Mühldorf: „Natur im Monat“ stellt Bekassine vor

Die Bekassine benötigt Moore und feuchte Grasländer sowohl als Brutgebiete als auch als Rastflächen auf ihrem Frühjahrs- und Herbstzug.
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Die Bekassine benötigt Moore und feuchte Grasländer sowohl als Brutgebiete als auch als Rastflächen auf ihrem Frühjahrs- und Herbstzug.

Der Landschaftspflegeverband (LPV) Mühldorf stellt einmal im Monat mit der Aktion „Natur im Monat“ Tier- oder Pflanzenarten beziehungsweise Lebensräume vor, die er im Landkreis fördert. Das Thema im Oktober ist ein vom Aussterben bedrohter Schnepfenvogel, die Bekassine.

Mühldorf – Mit der Anlage von Wiesenseigen, Grabenaufweitungen und Pflegekonzepten für Feuchtwiesen versucht der Landschaftspflegeverband, geeignete Lebensräume zurückzugeben.

Im Herbst kann man mit etwas Glück in den Flussniederungen des Isentals und in anderen Feuchtgebieten im Landkreis Mühldorf einzelne oder kleine Trupps rastender Bekassinen beobachten. Feuchtes Grünland und Sümpfe sind beliebte Rastgebiete auf ihrem Herbstzug in die Überwinterungsgebiete in West- und Südeuropa, Afrika und Asien.

In den Schlammflächen und Verlandungsbereichen von Wiesenseigen und Gräben suchen die Schnepfenvögel mit dem auffälligen, überproportional langen Schnabel nach Nahrung und stärken sich für den weiteren Zug. Lange ist es her, dass die Bekassine in Mühldorf nicht nur ein Durchzugsgast war, sondern in den Feuchtgebieten brütete. Die letzten Brutnachweise aus dem Thalhamer Moos, dem Gaymoos oder von Streuwiesen bei Zangberg und Mößling stammen aus dem Jahr 1980. Seither konnten 2014 Bekassinen bei ihren Balzflügen beobachtet werden, was auf ein mögliches Brüten schließen lässt. Bestätigt wurde die Brut allerdings nicht.

Das Verschwinden der Bekassine als Brutvogel spiegelt dabei die deutschlandweite Entwicklung der Bekassinenbestände wider. In Bayern hat sich ihre Verbreitung mittlerweile derart ausgedünnt, dass sie heute auf der Roten Liste als „vom Aussterben bedroht“ eingestuft wird. Die Bekassine ist ein etwa drosselgroßer Schnepfenvogel mit gedrungenem Körper, kurzen Beinen und auffällig langem, geraden Schnabel.

Gemustertes Gefieder bietet gute Tarnung

Ihr braunes Gefieder mit den charakteristischen gelblich-beigen Streifen auf Kopf und Oberseite bietet ihr eine optimale Tarnung.

Als Wiesenbrüter legt sie ihr Nest auf den Boden von Mooren, feuchten Grasländern, Überschwemmungsflächen und Verlandungszonen von Seen an. Im feuchten Boden stochert sie mit ihrem Stecherschnabel nach Bodentieren. Dabei kann sie die Beute über Tastsinneszellen im Schnabel orten und mithilfe ihres beweglichen Oberschnabels pinzettenartig fassen und schlucken. Unverkennbar ist das „meckernde“ Geräusch, welches sie bei ihren Balzflügen mit den Federn erzeugt. Es entsteht durch die seitlich abgespreizten, äußeren Steuerfedern, welche beim Sturzflug durch die Luft in Vibration versetzt werden. Dies hat ihr auch den Namen „Himmelsziege“ beziehungsweise die regionale Bezeichnung als „Moosgoaß“ eingebracht.

Mit der Entwässerung und Trockenlegung von Mooren und Feuchtwiesen ging der Lebensraum der Bekassine zunehmend verloren. Auch Uferverbauungen und Gewässerregulierungen führten dazu, dass die nahrungsreichen Flachwasserzonen und Schlammbereiche seltener wurden. Durch die Entwicklung angepasster Pflegeregime für Feucht- und Nasswiesen sowie die Anlage von Wiesenseigen und Grabenaufweitungen versucht der LPV neue Lebensräume zu schaffen.

Früher war die Bekassine in den Feucht- und Nasswiesen des Isentals beheimatet. Mit der Anlage von Wiesenseigen im Bereich der ursprünglichen Brutgebiete, wie beispielsweise hier auf einer Ausgleichsfläche in den Moosmühlwiesen bei Zangberg, entsteht neuer Lebensraum für die seltenen Schnepfenvögel.

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