Mission kippenfreies Mühldorf - Plogger wollen mit Aktion auf Stadtplatz Umweltbewusstsein schärfen

Mit Eimer und Zange: Die Mühldorfer Plogger wollen Müllvermeidung ins Bewusstsein rufen.  Petzi
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Mit Eimer und Zange: Die Mühldorfer Plogger wollen Müllvermeidung ins Bewusstsein rufen.
  • Nicole Petzi
    vonNicole Petzi
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Spazieren gehen und Müll sammeln: Die Plogger von Mühldorf sind seit Monaten unterwegs, um die Stadt vom Müll zu befreien. Jetzt haben sie vor allem Zigarettenkippen den Kampf angesagt. Heute auf dem Stadtplatz soll die Aktion starten und viele Mitstreiter gewinnen.

Mühldorf – 101 Mitglieder zählt die Mühldorfer ‚Plogging‘-Gruppe mittlerweile, die das Ehepaar Stefanie und Roland Scherer vor rund einem halben Jahr gegründet hat. Was sich hinter dem Trend ‚Plogging‘ verbirgt, das wissen mittlerweile immer mehr Menschen: Eine Müllsammel-Aktivität aus Schweden, die ‚Jogging‘ mit ‚plocka upp‘, dem schwedischen Wort für ‚aufheben‘, verbindet.

Beim Spazieren gehen Müll sammeln

Die Scherers und ihre Plogger-Gemeinschaft sammeln während gemeinsamer Spaziergänge das, was andere wegwerfen und befüllen damit einen eigens von der Firma SMR bereitgestellten Container. Für den alljährlichen internationalen „Weltaufräumtag“ am 19. September haben sie auf dem Mühldorfer Stadtplatz etwas Besonderes einfallen lassen. Motto: Kippenfreies Mühldorf!

Um 9.45 Uhr soll das ‚Aufräumen‘ am Haberkasten losgehen, eingeläutet von Zweiter Bürgermeisterin Ilse Preisinger-Sontag. „Es soll eine Aktion mit Außenwirkung werden“, erklärt Roland Scherer. Deshalb bietet die Gruppe einen Info-Stand auf dem Stadtplatz vertreten, wo sie Taschen-Aschenbecher verteilen. „Das Bewusstsein schärfen, damit immer weniger Raucher die Zigarettenstummeln einfach so in die Luft wegschnippen“, sagt Scherer über die Verteilaktion.

Die sind nämlich für die Plogger eines der großen Abfallprobleme – schon aufgrund der Masse, aber auch, weil es einfach ein Gefiesel sei, diese aufzulesen, erzähltt Margit Seifert mit einem Augenzwinkern. Sie und ihr Mann Dieter sind zu den Ploggern dazu gestoßen, weil sie sich bei Spaziergängen während der Corona-Krise an den ‚Müll-Hotspots‘ in ihrem Wohnbereich Altmühldorf gestoßen und einfach kurzerhand mit dem Müllsammeln begonnen haben.

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Plogging fördert Umwelt und Gesundheit

Jeder Plogger hat Ideen, die er in die Gruppe einbringt. So haben die Seiferts gute Erfolge mit dem Aufstellen von Schildern an Park-Bänken erzielt, sie stellen Abfalleimer auf und entleeren sie regelmäßig. „Es sind einfach zu wenig Aschenbecher im öffentlichen Raum – hier auf dem Stadtplatz gerade mal eine Handvoll. Und die sind nicht auf den ersten Blick zu erkennen“, sagt Stefanie Scherer. Ihre Idee: Kippen-Dosen, von ihr designt und an ‚Hotspots‘ aufgestellt.

Nur 15 Plogger aktiv

Trotz der hohen Zahl von Sympatisanten sind nur rund 15 Ploggern tatsächlich aktiv. Margit Seifert gefällt das nicht. Die Menschen dazu zu bewegen, selbst die Abfalltüte in die Hand zu nehmen, sei der Sinn der Gemeinschaft. „Das Problem ist, dass der Müll heutzutage allgemein akzeptiert ist“, wirft Ehemann Dieter in die Runde.

Den Menschen ein Signal zu geben, dass es sich beim Mülleinsammeln um eine soziale Aufgabe für alle handelt, das ist der Plogging-Gruppe und vor allem Roland Scherer ein Anliegen. Daher suchen die Plogger nach Paten, die ein Auge auf die 36 Spielplätze in Mühldorf haben, damit Kinder nicht im Müll oder inmitten von Kippen spielen müssen.

Bei Spielplätzen anfangen

„Das ist nicht nur eine Frage der Sauberkeit, sondern auch der Gesundheit, reicht doch eine Kippe mit seinen rund 4000 Chemikalien aus, ein Kleinkind unter einem Jahr zu töten“, so Dieter Seifert.

+++ Infos unter kontakt@plogging-muehldorf.de

Die Stadt unterstützt die Plogger. „Es funktioniert doch nur, wenn alle an einem Strang ziehen, oder nicht?“ Bürgermeister Michael Hetzl spendiert Brotzeit. „Wir freuen uns sehr über das ehrenamtliche Engagement, das wir schon lange unterstützen“, sagte er vor dem Finanzausschuss. So stellte die Stadt schon früher Sammelmöglichkeiten zur Verfügung.

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