Fliegerbombe in Mühldorf gefunden

So erlebte das Ehepaar Andres die Evakuierung: „Sirenen waren ununterbrochen zu hören“

Bei Bauarbeiten im Neubaugebiet in Nähe der Harthauser Straße in Mühldorf-Nord wurde eine 465 kg-Fliegerbombe entdeckt.
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Bei Bauarbeiten im Neubaugebiet in Nähe der Harthauser Straße in Mühldorf-Nord wurde eine 465 kg-Fliegerbombe entdeckt.
  • Josef Bauer
    vonJosef Bauer
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  • Markus Honervogt
    Markus Honervogt
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Es ist kurz vor 16 Uhr, als sich der Tag in Mühldorf für fast 3000 Menschen schlagartig ändert: Bei Arbeiten im Neubaugebiet in Nähe der Harthauser Straße in Mühldorf-Nord entdecken Bauarbeiter eine Fliegerbombe. Schnell stellt sich heraus, dass es eine ungewöhnlich große Bombe ist, 465 Kilogramm schwer. Polizei und Feuerwehr rücken an, ein Team des Bombenräumkommandos fährt vor.

Mühldorf – Sabine Andres wohnt nur wenige Straßenzüge vom Fundort entfernt. Als sie im Radio von dem Fund hört, ist ihr klar, „wir müssen weg.“ Denn Bombenfunde sind in Mühldorf nichts Neues. Vor allem während der Jahre der Bauarbeiten rund um den Bahnhof, kamen immer wieder Blindgänger an die Erdoberfläche.

Am Haus der Andres fahren Feuerwehrautos und Polizeiwagen vorbei. „Die Sirenen der Polizeiautos und der Feuerwehr waren ununterbrochen zu hören. „Viele haben da schon gewusst, dass wir wegmüssen.“ Auch das Ehepaar Andres. Sie packen noch schnell die Arbeitsklamotten ihres Mannes ein, dann geht es schon aus dem Haus. „Ich habe noch meinen Jogginganzug an“, erzählt sie, während sie bei ihren Eltern sitzt. Denn dahin können die beiden fahren, sie müssen nicht in eine der Notunterkünfte in der Grundschule in Mühldorf oder der Berufsschule an der Pilichdorfstraße. Während ihr Mann heute Morgen zur Arbeit muss, kann Sabine Andres den Tag gelassen angehen, sie hat frei.

Der Ticker zum Einsatz: Sprengkommando entschärft erfolgreich Fliegerbombe.

Der Evakuierungsradius beträgt einen Kilometer, Busse fahren vor, um Menschen wegzubringen. Es gibt Durchsagen, Polizisten gehen von Wohnung zu Wohnung. Anwohner werden gebeten nicht mit dem eigenen Auto das Gebiet zu verlassen.

Die Einsatzkräfte räumen auch das Bahnhofsgebäude, Bahnhof und Parkhaus werden komplett gesperrt. Es kommt niemand mehr in den Sperrbezirk.

Sammelpunkt für die Anwohner zur Evakuierung ist die Mittelschule Mühldorf. Ab 18 Uhr fahren die ersten Busse von dort ab und bringen Anwohner in die Grundschule Mößling und in die Staatliche Berufsschule I. Um 19 Uhr stellt die Bahn den Zugverkehr ein.

Landrat Max Heimerl ist im Krisenzentrum im Landratsamt. „Das ist eine der größten Evakuierungen, die das Mühldorfer Landratsamt durchgeführt hat“, sagt er. Die Einsatzkräfte vor Ort hätten reibungslos und gut aufeinander abgestimmt zusammengearbeitet. „Der Evakuierungsradius wurde in Absprache mit der Bahn und dem Bombenräumkommando festgelegt. Auch diese Aktion lief ohne Probleme ab.“

Mühldorfs Feuerwehr-Kommandant Martin Strasser berichtet: „Wir sind mit einem Großaufgebot an Fahrzeugen und Feuerwehrfrauen und -männern vor Ort.“ Insgesamt sind 25 Feuerwehren aus dem gesamten Landkreis im Einsatz sein. „Der große Evakuierungsradius ist eine große Herausforderung.“

Die ist um 21 Uhr abgeschlossen, die Entschärfung der Bombe beginnt.

Der Blindgänger stammt aus einem der beiden Bombenangriffe auf die Stadt Mühldorf am 19. März und am 20. April 1945. Das Bahnhofsgebiet und große Teile der „Oberen Stadt“ wurden von über 1000 Bomben fast völlig zerstört. Auch die Altstadt bekommt einzelne Treffer ab. Vor allem rund um den Bahnhof wurden immer wieder Blindgänger gefunden, aber auch am Stadtwall gab es schon Entschärfungen.

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