Mit dem „Aqueduct“ in die Höhle der Löwen: Mühldorfer will die Million von Maschmeyer und Co.

Nicht nur fahrender Untersatz, sondern auch Wohnung: Tobias Wagner mit seinem Nissan ENV200, der nicht nur rein elektrisch fährt, sondern ihm werktags ein Dach über den Kopf bietet. Es ist sein Wohnungsersatz in München, inklusive Bett und Waschstelle. „Das reicht vollkommen“, findet der Wagner, für alles andere gibt es ja Restaurants, Fitnessstudios –und dann natürlich auch das Zuhause in Mühldorf bei den Eltern.
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Nicht nur fahrender Untersatz, sondern auch Wohnung: Tobias Wagner mit seinem Nissan ENV200, der nicht nur rein elektrisch fährt, sondern ihm werktags ein Dach über den Kopf bietet. Es ist sein Wohnungsersatz in München, inklusive Bett und Waschstelle. „Das reicht vollkommen“, findet der Wagner, für alles andere gibt es ja Restaurants, Fitnessstudios –und dann natürlich auch das Zuhause in Mühldorf bei den Eltern.
  • Josef Enzinger
    vonJosef Enzinger
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Intelligentes E-Lade-System des Startup-Unternehmens „ChargeX“ soll am 31. August die Jury in der VOX-Sendung überzeugen. Die Idee hinter der Erfindung ist simpel und doch so genial. Geschäftsführer Tobias Wagner (27) erklärt, wie seine Ladestation genau funktioniert.

Mühldorf – Elektromobilität ist die Leidenschaft des Mühldorfers Tobias Wagner. Und die Sicherstellung der nötigen Infrastruktur seine Passion: Der 27-jährige ist Mitgründer des Startup-Unternehmens „ChargeX“ in München, welches das erste modulare Komplettsystem zum Aufbau von mehreren Ladepunkten für Elektroautos an einem Standort entwickelt hat. Am 31. August sind die jungen Unternehmer zu Gast in der Sendung „Die Höhle der Löwen“ und wollen die Jury überzeugen, in ihr Unternehmen eine Million Euro zu investieren.

Skalierbare Ladung für E-Fahrzeuge

„Aqueduct“ heißt das Produkt des Münchner Technologie-Startups. Es ermöglicht mit seiner intelligenten, skalierbaren Ladelösung den großflächigen Aufbau einer Ladeinfrastruktur, „und zwar dort, wo sie tatsächlich benötigt wird – zu Hause und am Arbeitsplatz“, erklärt Tobias Wagner.

Komplexe Installationen könnten bald der Vergangenheit angehören

Die Idee ist simpel und genial zugleich. Wagner und seine Mitstreiter haben erkannt, dass es im Bereich der Ladeinfrastruktur hohen Nachholbedarf gibt. Der Aufbau sowie die Erweiterung von Ladepunkten war bislang aber mit hohen Kosten sowie einer komplexen Installation verknüpft.

Intelligente Steuerung lädt alle Fahrzeuge – und zwar zeitversetzt

Der Ansatzpunkt des „Aqueduct“: Man skaliert vorhandene Ladepunkte, ohne dass es eines umfangreichen und damit kostspieligen Umbaus bedarf. Die Lademodule – vier bis acht Stück – werden hintereinander geschaltet, die Energie somit aufgeteilt. Zwar ist es über diese Methode bei maximaler Auslastung nicht möglich, ein E-Auto komplett vollzutanken. „Das braucht es aber auch nicht. Eine intelligente Steuerung sorgt dafür, dass die angeschlossenen Fahrzeuge nicht alle parallel, sondern zeitversetzt geladen werden“, erklärt Wagner die Funktionsweise des „Aqueduct“. Jedes Auto bekommt eine Mobilitätsgarantie mit einem vorgegebenen Grundkontingent und wird dann anschließend bedarfsgerecht vollgeladen.

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Das „sequenzielle Lastmanagement“ garantiere, dass das Stromnetz nie überlastet wird, unabhängig von der Anzahl der benutzten Ladestationen. „Es handelt sich dabei um keine Raketenwissenschaft“, macht Wagner deutlich.

Und doch mutet sie revolutionär an. Denn es ist dafür kein teurer Umbau nötig, das System ist in jede Tiefgarage integrierbar, ohne dass zusätzliche Kupferkabel verlegt werden müssen.

Ein „Charging Pass„ speichert Daten zum ladeprofil

Eine individuelle Ladekarte, ein „Charging Pass“, berechtigt dazu, den Ladevorgang zu starten; darauf werden auch weitere Informationen zum Fahrzeug und zum Ladeprofil hinterlegt. Über eine App soll den Ladezyklus künftig flexibler zu steuern sein – Wagner und Co. sprudeln nur so vor Ideen.

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Vom Bankhaus zum innovativen Unternehmen

Der Geschäftsführer von „Charge X“ hatte beruflich eigentlich einen ganz anderen Weg eingeschlagen. Dreieinhalb Jahre war er in einer Bank, dann begann er Mobilitätsmanagement in Ingolstadt zu studieren und kam damit auch mit der E-Mobilität in Kontakt. Er erkannte das große Potenzial von batteriebetriebenen Autos und begann, sich über die Ladeinfrastrukur den Kopf zu zerbrechen. Denn eines steht für ihn fest: „Die Zeitenwende ist eingeläutet, die Zukunft kommt nicht mehr um die E-Mobilität herum.“

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Renault Zoe läuft, und läuft, und läuft – und das schon seit 180 000 Kilometer

Er selbst habe sich vor vier Jahren ein gebrauchtes E-Auto, einen Renault Zoe gekauft. „Der hat mittlerweile 180 000 Kilometer auf dem Buckel, die Batterie hat immer noch eine Ladekapazität von 95 Prozent. Und die Technologien werden immer besser.“ Wagner macht keinen Hehl draus: Die E-Mobilität wird uns nicht retten, „aber das Einsparpotenzial von Kohlendioxid ist enorm und vor allem in Städten enorm wichtig“.

Volkswagen als Großabnehmer

Das und auch den Bedarf einer funktionierenden Ladeinfrastruktur haben inzwischen auch die Fahrzeughersteller erkannt. Seit dem Marktstart von „Aqueduct“ im April 2019 überzeugte das Team auch Großkunden wie Volkswagen von seiner Lösung – 300 Module wurden bereits ausgeliefert, ein Umsatz in Höhe von einer knappen Viertelmillion Euro. „Die Elektromobilität in Europa nimmt rasant Fahrt auf – im nächsten Schritt wird ,ChargeX‘ seine Produktion und seinen Vertrieb ausbauen, damit in Zukunft jeder Stellplatz zu einem Ladeplatz wird“, hat sich das Unternehmen große Ziele gesetzt.

Aktuell zehn Mitarbeiter – Tendenz steigend

Zehn Mitarbeiter hat das Unternehmen aktuell. Man hat gesehen, dass das Produkt funktioniert, jetzt gelte es, das „Aqueduct“ massentauglich zu produzieren. „Die Zukunft ist eigentlich schon da. Man muss sie nur noch gleichmäßig verteilen!“

Setzt sich die Idee auch in der „Höhle der Löwen“ durch?

Das Thema E-Mobilität gewinnt immer mehr an Relevanz im Alltag und hat nun auch das Interesse der Sendung „Die Höhle der Löwen“ geweckt. Der Mühldorfer Tobias Wagner und sein Geschäftspartner Michael Masnitza (27) wollen mit ihrem Start-up „Charge-X“ weiter ausbauen. Um ihr Produkt überall anbieten zu können, benötigen die Jungunternehmer eine Million Euro und bieten dafür 16,7 Prozent ihrer Anteile.

Nicht nur Finanzspritze, sondern auch Expertise der Investoren

Kommt es zum großen Deal in der Höhle? Darüber entscheiden in der 8. Staffel der Sendung, in die es schon einige Unternehmen der Region geschafft haben, die möglichen Investoren, unter denen sich Judith Williams, Carsten Maschmeyer, Nico Rosberg, Ralf Dümmel, Dagmar Wöhrl, Georg Kofler und Nils Glagau. Kommt es zwischen den „Löwen“ und den Startups zum Deal, warten auf die Jungunternehmer nicht nur die nötige Finanzspritze, sondern auch die jahrelange Erfahrung und Expertise der Investoren. Zu sehen ist die Sendung auf dem Privatsender VOX, die Sendung beginnt am 31. August um 20.15 Uhr.

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