Der Vorsitzende der KSK-Mettenheim erklärt, was sein Verein gegen Nachwuchssorgen unternimmt

Johann Schneider ist seit 2007 Vorsitzender der Mettenheimer KSK. Kretschko

Bis heute hält der Verein das Andenken an Opfer der Kriegs-, Gewalt- und Terrorherrschaft wach, wozu es der Stärkung in den eigenen Reihen bedarf. Gelegenheit dafür bietet die für Samstag, 23. November, um 20 Uhr geplante Filmvorführung beim Kreuzer-Wirt über das 100. KSK-Gründungsfest von 2009.

Mettenheim –  Vor 110 Jahren gründeten Soldaten und Kriegsteilnehmer von 1870/71 eine „Militärvereinigung“ in Mettenheim, die nach dem Ersten Weltkrieg als „Krieger- und Veteranenverein“ neu erstand und nach der Bundeswehrgründung 1955 zur Krieger- und Soldatenkameradschaft (KSK) umbenannt wurde. Bis heute hält der Verein das Andenken an Opfer der Kriegs-, Gewalt- und Terrorherrschaft wach, wozu es der Stärkung in den eigenen Reihen bedarf. Gelegenheit dafür bietet die für kommenden Samstag, 23. November, um 20 Uhr geplante Filmvorführung beim Kreuzer-Wirt über das 100. KSK-Gründungsfest von 2009. Im Vorfeld befragte die Heimatzeitung den heutigen Vorsitzenden der KSK und einstigen Vorsitzenden des Festausschusses zum 100. Vereinsjubiläum, Johann Schneider.

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Gerade begingen die Mettenheimer wieder unter maßgeblicher Beteiligung der KSK den Volkstrauertag am Kriegerdenkmal. Warum blickt der Verein wenige Tage danach mit einem Film auf sein 100. Jubiläum zurück?

Schneider: Weil wir die Öffentlichkeit noch einmal teilhaben lassen wollen an unserem vom 11. bis 15. Juni 2009 ausgerichteten großen Jubiläumsfest, dem absoluten Höhepunkt in der Vereinsgeschichte. Wir haben damals wahnsinnig viel Arbeit hineingesteckt. Deshalb wollten wir auch keinen 0815-Film darüber drehen. Martin Wieser, Wolfgang Mooshuber, Georg Kolm und Robert Müller lieferten uns das Material für den Film, Josef Pöllmann übernahm Kommentar und Bearbeitung während Margha Mühldorf für professionelles Marketing sorgte. Das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen! Allein wegen seiner Authentizität und den gezeigten allgemein bekannten Personen dürfte der Film nicht nur für KSK-Mitglieder und deren Angehörige interessant sein. Bei der Filmvorführung kann eine entsprechende DVD mit USB-Stick zum Selbstkostenpreis von zehn Euro erworben werden.

Wenn dieser Film für die Mettenheimer Krieger- und Soldatenkameradschaft kein Grund für berechtigten Stolz ist…

Schneider: … ist er ohne Zweifel und das im doppelten Sinne – einerseits wegen des gelungenen Rückblicks auf das 100. Gründungsfest und andererseits anlässlich des heuer 110. Jubiläums unseres Vereins.

Was macht die Kameraden heute stark?

Schneider: Wir sind immerhin 145 ehemalige Reservisten und passive Mitglieder im Verein, wenn es auch seit dem Tod von Johann Frauendienst bei uns keinen Kriegsteilnehmer mehr gibt. Doch unsere Aufgabe bleibt trotzdem aufs Engste mit der deutschen Geschichte verbunden. Wir wissen um unseren wichtigen Beitrag zur Aufrechterhaltung der Erinnerungskultur, mit dem wir helfen, den Frieden in der Gegenwart zu festigen.

Das gilt hoffentlich auch für die Zukunft

Schneider: Das liegt uns besonders am Herzen. So sammeln wir jedes Jahr etwa 2500 Euro zugunsten des „Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge“ und freuen uns, dass die Mettenheimer Bevölkerung so eifrig spendet. Aus eigener Erfahrung kann ich außerdem nur jedem, speziell den Jüngeren, empfehlen, einmal selbst an einer Kriegsgräberfahrt des Landkreises ins europäische Ausland teilzunehmen. Wenn die Besucher auf den Soldatenfriedhöfen die endlosen Reihen mit Kreuzen abgehen, fällt ihnen auf, dass die meisten Deutschen, die in einem sinnlosen Krieg gestorben sind, zwischen 18 und 25 Jahren alt waren. Das macht die meisten sehr nachdenklich. Vielleicht bekommen sie so ein Gespür für den Kriegswahnsinn und begreifen, dass sich das nie wiederholen darf. Auch ich bin jedes Mal wieder beeindruckt und mit mir sind es etwa 20 weitere Leute aus Mettenheim, die alljährlich die Kriegsgräberstätten besichtigen.

Trotzdem scheint es kein leichter Weg zu sein, von der Erkenntnis zur Tat zu schreiten und beispielsweise Mitglied in der KSK zu werden?

Schneider: Stimmt. Leider verblasst die Erinnerung an den Krieg mit dem Tod der Zeitzeugen. Mittlerweile liegt das Ende des Zweiten Weltkrieges 74 Jahre zurück. Und nach dem Wegfall der Wehrpflicht im Jahr 2011 fanden die Jüngeren auch keinen automatischen Bezug mehr zu den Reservisten. Insofern ist es für unseren Verein schwierig, Nachwuchs zu generieren, und wir öffneten uns für eine Handvoll Frauen. Ungeachtet dessen sehen wir optimistisch in die Zukunft, denn die 60 Millionen Toten des Zweiten Weltkrieges sind Mahnung genug, sich weiterhin gegen eine Wiederholung der Schrecken einzusetzen. Dafür kämpfen wir und knüpfen bei einer Vielfalt von Veranstaltungen wie bei der angekündigten Filmvorführung, Kontakte, um Mitstreiter(innen) zu gewinnen.

Interview: Christiane Kretschko

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