Auf Grundstück alter Villa

Nach Rodung an Töginger Straße in Mühldorf: Grüne fordern Baumschutzverordnung

Der Blick auf dem Landratsamt zeigt, wie weit die Arbeiten auf dem Grundstück an der Töginger Straße schon gediehen sind. Bis zu einem Neubau dürfte allerdings Zeit vergehen, denn der Bauausschuss hat die Pläne zunächst abgelehnt.
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Der Blick auf dem Landratsamt zeigt, wie weit die Arbeiten auf dem Grundstück an der Töginger Straße schon gediehen sind. Bis zu einem Neubau dürfte allerdings Zeit vergehen, denn der Bauausschuss hat die Pläne zunächst abgelehnt.
  • Markus Honervogt
    vonMarkus Honervogt
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Die Pläne eines Investors für das umstrittene Grundstück an der Töginger Straße gehen so nicht durch: Der Bauausschuss des Mühldorfer Stadtrats lehnt sie als zu massiv ab. Das letzte Wort ist aber noch nicht gesprochen.

Update 8. Februar

Grüne beantragen Baumschutzverordnung

Wie angekündigt haben die Grünen jetzt offiziell den Antrag gestellt, eine Baumschutzverordnung für Mühldorf zu erlassen. Das teilte Fraktionssprecher Dr. Mathias Kraft mit. Bis Juli soll die Stadt den Entwurf einer Baumschutzverordnung für Mühldorf zur Abstimmung vorzulegen und die Auswirkungen auf die Verwaltung abzuschätzen. Ob der Stadtrat dem Antrag folgt, ist allerdings noch offen.

Auslöser für den Antrag ist wie berichtet die Baumfällung auf einem Grundstück an der Töginger Straße. Die Grünen beklagen in ihrem Antrag, dass die Stadt „kein rechtliches Mittel gegen die Fällung von Bäumen auf Privatgrund zur Verfügung steht“. Eine Baumschutzverordnung könne einheitliche Regeln und Sanktionsmöglichkeiten für das gesamte Stadtgebiet festlegen. „Dabei geht es nicht darum, Verdichtung und Wohnbebauung in der Stadt per se zu stoppen. Es geht vielmehr um eine moderate Entwicklung und eine Balance von Umwelt und Bebauung.“

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Der Artikel vom 3. Februar

Mühldorf – Einstimmig hat der Bauausschuss des Mühldorfer Stadtrats eine Bauvoranfrage für ein Grundstück an der Töginger Straße abgelehnt. Das Gelände einer alten Villa war in den letzten Tagen Stadtgespräch, weil der Käufer das parkähnliche Grundstück nahezu komplett gerodet hat. Er will dort – je nach Erlaubnis – 32 oder 34 Wohnungen errichten. Die Meinung im Ausschuss war eindeutig: Viel zu viel, zu groß, zu massiv. Einige Redner machten auch ihrem Unmut über die nicht abgestimmte Baumfällung Luft.

Stadtbaumeisterin: „Sehr massive Bebauung“

Stadtbaumeisterin Birgit Weichselgartner sprach bei der Vorstellung der Pläne von einer „sehr massiven Bebauung“. Es würden Baulinien überschritten, es seien keine oberirdischen Stellplätze vorgesehen in einem Gebiet, in dem ohnehin Stellplatzmangel herrsche. Bei der Beurteilung des Bauvorhabens gehe es vor allem darum, ob sich die Gebäude in die Umgebung einfügen würden.

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Derzeit steht eine große, ältere Villa auf dem gut 2500 Quadratmeter großen Grundstück an der Töginger Straße in der Nähe des Landratsamts; der Rest war ein großer, gut eingewachsener Garten. Bürgermeister Michael Hetzl (UM) informierte die Ausschussmitglieder darüber, dass die Stadt den Bauherrn im Vorfeld der Ausschusssitzung darauf hingewiesen habe, dass seine Pläne sehr massiv seien.

Zu wenig Stellplätze belasten Umgebung

Die Ablehnung der Stadträte kam prompt. Ulrich Niederschweiberer (CSU) sagte: „Das kann nicht sein, dass man in diesem Gebiet eine solche Bebauung macht.“ Er kritisierte, dass die geplanten Gebäude höher seien als der Bestand und die Nachbarschaft sowie die Ausweisung von 1,4 Stellplätzen pro Wohnung viel zu gering.

Stadtbaumeisterin Weichselgartner sprach „rechtlich von einer Übererfüllung“ der Stellplatzvorschriften, weil nur ein Parkplatz gefordert sei; in Baugebieten verlange die Stadt allerdings zwei Stellplätze je Wohnung. Niederschweiberer forderte: „Wir sollten Rücksicht darauf nehmen, dass es reinpasst.“

Bauherrn mit deutlichen Worten kritisiert

Für Oskar Stoiber (CSU) fügen sich die Gebäude nicht in die Umgebung ein: „Viel zu massiv, viel zu groß, viel zu hoch. Das geht für mich gar nicht“, sagte er. „Um eine Nachverdichtung werden wir nicht herumkommen. Die Frage ist aber, in welchem Umfang.“ Stoiber zweifelte auch die Erschließung über die Töginger Straße an: „Ob die Tiefgaragenausfahrt auf die Töginger Straße möglich ist, halte ich für fraglich.“ Dort gebe es schon jetzt sehr viel Verkehr.

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In dem Gebiet stehen vor allem Ein- und Zweifamilienhäuser, die meist zwei Stockwerke und mitunter ein ausgebautes Dachgeschoss haben. Auf benachbarte Gebäude, wie die Arztpraxis, sind nicht so hoch, wie die vorgesehene Neubebauung.

Stefan Schinko (Grüne) kritisierte das bisherige Verhalten des Bauherrn: „Das Vorgehen des Investors ist aus unserer Sicht ein nicht wiedergutzumachender Frevel“, sagte er über die Baumfällungen der vergangenen Woche. Er nannte das Vorgehen „kaltschnäuzig“. Für ihn sei die Bebauung zu massiv, sie passe nicht in die Umgebung, die er als ehemalige Villengegend bezeichnete. „Dort jetzt einen gesichtslosen Bau hinzustellen, ist mir zutiefst zuwider.“

Anna Hospizverein verteidigt Verkauf

Den Bestand mit Villa und parkartigem Garten wieder herzustellen, forderte Dr. Georg Gafus (Grüne). Dem widersprach Bürgermeister Hetzl. Um eine Verdichtung komme die Stadt nicht herum, wolle man Wohnungen für Mühldorfer schaffen. Hetzl sprach davon, einen Kompromiss zu finden, der auch Ersatzpflanzungen einschließe.

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Der Investor wollte sich gestern auf Anfrage weder zu den Baumfällungen noch zum Verlauf und Ergebnis der Bauausschusssitzung äußern. Er hatte das Gebiet vor einiger Zeit vom Anna Hospiz-Verein gekauft, der das Grundstück geerbt hatte. Vorstandsmitglied Josef Lurz bezeichnete die Erbschaft als „absoluten Glücksfall“. Der Erlös aus dem Verkauf sichere unter anderem den Betrieb der Hospizinsel für Sterbende in Waldkraiburg, die der Verein führt.

Der Verein habe beim Verkauf Wert darauf gelegt, an einen heimischen Investor zu verkaufen, den Verkauf habe ein Makler getätigt. Einfluss auf das, was dort geplant werde, habe der Verein aber nicht nehmen können. Es sei Aufgabe der Stadt, festzulegen, was dort gebaut werden könne. „Wir gehen davon aus, dass dort das gebaut wird, was im rechtlichen Rahmen möglich ist.“

Das letzte Wort hat das Landratsamt

Darüber entscheidet jetzt das Landratsamt, an das die abgelehnte Bauvoranfrage weitergeht. Sollte das Landratsamt auch nicht zustimmen, muss der Investor neue Pläne vorlegen oder dagegen klagen. Sollte das Landratsamt aber zustimmen, kann die Stadt einen anderen Weg einschlagen, um die geplante Bebauung zu verhindern. Laut Stadtbaumeisterin Weichselgartner kann die Stadt einen Bebauungsplan für das gesamte Gebiet nördlich der Töginger Straße aufstellen, in dem sie festlegt, was gebaut werden darf. Bis der Bebauungsplan fertig ist, kann sie eine Veränderungssperre erlassen.

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