Mit dem letzten Zug ins Glück

Die Flucht von Dietlinde Wöls führte 1945 kreuz und quer durch Deutschland

Ein großer Fan der TSV-Volleyballer wird 80: Dietlinde Wöls.
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Ein großer Fan der TSV-Volleyballer wird 80: Dietlinde Wöls.

Wirtstochter, Hobby-DJ und begeisterter Volleyball-Fan: Eine Würdigung zum 80. Geburtstag von Dietlinde Wöls aus Mühldorf am Inn.

Mühldorf – Januar 1945, Königsberg. Die Familie von Dietlinde Wöls, geborene Kühn, wohnt am Stadtrand der damaligen preußischen Hauptstadt und die Front rückt deutlich hörbar immer näher. Der Vater weit weg, packt die Mutter die fünfjährige Dietlinde sowie die beiden jüngeren Geschwister, um Königsberg per Bahn zu verlassen. Was die Familie zu diesem Zeitpunkt nicht weiß: Es sollte der letzte Zug sein, der Königsberg in Richtung Berlin verlässt.

Die Flucht führte bis nach Hallein

Die Flucht führt die Familie kreuz und quer durch Deutschland bis nach Wien und letztendlich nach Hallein. Durch eine Verkettung glücklicher Zufälle treffen die Flüchtenden in Hallein auf Papa Heinz, in der österreich-bayerischen Grenzregion sehnen sie das Kriegsende herbei.

Im Juni bricht Familie Kühn schließlich nach Bayern auf, genauer nach Oberneukirchen. Die ersten drei Monate wohnen sie im Gebäude der Luftwaffenhelferinnen, bevor sie ein eigenes kleines Häuschen beziehen können.

Als Flüchtende viel Hilfe erfahren dürfen

Die Zeiten waren schwierig, erinnert sich Dielinde Wöls. Aber trotz einiger Menschen, bei denen die Flüchtenden nicht willkommen waren, gab es viele Menschen in ihrem Umfeld, die mit Brot, Kartoffeln und Milch die Familie unterstützt haben.

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Im Gasthaus Kopernikus den späteren Ehemann kennen gelernt

1953 zog die Familie nach Waldkraiburg und Papa Heinz versuchte sich im Gastgewerbe. Fast zehn Jahre lang bewirtschaftete die Familie im Wechsel den Tanzsaal Zappe und das Gasthaus Kopernikus. Dort lernte Dietlinde auch ihren künftigen Ehemann Manfred Wöls aus Unterschnitzing (Tyrlaching) kennen. Im April 1962 heiratete das Wirtsmädel aus Waldkraiburg den ein Jahr jüngeren Eisenbahner.

Mit dem Freifahrtschein der Bahn Deutschland kennen gelernt

1964 zog das Paar nach Mühldorf in die Eisenbahnersiedlung in der Schillerstraße und bekam drei Kinder – eine Tochter und zwei Söhne. Ohne Führerschein aber mit Freifahrtschein der Eisenbahn entdeckte Dietlinde Wöls mit den Kindern und später auch alleine mit ihrem Mann Deutschland. Neben kurzen Tagesfahrten und langen Bahnreisen bis nach Neapel und Ischia haben vor allem die Nord- und Ostsee es ihr angetan. Nach kurzer schwerer Krankheit starb ihr Ehemann 1998.

Immer für eine Umarmung zu haben

Ob als Woll-Expertin in der Drogerie Müller, engagiert in der evangelischen Kirche, als DJane beim Senioren Fasching oder tanzend im Haus der Begegnung hatte und hat Dietlinde Wöls vor allem immer eine offene Tür, eine Umarmung und Leckereien für ihre Kinder, Enkelkinder und inzwischen auch Urenkel übrig.

Der große Stolz: Wenn die Enkel auf dem Volleyballfeld stehen

Durch ihren jüngsten Sohn hat sie ihre Leidenschaft für den Volleyballsport entdeckt und ist bis heute treuer Fan der Mühldorfer Mannschaften. Beim Aufschlag der Enkel in den Jugendmannschaften oder auch wenn es die erste Herrenmannschaft in der Halle zu Hause krachen lässt – mit ihrem Gefährten Adi ist sie fast bei jedem Heimspiel in der Halle.

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