen Sie in die Zukunft der Mühldorfer Wehr?

Da ich ein grundsätzlich optimistischer Mensch bin, sehe ich auch die Zukunft unserer Wehr sehr positiv. Es wird ein hartes Stück Arbeit und wir werden an machen Stellen umdenken müssen, alte und eingefahrene Wege verlassen und uns auf Neues einlassen müssen. Wir als Mitglieder, von der Führung bis zum Jugendfeuerwehrler, sind gefordert diesen Weg mitzugestalten. Es geht nur zusammen. Wir werden unseren großen Benefit Kameradschaft hegen und pflegen, denn sie ist unser Trumpf auch für die Zukunft.

Welche Herausforderungen müssen bewältigt werden?

Deißenböck: Auch wir müssen uns den großen Themen unserer Gesellschaft stellen. Die Verkehrs- und Wohnungssituation macht uns genauso Probleme, wie der demografische Wandel oder die Freizügigkeit in Ausbildung, Studium und Beruf. Stadt ist nicht Land. Die Herausforderungen werden nicht weniger werden. Es gilt diese verschworene Gemeinschaft nach außen hin, als offen und transparent zu präsentieren, damit ihre Attraktivität für Jung und Alt auch zukünftig bestehen bleibt.

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Darüber hinaus entwickelt sich zwischen den drei Stadtfeuerwehren, zu meiner persönlichen Freude, zur Zeit eine tolle Zusammenarbeit, denn wir sitzen alle im selben Boot. Wir werden auch hier nur gemeinsam den Zeichen der Zeit begegnen können.

Ich glaube, man muss es einfach erleben, was es heißt zusammen mit Menschen, auf die ich mich verlasse und denen ich auch mein Leben anvertraue, wiederum anderen Menschen in Notlagen zu helfen. Es sind sicherlich oftmals keine schönen Situationen, die wir erleben müssen, das darf man nicht verschweigen. Man ist aber zu keiner Zeit allein, es ist unter anderem die Kameradschaft, die uns durchträgt. Wir haben bei aller Ehrenamtlichkeit, aber auch sehr professionelle Strukturen, um solche Dinge aufzuarbeiten.

Wie sehen Sie das Ehrenamt im Wandel der Zeit?

Deißenböck :Ehrenamt ist kein Selbstläufer mehr. Viele Organisationen und Vereine sind auf der Suche nach Mitgliedern. Ich bin da ganz nüchtern, wir haben uns vielleicht auch über Jahre auf unseren Mitgliederzahlen ausgeruht. Eine Feuerwehrbedarfsplanung, erstellt im letzten Jahr, hat uns schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Im Gegensatz zu anderen hat ein Feuerwehrverein einen gesetzlichen Auftrag. Wir stellen die aktiven Kräfte für die kommunale Einrichtung Feuerwehr. Der Kommandant meiner ehemaligen Heimatfeuerwehr sagte bei meinem Eintritt vor fast 30 Jahren zu mir: Ein- und Austritt ist freiwillig, zwischendrin ist jedoch Pflicht.

Wie sehen Sie die zukünftigen Aufgaben?

Deißenböck: Wir müssen versuchen den Spagat zwischen Tradition und Zukunftsfähigkeit oder zwischen Feste feiern und Pflichterfüllung zu schaffen. Jung muss auf Alt zugehen und umgekehrt. Wir wollen natürlich auch unsere Feste, die ja auch fester Bestandteil im kulturellen Leben unserer Stadt sind, feiern. Als Feuerwehrverein ist da eben noch mehr. Dieses Mehr wird immer fordernder und intensiver. Darauf müssen wir mit Nachhaltigkeit reagieren. Wir müssen dabei nicht das Rad neu erfinden, jedoch bereit sein Neues zu wagen.

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