Mit dem Eisstock ins neue Jahr

Der Ehringer Weiher lud früher zum Eisstockschießen ein.  Bauer
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Der Ehringer Weiher lud früher zum Eisstockschießen ein. Bauer

Auf dem Ehringer Weiher fand früher bei richtigem Winterwetter immer das Neujahrsschießen mit den Eisstöcken statt. Viele Schützinnen und Schützen nahmen daran teil und die Gaudi sowie die Freude an der Bewegung im Freien standen dabei im Mittelpunkt. Das neue Jahr wurde mit viel Elan und Zuversicht in Angriff genommen.

von Josef Bauer

Mühldorf – Im Jahr 2009 herrschte ideales Winterwetter in der Stadt Mühldorf, minus fünf Grad Celius. Der Ehringer Weihner war schön zugefroren und Erich Salzberger hatte zusammen mit seinen Helfern eine schöne Bahn zum Eisstockschießen hergerichtet. Dieser Neujahrstag stand ganz im Zeichen des Wintersports. Bereits um 12.30 Uhr gingen die ersten Schützinnen und Schützen mit geschulterten Stöcken Richtung Weiher.

Auch an diesem Neujahrstag zog es Männer und Frauen zum Stocksport. Erich Salzberger, Diakon Jakob Unterreithmeier mit seiner Johanna, Gerd Sönnichsen, Hermann Brandl, Erich Brunnhuber, Anneliese und Dieter Schmidt, Günther Huber, da Drabke Heinz und seine Gitti, das Ehepaar Ellbrunner, die ehemaligen Altmühldorfer Fußballer Helmuth Kaiser, Bual Hofer und Walter Lechner sowie Herbert Stiemert, Franz und Anne Römersberger.

„Woidschiassen war am Weiher angesagt. Da trafen traditionelle Holzstöcke auf modernste Turnierstöcke und es war jedem selber überlassen, mit was für einem Stock er schoss. Bei vielen nützte auch das häufige Wechseln der Platte nix, denn eine garantierte Treffsicherheit gab es bei keinem Stock. Entweder man konnte es, oder man wechselte die Platte.

Schützen nicht nur aus der Ehringer Siedlung

Auch Schützen außerhalb der Ehringer Siedlung kamen an diesem Neujahrstag zum Schießen Gerda und Wilfried Köhler und die Anneliese Hohenester. Es kamen aber auch Zuschauer, die kritisch jeden Schuss verfolgten und mit ihren Kommentaren das Neujahresschießen würzten. Die Einschätzung; „Der trifft ja ned a Moi Bekannte“, war vernichtet.

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Eingebürget hatte sich auch, dass neben der Bahn eine kleine Bar eingerichtet wurde. Wer daneben schoss, wurde zu einem Schluck Zielwasser verdonnert. Was bei vielen Fehlschüssen nicht unbedingt zur Förderung der Zielsicherheit führte. Wenn ein Spiel zu Ende war, wechselten die Fuchzgal die Besitzer, Zigaretten wurden angezündet und der Schmai kam zu seinem Recht.

Wenn ein neuer Schütze kam hieß es in der Regel: „A guads neis Jahr, a gsunds sowieso und schiaßts endlich besser ois im letzten Jahr.“

Messungen an der Daube

Aufgrund der hohen sportlichen Qualität kam es des Öfteren zum Messen, weil nicht erkennbar war, welcher Stock näher zua Daum lag. Die Moarschaft mit der Drabke Gitti war gesegnet, denn diese erkannte mit ihrem Adlerauge aus 25 Metern genau, welcher Stock hatte. Komisch war nur, dass es sich immer um den ihrer Moarschaft handelte, der hatte. Intensive Messungen führten dazu, dass der scharfe Blick der Gitti des Öftern korrigiert werden musste.

Im nächsten Spiel traf der Stock die Daube, die sich hinter der Weiherbrücke versprang. „Iatz werds kriminell“, sagte der Salzberger Erich, der seinen Mannschaftskollgen andeutete, wie geschossen werden sollte: „An dem Stock muassd de schlong, dann kannt des geh“, kam dem Erich seine Anweisung. Wenn es aber nicht gelang zur Daum zum Kemma, dann kam die klare Ansage: „Iatz reißt eich zamm, sonst miass ma zoin.“

Dann wurde es Zeit, eine generelle Pause einzulegen. In der Regel wurde von den Schützinnen und Schützen Zielwasser nachgefüllt und die Wurstspezialitäten der Metzgereien Köhler oder Hohenester auf ihren Geschmack getestet.

Nach der Pause wurde weiter verbissen um jeden Stock gekämpft. An kräftigen Sprüchen fehlte es jedenfalls nicht, die die Stöcke auf der nächsten Bahn begleiteten. „Der had a guade Durchgangszeit oder iß mehre Knedel, dann kimmst aufa und konnst Dein Stock daziagn“.

Besondre Neujahrsgrüße

Ja kruzitürkn“, fluchte der Herbert, bin i heid da Zahlemann, dauernd muass i zoin.“ „Macht nix“ kam vom Wilfried Köhler, der aber das meiste eh nicht verstand, weil er seine Hörgeräte wieder nicht mitgenommen hatte. „Oi Dog hängt des ned auf oa Seitn“, wusste der Diakon, der aber in Verdacht stand, mit den himmlischen Mächten in Verbindung zu stehen.

Nach vier Stunden intensivsten Wintersport, vielen guten Wünschen für das neue Jahr und der Aufforderung, das alles wieder werden würde, wurde es am Ehringer Weiher dämmrig. „I mog nimma. Noja, nachad gehma hoid, a Ruah muass sei fir heid“, entgegnete der Erich. Wilfried Köhler: „Und wenns moing Zeit habts, pack mas wieda. Oiso Servus und guad Nacht beinand.“

Leider gibt es diese besonderen Neujahrsgrüße wetterbedingt schon seit vielen Jahren nicht mehr, wäre schön, wenn sie wieder kommen würden. Mein Stock wäre jedenfalls ganz schnell wieder auf Betriebstemperatur.

Knapp waren viele Entscheidungen.

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