Einblick in bislang unbekannte Werke

Hans Prähofer: Weil es dem Mühldorfer Künstler an Material fehlte - ein Original auf Sackleinen

Folkloretänzer auf Pappe: Das Bild entstand in den 50er Jahren, kurz bevor Hans Prähofer nach München zog.
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Folkloretänzer auf Pappe: Das Bild entstand in den 50er Jahren, kurz bevor Hans Prähofer nach München zog.
  • Josef Enzinger
    vonJosef Enzinger
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Brigitte Bruckmaier verband eine Freundschaft zum Mühldorfer Künstler Hans Prähofer. Nun gewährt sie Einblick in bislang unbekannte Werke.

Mühldorf – Man kennt die Druckgrafiken von Hans Prähofer. Kaum ein Haus von alteingesessenen Mühldorfer Familien, in denen sich nicht eines der berühmten Ansichten der Stadt Mühldorf finden ließen. Der Künstler, der in diesen Tagen 100 Jahre alt geworden wäre, lässt sich aber nicht nur auf seine Drucke reduzieren. Werke sind nun zum Vorschein gekommen, die vor Farbe strotzen, gebannt auf Pappe und Sackleinen.

Folklore-Tanz zum Geburtstag

Zwei Männer, nur mit Bastrock bekleidet, und eine Dame, die offenbar tanzen. Nur in ihren Konturen sind sie erkennbar, doch alle drei opulent mit Ringen geschmückt. Drunter steht „Hula-Hula“ – zweifelsohne ein Folklore-Tanz, der dem afrikanischen Kontinent zu entstammen scheint, auch wenn die Buchstabenfolge eher hawaiianisch anmutet.

Jeder Pinselstrich sitzt bei Hans Prähofer - schon in den 50er-Jahren

Die Pinselführung ist stark reduziert, aber jeder Strich sitzt. Man sieht gleich: Da war ein Meister seines Fachs am Werk. Und tatsächlich: Auf der Rückseite des Bildes auf Pappkarton ist der Name des Künstlers vermerkt: Hans Prähofer, der das Ganze mit einem Blumenstrauß, ganz im Stile seiner unnachahmlichen Art garniert hat und zusammen mit seiner Frau Lisa „Recht liebe Wünsche“ zum 9. August 1952 übermittelt. „Es muss wohl ein Geburtstagsgeschenk gewesen sein“, Brigitte Bruckmaier kann nur Mutmaßungen anstellen über das Bild, das sich aus dem Nachlass ihrer Großmutter seit Jahrzehnten in ihrem Besitz befindet.

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Früher lebten die Prähofers in einer Zwei-Zimmer-Wohnung

Die Bruckmaiers bewohnten schon damals das Haus am Ende des Mühldorfer Stadtplatz, welches auch das Modehaus Komm beherbergt. Die Prähofers befanden sich nur einen Steinwurf entfernt, im sogenannten Fischerhaus, in direktem Anschluss zum Altöttinger Tor, in der Spitalgasse. „In einer Zwei-Zimmer-Wohnung“, erinnert sich Brigitte Bruckmaier. Man sei sich nicht nur freundschaftlich verbunden gewesen, so wie es Nachbarn eben sind. „Meine Großmutter war Taufpatin des Sohnes von Hans und Lisa Prähofer, der allerdings schon früh nach einem tragischen Unfall verstorben ist.

Billige Farben auf Pappkarton

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Das Folklore-Bild ist nicht das einzige Werk aus der Nachkriegszeit, das Brigitte Bruckmaier aufgehoben hat. In ihrer Sammlung befindet sich auch eine Ansicht auf die Kirche St. Nikolaus, perspektivisch vom heutigen Stadtwall aus auf das Papier gebracht. Die Unterlage des Werkes von 1957: Ebenfalls Pappkarton, gepinselt mit offenbar billigen Farben, die inzwischen unablässig abblättern. „Einige Jahre vor seinem Tod hatten wir es Prähofer an die Hand gegeben mit der Bitte, es doch zu restaurieren. Aber da musste auch der Künstler abwinken. Zu groß war der Schaden“, berichtet Susi Lafar, Tochter von Brigitte Bruckmaier.

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Bei der Nikolauskirche bröckelt die Farbe

„Die Farbqualität war damals eine andere. Prähofer hat wohl noch viel ausprobiert in diesen Jahren“, vermutet Bruckmaier, die auf entbehrungsreiche Nachkriegsjahre verweist. Es habe ja kaum etwas gegeben. Und da hat man alles verwendet, was der Alltag so hergegeben hat. Sackleinen zum Beispiel. Auf diesem Material hat der Mühldorfer Künstler eine Szene an einem Gewässer festgehalten. Segelboote sind darauf zu sehen, im Hintergrund eine Silhouette von Stadthäusern – aber auch ein legère dasitzender Mann und eine Frau im Petticoat.

Zur Hochzeit eine Ansicht einer italienischen Stadt

„Das kann Wasserburg sein oder auch eine Stadt am Gardasee“, so genau weiß es Brigitte Bruckmaier nicht, was das farbenfrohe Bild zeigt, als Wandbehang brachte es nicht nur in den 50er Jahren Farbe in das Wohnzimmer.

Sicher ist sich die 79-Jährige allerdings bei einem weiteren Prähofer, der sich in ihrem Stadthaus findet. Filigran gerahmt und mit unglaublich kräftigen Farben. Eine Szene eines italienischen Städtchens. „Das habe ich geschenkt bekommen, als ich im Oktober 1967 geheiratet habe. Ein Original!“ Ein ganz besonderer Schatz.

Denn zu diesem Zeitpunkt hatte Hans Prähofer schon längst seine Zelte in Mühldorf abgebrochen, war nach München gezogen, um sich vollkommen seiner Kunst zu widmen. Der Kontakt zu seiner Heimat war aber auch Jahre danach nie abgerissen. Schon gar nicht zur guten Nachbarschaft.

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