Kultur im Corona-Sommer

Mühldorf will Kultur möglich machen - Bürgermeister Hetzl bietet Vereinen Zusammenarbeit an

So voll darf es heuer im Haberkasten-Innenhof nicht werden. Mit weniger Zuhörern und unter Corona-Bedingungen könnte es dort trotzdem Auftritte heimischer und auswärtiger Künstler geben.
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So voll darf es heuer im Haberkasten-Innenhof nicht werden. Mit weniger Zuhörern und unter Corona-Bedingungen könnte es dort trotzdem Auftritte heimischer und auswärtiger Künstler geben.
  • Markus Honervogt
    vonMarkus Honervogt
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Mit einem Brief an Vereine in Mühldorf hat die Stadt die Initiative ergriffen, um einen Kultursommer in Corona-Zeiten zu ermöglichen. Einige Frage bleiben trotzdem offen.

Mühldorf –  In den Corona- Kultursommer 2021 kommt Bewegung. In einem Brief an Vereine und Künstler bietet Bürgermeister Michael Hetzl (UM) jetzt eine Zusammenarbeit an, um im Sommer Auftrittsmöglichkeiten für heimische Künstler zu schaffen. „Uns ist bewusst, dass die heimischen Vereine und vor allem die Kulturbranche mit tiefen Einschnitten zu kämpfen haben“, betont Hetzl. „Wir wollen sie deswegen im Rahmen unserer Möglichkeiten unterstützen.“

Im Zentrum steht der Haberkasten

Im Zentrum könnte der überdachte Haberkasten-Innenhof stehen, „hier wollen wir eine Bühne geben“. Von Juni bis August darf es dort nach Angaben Hetzls an insgesamt 18 Tagen Veranstaltungen geben, der Innenhof darf von 11 bis 23 Uhr bespielt werden. Das besagt die Genehmigung des Landratsamts.

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Das Angebot gilt laut Hetzl nicht nur für Künstler. Ein nachgeholtes Starkbierfest des ESV oder ein Kindernachmittag des TSV Mühldorf seien ebenso denkbar. „Deshalb haben wir alle Vereine angeschrieben.“ Laut Hetzl stehen grundsätzlich auch alle anderen städtischen Veranstaltungsorte von der Eisbahn über die Rennbahn bis zum Stadtsaal zur Verfügung.

Finanzielle Unterstützung in Aussicht gestellt

Zur Zusammenarbeit gehört für Hetzl auch die Möglichkeit, Vereine finanziell zu unterstützen. „Wenn wir Veranstaltungen absagen müssen, werden mitunter Geldmittel frei“, betont Hetzl. „Wir würden diese gerne in Aktionen und Veranstaltungen unserer Vereine investieren“, spricht er von Zuschüssen, wie sie die Stadt auch in Nicht-Corona-Zeiten vergibt.

Volks- und Rockmusiker Rainer Amasreiter sprüht vor Ideen. Vom Tanzl-Musi-Sonntag bis zum Nachwuchskonzert oder einem Frühschoppen mit verschiedenen Musikensembles kann er sich Vieles im Haberkasten-Innenhof vorstellen. Er würde auch Gastterrassen am Stadtplatz oder die Nikolauskirche einbeziehen.

Kein großes Remmidemmi

Denn die Auftritte seiner Schüler im benachbarten Altenheim fielen seit März 2020 aus. „Das könnte man dann ganz bequem für die älteren Leute in der Kirche nachholen.“ Nur von einem hat er sich verabschiedet: einem Auftritt mit seiner Showband Starmix. „Was Großes mit Remmidemmi wird es wohl nicht geben.“

Vereinen fehlt die Probenzeit

Auch Vereine freuen sich über das Angebot. Sepp Bernhard von der Blaskapelle Altmühldorf sagt: „Natürlich wären wir dabei.“

Aber nicht nur er sorgt sich darum, ob solche Auftritte überhaupt durchführbar sind. Georg Waldinger, der den Edelweißtrachtlern vorsteht, bringt es auf den Punkt: „Ich würde mich derzeit nicht trauen, öffentlich zu platteln.“

Vereinen fehlen Übungsmöglichkeiten

Der Grund: Seit Monaten fehlen Übungsmöglichkeiten. Waldinger spricht von sechs Wochen Probenvorlauf, die sein Verein bräuchte. Wenn es die geben sollte, weil Beschränkungen aufgehoben würden, wären auch die Trachtler dabei.

Kulturreferentin: Stadt muss sich den Hut aufsetzen

Kulturreferentin Claudia Hungerhuber (SPD), die seit Monaten ein Angebot im Sommer fordert, sagt: „Es ist absolut positiv, dass Bewegung in die Sache kommt. Das ist ein sehr positives Signal.“ Sie sieht die Stadt auch darüber hinaus in der Verantwortung: „Die Stadt muss den Hut aufhaben.“ Sie müsse ein Konzept aufstellen, die Koordinierung übernehmen, Rahmenbedingungen schaffen und ein Budget stellen. Außerdem, sagt die Stadträtin, soll der Stadtrat einbezogen werden. „Ich hätte mir gewünscht, dass die Sitzung Ende März und die Aussagen des Stadtrats abgewartet werden.“

Großen Feste sind noch nicht abgesagt

Grundsätzlich hält die Stadt auch an ihren Planungen für den kommenden Sommer fest, die großen Feste seien noch nicht abgesagt. Hetzl weist aber darauf hin, dass es an anderen Orten schon jetzt Absagen von Großveranstaltungen gebe. Sollte das Sommerfestival wie geplant zustandekommen, wäre der Haberkasten an zehn von 18 Abenden dafür reserviert.

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