Ein Mord aus Rache - 79-Jähriger Rentner muss nach Messerstichen lebenslang ins Gefängnis

Am Tattag sicherten Kripobeamte Spuren vor dem Haus, in dem der Mord geschah. Der Tathergang war sehr schnell geklärt, die Täterfrage auch. Jetzt, ein knappes Jahr später muss der Angeklagte lebenslang ins Gefängnis.
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Am Tattag sicherten Kripobeamte Spuren vor dem Haus, in dem der Mord geschah. Der Tathergang war sehr schnell geklärt, die Täterfrage auch. Jetzt, ein knappes Jahr später muss der Angeklagte lebenslang ins Gefängnis.
  • vonMonika Kretzmer-Diepold
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Knapp ein Jahr nach der Bluttat geht ein 79-Jähriger lebenslang ins Gefängnis. Der Schwurgericht in Traunstein verurteilte den Mühldorfer wegen eines heimtückischen Mordes aus Rache. Sein Schuldfähigkeit stand nicht in Frage.

Traunstein/Mühldorf – Der Streit um das eigenmächtige Umstellen einer Waschmaschine im Gemeinschaftskeller eines Sechsparteienhauses in Mühldorf brachte einem 68-Jährigen den Tod. Seinem Mörder lebenslange Haft. Das Schwurgericht Traunstein mit Vorsitzendem Richter Erich Fuchs befand den 79 Jahre alten Rentner für Schuldig, dem Opfer fünf Wochen nach dem Streit ein Messer in den Rücken und den Bauch gestoßen zu haben.

Ärger über den Nachbarn raubte ihm nachts den Schlaf

Jahrelange Reibereien, der heftige Streit und eine körperliche Auseinandersetzung mit dem späteren Opfer am Nachmittag des 28. August 2019 gingen der Bluttat voraus. Der körperlich überlegene 68-Jährige schlug angeblich mit Fäusten und einem Straßenbesen zu. Der Angeklagte, der sich als „Boss“ des Anwesens betrachtete, trug Verletzungen an einem Arm davon.

Die Schmerzen und der Ärger über den Nachbarn raubten ihm nachts den Schlaf. „Mein letzter Wunsch war Rache. In den Nächten hab ich überlegt, was ich mache“, erklärte der 79-Jährige am ersten Verhandlungstag.

Küchenmesser im Keller versteckt

Er versteckte ein Küchenmesser aus seiner Wohnung, eingepackt in eine Einkaufstasche aus Stoff, in seinem Kellerabteil. Gegen Mittag des 5. Oktobers 2019 sah der angetrunkene Angeklagte den 68-Jährigen in den Waschraum gehen. Er folgte ihm heimlich, nahm das Messer mit 20 Zentimeter langer Klinge und stieß es von hinten in den Rücken des Nachbarn. Als der sich umdrehte auch noch in den Bauch. Dabei verbog sich die Messerspitze. Der lebensgefährlich Verletzte rief um Hilfe. Andere Mieter versuchten, ihm zu helfen. Als Rettungskräfte und Polizei eintrafen, war der 68-Jährige nicht mehr bei Bewusstsein. Ärzte stellten um 14.18 Uhr seinen Tod fest.

Der 79-Jährige ließ den blutenden Mann damals im Keller liegen, kehrte ruhigen Schrittes in seine Wohnung zurück, kümmerte sich zunächst um seine durch die Abwehrversuche des Opfers verletzten Hände und teilte dann erst der Polizei mit: „Ich hab den Nachbarn gestochen.“

Täter sprach vor Polizisten von Rache

Vor Gericht beteuerte er, er habe den Tod des Geschädigten nicht beabsichtigt, sondern ihn nur verletzen und ihm Schmerzen zufügen wollen. Einem Polizeibeamten hatte er jedoch erzählt, schon längere Zeit darüber nachgedacht zu haben, „den Nachbarn aus Rache zu töten“.

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Die psychiatrische Sachverständigen Dr. Susanne Lauscher und Dr. Jürgen Thomas attestierten dem Rentner volle Schuldfähigkeit. Sie hätten keine Hinweise auf schwerwiegende psychiatrische Erkrankungen gefunden. Er sei psychisch stabil und belastbar, „eine gesunde Persönlichkeit“, „ein Situationstäter ohne grundsätzliche Disposition zu Aggressionstaten“. „Rache war ein Gedanke, von dem er sich nicht lösen konnte“, sagte Thomas. Von einem „nachtragenden mürrischen Einzelgänger“ sprach Dr. Susanne Lauscher.

Alkohol mindert Schuldfähigkeit nicht

Der Vorsitzende Richter fasste zusammen: „In der Gesamtschau hat eine affektive Komponente mitgespielt. Aber auch im Zusammenwirken mit dem Alkohol war die Schuldfähigkeit nicht erheblich vermindert.“

Staatsanwalt Markus Andrä plädierte im Sinn der Anklage auf Mord aus Heimtücke und forderte eine lebenslange Freiheitsstrafe. Eine „tragische Situation“ führte Verteidiger Axel Reiter aus Mühldorf ins Feld. Sein Mandant habe den Tod des 68-Jährigen nicht geplant und nicht gewollt, vielmehr in einem Ausnahmezustand „spontan reagiert“. Er hielt eine Strafe von 13 Jahren für ausreichend.

Bis zur Tat ordentlich und straffrei

Richter Fuchs betonte im Urteil, der Angeklagte habe bislang ein ordentliches, straffreies Leben geführt. Nach dem Streit im August habe er sich gedemütigt gefühlt. Spätestens beim Anblick des Nachbarn habe er beschlossen, diesen zu töten. Das arg- und wehrlose Opfer habe ihn nicht bemerkt, beide Stiche seien tödlich gewesen.

Das Schwurgericht sei vom Tötungsvorsatz „ohne Zweifel überzeugt“. Bei Mord gebe es nur eine Strafe – lebenslänglich. „Außergewöhnlich mildernde Umstände“ seien nicht gegeben, so der Vorsitzende Richter. Der 79-Jährige nahm das Urteil sichtlich interessiert und scheinbar gelassen auf.

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