Aus dem Amtsgericht

Würgemale sollen beim Sex entstanden sein: 28-jähriger Mühldorfer zu Geldstrafe verurteilt

Die Würgemale tat der Angeklagte als die Folge sexueller Handlungen ab, die freiwillig und einvernehmlich erfolgt seien. Die Staatsanwaltschaft und den Nebenkläger überzeugte diese Aussage nicht.
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Die Würgemale tat der Angeklagte als die Folge sexueller Handlungen ab, die freiwillig und einvernehmlich erfolgt seien. Die Staatsanwaltschaft und den Nebenkläger überzeugte diese Aussage nicht.
  • Hans Rath
    vonHans Rath
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Vor dem Amtsgericht Mühldorf: 28-jähriger würgt seine Freundin, verpasst ihr ein blaues Auge und schlägt sie blutig. Bei der Gerichtsverhandlung demütigt der Angeklagte seine Ex mit einer unfassbaren Aussage.

Mühldorf – Im Sommer vergangenen Jahres kam es im Süden der Kreisstadt zu einer vorsätzlichen Körperverletzung, welche die Staatsanwaltschaft jetzt vor Amtsrichter Florian Greifenstein in Mühldorf zur Anklage brachte. Ein 28-jähriger Deutscher aus Mühldorf, Vater von zehnjährigen Zwillingen und zur Zeit auf Arbeitssuche, soll im Juni 2019, seine damalige Freundin gewürgt und mit dem Fuß gegen den Oberschenkel getreten haben.

Würgemal soll beim Sex entstanden sein

In einer ersten Einvernahme behauptete der Beschuldigte, er sei am betreffenden Abend bei einem Freund und gar nicht in Mühldorf gewesen. Das Würgemal am Hals seiner Ex-Freundin sei bei freiwilligen sexuellen Handlungen entstanden. Acht Tage später gab es erneut heftigen Streit, die junge Frau lief nachts aus ihrer Wohnung und alarmierte die Polizei. Die Ordnungshüter verwiesen den Angeklagten der Wohnung. Dieser hatte die junge Frau gepackt und ihr den Hals zugedrückt, dass sie keine Luft mehr bekam.

„Aus Verliebtheit und aus Blödheit bin ich nicht zur Polizei gegangen“

Die 21-jährige Servicekraft aus Mühldorf berichtete, dass ihr ehemaliger Partner – die Verbindung dauerte von Januar 2018 bis Mai 2019 – zwar „kein schlechter Mensch“ sei, es aber immer wieder zu körperlichen Übergriffen gekommen war. Eifersucht nannte sie als Motiv. Ein blaues Auge, eine blutende Nase, ein eingerissener Fingernagel: Streitereien seien an der Tagesordnung gewesen. Auf die Frage des Richters, warum sie die Beziehung denn nicht beendet und zur Anzeige gebracht habe, kam die Antwort: „Aus Verliebtheit und aus Blödheit bin ich nicht zur Polizei gegangen“.

Beim zweiten Mal hat es keine handgreiflichkeiten gegeben

Zum zweiten Vorfall, als die Geschädigte aus der Wohnung gelaufen war, sagte der 39-jährige Polizeibeamte aus Mühldorf aus, er sei kurz nach Mitternacht vor Ort gewesen. Es habe Streit gegeben, aber keine Handgreiflichkeiten.

Freund des Angeklagten nimmt diesen in Schutz

Danach trat der Freund des Angeklagten in den Zeugenstand. Der 34-jährige Angestellte, damals in Mühldorf, jetzt in München lebend, bestätigte dessen Angaben. Dieser sei am 25. Juni 2019 von 18 bis 21.30 Uhr bei ihm zu Hause gewesen. Damals habe er in Mühldorf am Stadtplatz gewohnt. Er erinnere sich an diese Tatsache so genau, weil er an diesem Abend einem Freund den ganzen Tag bei großer Hitze beim Pflastern geholfen habe.

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Zeuge war nicht glaubwürdig

In ihrem Plädoyer sah Staatsanwältin Renate Gaßner den Sachverhalt bestätigt. Sie hielt den Freund des Beschuldigten für einen unglaubwürdigen Zeugen, eine Erinnerung an einen so lange zurückliegenden Zeitpunkt zweifle sie an. Der vorbestrafte uneinsichtige junge Mann auf er Anklagebank habe unter einer offenen Bewährung gestanden. Ein Blick ins Bundeszentralregister erbrachte drei Vorstrafen, darunter zwei einschlägige wegen Körperverletzung. Die dritte Ahndung war wegen Geldfälschens erfolgt. Die Staatsanwältin forderte eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu 40 Euro.

Nebenkläger wirft dem Angeklagten vor, er habe Grenzen überschritten

Nebenkläger Jörg Zürner stellte die Frage, ob 90 Tagessätze überhaupt ausreichten. Den Freund des Angeklagten hielt er für unglaubwürdig, genauso wie den Angeklagten. Mit der Aussage, ihre Verletzungen seien bei freiwilligen sexuellen Handlungen entstanden, habe er sie gedemütigt. „Jeder darf sich verteidigen, wie er will, darf aber keine Grenzen überschreiten. Das ist hier aber geschehen“.

Verteidiger Merkl hält geschilderte sexuelle Praktiken für durchaus denkbar

Verteidiger Karl-Heinz Merkl forderte Freispruch. Sexuelle Praktiken, wie geschildert, hielt er bei jungen Leuten für denkbar, es gebe einschlägige Kinofilme. Die junge Frau habe sehr wohl ein Motiv für ihre Anzeige gehabt: Sie wollte, dass der Freund aus der Wohnung fliegt. Dessen Freund, der als Zeuge ausgesagt hatte, erschien Merkl glaubwürdig, die beiden seien Leidensgenossen, auch der Freund sei aus einer Wohnung rausgeworfen worden.

Tritt mit Fuß war demütigend

Richter Florian Greifenstein verhängte schließlich eine Geldbuße von 60 Tagessätzen zu 20 Euro. Es habe sich um eine „konfliktbeladene Beziehung“ gehandelt. Die Verletzungen seien nicht so gravierend gewesen, den Tritt mit dem Fuß bezeichnete er als durchaus demütigend. Die Vorstrafen des Angeklagten würden einen Hinweis auf den Charakter des Angeklagten geben.

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