Mühldorf: Interkommunale Zusammenarbeit ist Thema

Das Schaubild von Prof. Dr. Konrad Schindlbeck zeigt die Organisationsstruktur einer ILE.
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Das Schaubild von Prof. Dr. Konrad Schindlbeck zeigt die Organisationsstruktur einer ILE.

Die Möglichkeiten und Chancen einer interkommunalen Zusammenarbeit sowie die Vorstellung der Ökomodellregion Mühldorfer Land standen im Mittelpunkt der vergangenen Bürgermeisterversammlung.

Mühldorf – Der Bürgermeistersprecher Buchbachs Rathauschef Thomas Einwang (CSU/Parteifreie - WVR) hatte dazu seine Kollegen sowie Landrat Maximilian Heimerl (CSU) in den großen Sitzungssaal des Landratsamtes Mühldorf eingeladen. Zu Beginn stellte Prof. Dr. Konrad Schindlbeck von der Technischen Hochschule Deggendorf den Gemeindechefs die Möglichkeiten einer Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE) für die Städte, Märkte und Gemeinden des Landkreises Mühldorf vor. Er berichtete dabei von seinen Erfahrungen. Im Mittelpunkt steht dabei der Blick auf die gemeindeübergreifende Zusammenarbeit. Schindlbeck zitierte dabei den ehemaligen Staatsminister Helmut Brunner: „Für eine bezahlbare Infrastruktur sowie für ein flächendeckendes Netz an Einrichtungen und Dienstleistungen der Daseinsvorsorge müssen wir mehr über Verwaltungsgrenzen hinweg denken. Denn wenn die geistigen Schranken fallen, werden kommunale Grenzen zweitrangig und es erschließen sich neue Lösungen und Synergien.“

Als mögliche relevante Handlungsfelder definierte Schindlbeck unter anderem Verwaltung, Landwirtschaft, dörfliche und ländliche Siedlungsentwicklung, Gewerbeentwicklung, Ressourcenschutz, Wasser- und Energieversorgung, Kultur, Bildung und Soziales sowie Erholung und Tourismus. Voraussetzung für die Gründung einer ILE seien mindestens fünf Kommunen, die bereit sind, auf Augenhöhe zusammenzuarbeiten. Schindlbeck skizzierte den Ablauf einer ILE-basierten Entwicklung in vier Phasen. Nach der Sensibilisierungsphase mit Grundlagenklärung und Festlegung Gebietskulisse schließt sich die Gründungsphase mit Festlegung der Rechtsform und Bestimmung der Handlungsfelder an.

Danach geht es in eine neue Phase, mit Erstellung eines Konzeptes sowie Öffentlichkeitsarbeit. In der anschließenden Umsetzungsphase werden aus dem erstellten Konzept Projekte abgeleitet und umgesetzt. Grundlage für die Konzept- und Umsetzungsphase ist eine entsprechende Bürgerbeteiligung.

Der gesamte Prozess wird kontinuierlich evaluiert und nachgesteuert. Instrumente einer ILE sind die Dorferneuerung, die Flurneuordnung, die ländliche Infrastruktur sowie das Prozess- und Projektmanagement.

Auch wenn der Schwerpunkt bislang in Niederbayern und den nördlichen bayerischen Bezirken liegt, gibt es auch in Oberbayern mittlerweile neun ILE-Projekte. Entsprechend den Finanzierungsrichtlinien können Integrierte Ländliche Entwicklungskonzepte mit bis zu 75 Prozent gefördert werden.

Workshop für Kommunen installiert

Dem abschließenden Vorschlag, mit interessierten Kommunen einen Workshop zu veranstalten, bestand Einverständnis. Dabei sollen das grundsätzliche Interesse, mögliche Schwerpunktthemen und Handlungsfelder sowie die Erwartungen an eine ILE gemeinsam erarbeitet werden.

Beim zweiten Teil der Versammlung stellten die Projektmanager Dr. Michael Rittershofer, Rosa Kugler und Lena Koch den Bürgermeistern des Landkreises die Öko-Modellregion Mühldorfer Land vor. Die Trägerschaft der Öko-Modellregion hat inzwischen der Landkreis Mühldorf übernommen.

Die Projekte sollen dabei das Ziel haben, die Themen nachhaltige Regionalentwicklung, regionale Versorgung, nachhaltiger Tourismus und Naherholung, soziale und solidarische Landwirtschaft, regionale Wertschöpfung und regionales Handwerk miteinander zu verknüpfen. Weitere Informationen zu den Projekten gibt es unter www.oekomodellregionen.bayern.

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