Landwirte prangern Preisverfall an

Milcherzeuger fordern 15 Cent mehr – Demonstrationen in Weiding, Haag und Waldkraiburg

Martin Hahn und sein Altöttinger Kollege Johannes Krumbachener überreichten die Forderungen eines breiten Bündnisses von Landwirtschaftsverbänden auch in der Weidinger Molkerei an Standortleiter Josef Heigl und Lieferantenbetreuer Josef Schächner.
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Martin Hahn und sein Altöttinger Kollege Johannes Krumbachener überreichten die Forderungen eines breiten Bündnisses von Landwirtschaftsverbänden auch in der Weidinger Molkerei an Standortleiter Josef Heigl und Lieferantenbetreuer Josef Schächner.
  • Peter Becker
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Mit der Übergabe eines Briefes an Schlachthöfe und Molkereien protestierten Bauern gegen die Preise für Milch und Fleisch. In Weiding, Haag und Waldkraiburg fuhren sie mit ihren Traktoren vor, um eine angemessene Entlohung zu fordern

Mühldorf/Polling/Haag – Das war nicht lustig: Pünktlich zum Faschingsauftakt am 11.11. um 11.11 Uhr protestierten Milchbauern aus den Landkreisen Mühldorf und Altötting gegen die ihrer Meinung nach zu niedrigen Milchpreise. Bei der Molkerei Almil in Weiding übergaben Martin Hahn und Johannes Krumbachner ein Informationspapier an Molkereileiter Josef Heigl. Auch vor dem Milchwerk Jäger in Haag fuhren Traktoren auf.

Auch vor dem Milchwerk Jäger in Haag fuhren Bauern mit ihren Traktoren auf. Sie machten deutlich, dass der Preis von derzeit unter 31 Cent je Liter angelieferte Milch die Produktionskosten nicht deckt. Mindestens 15 Cent mehr seien nötig.

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„Wir bekommen momentan weniger als 31 Cent für einen Liter vierprozentiger Milch“, erklärte Hahn, Vorsitzender des Bundes der Milcherzeuger im Landkreis Mühldorf. Das seien niedrigere Preise, als sie bereits vor 30 Jahren gezahlt worden seien, stimmt sein Altöttinger Kollege Johannes Krumbachner ein: „Ich habe einen Beleg meiner Eltern aus dem Jahr 1990. Da wurden noch 80 Pfennig für den Liter gezahlt“, betont der Bio-Landwirt, „und das trotzt Inflation!“.

Erzeugerpreise wie vor 30 Jahren

Einer Studie zufolge müssten die Milcherzeuger für den Inflationsausgleich heute 80 Cent pro Liter bekommen. Dass zwar auch die Tiere heutzutage mehr etwas mehr Milch gäben, als noch vor 30 Jahren, gab hingegen der Weidinger Lieferantenbetreuer Josef Schächner den aufgebrachten Bauern zu bedenken. Schächner ist zwar selbst Landwirt und kann daher die Forderungen nur zu gut verstehen.

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Dennoch sind auch ihm, als Angestellten der Weidinger Molkerei, die Hände gebunden: mit der Überproduktion und der geringen Zahlungsbereitschaft der Kunden für die Milchprodukte hätten die industriellen Hersteller, welche aktuell die einzigen Kunden der Weidinger Molkerei sind, schlagkräftige Argumente.

Demonstrationen in ganz Deutschland

Berechnungen der Milcherzeuger ergeben jedoch, dass sie momentan allesamt draufzahlen. Denn auch die Bio-Landwirte, die bereits jetzt deutlich mehr für ihre Milch bekommen, hätten entsprechend höhere Ausgaben in der Produktion.

Die Forderungen, die daher am Mittwoch zeitgleich in ganz Deutschland an vielen Molkereistandorten übergeben wurden, lauten daher, dass für die Milch mindestens 15 Cent mehr pro Liter gezahlt werden muss, um zu verhindern dass noch weitere Landwirte ihren Beruf ganz aufgeben müssen.

„Ich mache das ja nur noch im Nebenerwerb, weil es anders gar nicht mehr geht“, erklärt Martin Hahn gegenüber dem Mühldorfer Anzeiger. Für Hahn, der seinen Betrieb konventionell führt, ist die Situation noch schwieriger, als für seinen Altöttinger Kollegen, der Bio-Milch erzeugt: Die Preise für Biomilch bewegten sich seit 2013 relativ konstant zwischen 47 und 50 Cent pro Liter. Bei den konventionellen Landwirten hingegen variierten die gezahlten Preise im gleichen Zeitraum sehr stark.

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Von einem Hoch im Jahr 2013, als der Liter kurzzeitig einmal 41 Cent wert war, halbierte sich der Preis zum Tiefststand von weniger als 23 Cent im Sommer 2016.

Von Jahr zu Jahr weniger Geld

Nach einem zwischenzeitlichen Hoch im Herbst 2017, als der Milchpreis nochmals an der 40 Cent-Marke kratzte, ging es wieder stetig bergab bis zum jetzigen Tief-Stand; und die Kurve zeigt weiter nach unten, sagen die Bauern. „Ich bin jetzt gespannt auf den 19. November, dann wollen wir nämlich das heute überreichte Informationspapier zurück haben!“, erklärte der Mühldorfer BDM-Vertreter.

In dem vierseitigen Schreiben ist darüber hinaus nachzulesen, dass für ein Kilo Rindfleisch mindestens ein Euro mehr, für das Kilo Schweinefleisch mindestens 50 Cent mehr und das Kilo Geflügel mindestens 20 Cent mehr bezahlt werden müssen, damit die Landwirte überhaupt kostendeckend arbeiten. Diese Forderungen vertraten Bauern gestern vor dem Schlachthof der Südfleisch in Waldkraiburg

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