Nach Ausbruch in Asylunterkunft

Massiv von Corona betroffen - So reagiert die Regierung von Oberbayern auf die Kritik aus Mettenheim

Während der Schulschließungen im Frühjahr waren es überwiegend Mütter, die neben ihrer beruflichen Arbeit den Heimunterricht geschultert haben. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
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Der Unterricht findet für die Grundschüler in Mettenheim jetzt erst einmal zu Hause statt (Symbolfoto).
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37 weitere Corona-Fälle zählt das Landratsamt Mühldorf nach der Reihentestung in der Asylunterkunft in Mettenheim. Das hat auch Folgen für den Schulbetrieb an der Grundschule in Mettenheim. Auch das Rathaus arbeitet im Krisenmodus.

Update 23. November, 18.15 Uhr

Mettenheim/Mühldorf – Absperrband und Sicherheitskräfte in Schutzanzügen: Unmissverständlich wird nach einem Corona-Ausbruch in der Mettenheimer Gemeinschaftsunterkunft (GU) für Asylbewerber klar gemacht, auf jeden Fall Abstand zu halten. Nachdem in der vergangenen Woche bekannt geworden war, dass drei Bewohner infiziert sind, wurden bei einer Reihentestung weitere 37 Personen positiv auf das Corona-Virus getestet. Die Einrichtung steht unter Quarantäne, Bewohner wurden verlegt.

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Die ersten drei Corona-Fälle wurden nach einer Testung am Arbeitsplatz bekannt. Die Personen wurden verlegt, das Haus unter Quarantäne gestellt und eine Reihentestung für die übrigen Bewohner angeordnet. Das Ergebnis: Weitere 37 der 41 Bewohner sind mit dem Corona-Virus infiziert, wie das Landratsamt am Sonntag mitteilte. Damit steigt die Zahl der Infizierten auf 40.

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Kurzfristiger Umzug nach Waldkraiburg

Wie die Regierung von Oberbayern auf Nachfrage mitteilt, geht es allen Personen nach aktuellen Kenntnissen soweit gut. „Sie weisen keine oder allenfalls leichte Krankheitssymptome auf“, sagt Pressesprecher Wolfgang Rupp.

In der Regel werden positiv getestete Bewohner in solchen Fällen in eine spezielle Unterkunft verlegt. In dieser Situation ziehen vorübergehend die negativ Getesteten in eine Unterkunft in Waldkraiburg um, die kurzfristig angemietet wurde. „Allen negativ getesteten Personen, auch jenen, die sich mit einem positiv getesteten Fall in einem Familienverband befanden, wurde angeboten, vorübergehend dorthin umzuziehen“, erklärt Rupp. Das Angebot haben bislang nur neun Personen angenommen. Nach Ende der Quarantäne können alle nach Mettenheim zurück.

Risikopatienten werden separat untergebracht

Mit Rücksicht auf Risikogruppen habe man bereits Belegungsstrukturen in Unterkünften der Regierung von Oberbayern entzerrt und weitere organisatorische Änderungen zur besseren Einhaltung der Abstandsgebote umgesetzt. Für Risikopatienten wurde beispielsweise die Unterbringung in separaten Bereichen oder Zimmern möglich gemacht.

Doch es gibt Grenzen: „Es wird ständig geprüft, die Belegungsstruktur in den Unterkünften weiter zu entzerren. Die Möglichkeiten sind aber angesichts des sehr angespannten oberbayerischen Immobilienmarkts begrenzt“, so Rupp. Für die getrennte Nutzung insbesondere der Sanitärbereiche werden individuelle Nutzungszeiträume festgelegt. In Mettenheim gibt es jeweils einen Sanitärbereich für jedes Geschlecht, darin jeweils mehrere abgetrennte Duschkabinen und Toiletten.

Regierung von Oberbayern über Hygienepläne

Für alle Unterkünfte gebe es Hygienepläne. Längst wurden angesichts der hohen Inzidenzwerte besondere Zugangsregeln für Besucher getroffen, um das Infektionsrisiko zu minimieren. Bereits seit dem Frühjahr werden die Bewohner sensibilisiert, Abstand zu halten, Kontakte zu reduzieren und einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen.

Während der Quarantäne organisiert die Regierung ein Catering für die Bewohner, außerdem bekommen die Bewohner Hygienepakete und Schutzmaterialien. Bereits vor dem Ausbruch seien ausreichend Desinfektionsmittel und bei Bedarf Mund-Nasen-Masken und weiteres Hygienematerial ausgegeben worden. „Dass sich das allgemein hohe Infektionsgeschehen auch auf Gemeinschaftsunterkünfte wie in Mettenheim auswirkt, lässt sich trotz aller ergriffenen Vorsichtsmaßnahmen leider nicht ausschließen“, sagt Rupp.

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Erstmeldung 23. November

Mettenheim/Mühldorf – In der Grundschule Mettenheim sind drei Klassen in die Quarantäne geschickt worden, nachdem fünf Kinder in den Jahrgangsstufen eins und zwei sowie in der Kombiklasse 1/2 positiv auf das Corona-Virus getestet worden sind. 53 Schüler werden ab sofort im Homeschooling betreut.

Grundschule Mettenheim hat schon Erfahrung im Heim-Unterricht

Nach den Erfahrungen des ersten Lockdowns in diesem Jahr trifft das die Schule nicht unvorbereitet, Schulamtsdirektorin Gabriele Rottmüller sieht die Grundschule in Mettenheim dafür gut aufgestellt. „Es gibt verschiedene Kanäle, über die die Grundschüler jetzt beschult werden. Entweder über Telefon, online, oder die Schüler erhalten die entsprechenden Arbeitsblätter ausgehändigt. Wir hatten im ersten Lockdown Lehrer, die mit dem Rad unterwegs waren, damit die Schüler an die Unterrichtsmaterialien kommen“, berichtet Rottmüller.

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Sie betont, dass täglich mindestens einmal der persönliche Kontakt mit den Kindern aufgenommen wird. „Gerade in den ersten und zweiten Klassen ist die Bindung sehr wichtig“, so Rottmüller, die sich dabei auf ein engagiertes Lehrerkollegium verlassen könne. „Drei Lehrer haben sich in freiwillige Quarantäne begeben und unterrichten von zu Hause aus. Mit vereinten Kräften versuchen wir, das Bestmögliche herauszuholen.“

Schüler bekommen Unterstützung für den Unterricht zu Hause

Im Online-Bereich nutze man die Plattform BigBlueButton, ein Open-Source-Webkonferenzsystem, um in persönlichen Kontakt mit den Kindern zu treten. Sie betont dabei aber auch, dass längst nicht alles über den Bildschirm abläuft. „Wer schon mal Homeoffice gemacht hat, weiß, wie anstrengend das sein kann. Bei Kindern im Grundschulalter lässt nach einer gewissen Zeit die Konzentration nach.“

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Wie in anderen Gemeinden ist man auch in Mettenheim mit der Situation konfrontiert, dass nicht jeder Schüler zu Hause über die technischen Voraussetzungen verfügt. Hier ist die Gemeinde schon vor einigen Monaten tätig geworden, hat über ein Förderprogramm Tablets angeschafft, die sie Familien bei Bedarf als Leihgeräte zur Verfügung stellen kann. Zehn Stück stehen zur Verfügung, wie Schulleiterin Andrea Zankl mitteilt.

Die 14 Tage werden wir schon gemeinsam schultern.

Schulleiterin Andrea Zankl über den Distanz-Unterricht wegen eines Corona-Ausbruchs in Mettenheim

Seit Montag früh ist sie in Kontakt mit den Eltern, bespricht sich mit ihnen, stellt Arbeitsmaterialien zur Verfügung. „Die Kommunikation läuft in erster Linie über die Eltern, indem man Arbeitsutensilien auf eine Online-Pinnwand hochlädt. Die Schüler sind fast noch zu klein, um sie online zu beschulen. Die sitzen mit großen Augen vor den Bildschirmen, trauen sich aber nicht, etwas zu sagen.“

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Das Verständnis der Eltern sei groß, „die 14 Tage werden wir schon gemeinsam schultern“, ist Zankl zuversichtlich. Freilich verbunden mit der Hoffnung, dass keine weiteren positiven Fälle hinzukommen und die älteren Jahrgangsstufen weiterhin vor Ort beschult werden können.

Mettenheimer Bürgermeister kritisiert Zustände in der Asylunterkunft

Seit dem der Ausbruch in der Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber bekannt wurde, befindet sich auch das Rathaus in Mettenheim im Krisenmodus. „Es ist genau das eingetroffen, was ich schon vor einiger Zeit prophezeit hatte: Dass die Unterkunft in Mettenheim nämlich zu klein ist und im Falle von positiven Fällen eine Reihe von Menschen betroffen sein könnte“, bedauert Bürgermeister Josef Eisner die Tatsache, dass mehr als die Hälfte der Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft nun positiv auf das Coronavirus getestet worden sind.

Ein Frauenbad, ein Männerbad, gemeinsame Küchen und Aufenthaltsräume – Eisner bezeichnet die Unterbringung in Zeit von Corona als „menschenunwürdig“.

Zu viele Leute auf zu engem Raum – frühzeitig habe er deshalb mit den Behörden das Gespräch gesucht. Auch am Wochenende, als man sich zur aktuellen Situation mit Vertretern des Landratsamtes, des Gesundheitsamtes sowie der Regierung beraten hatte, seien die beengten Verhältnisse in der Unterkunft angesprochen worden.

Negativ getestete Asylbewerber in andere Unterkunft verlegt

Frühzeitig habe er darüber auch schon mit den Behörden Gespräche darüber geführt, wie eine Verbesserung der Situation bewerkstelligt werden könnte. „Die Antwort der dafür zuständigen Regierung von Oberbayern war, dass kein Platz zur Verfügung steht, um die Asylbewerber zu verteilen.“ Jetzt nach den Positiv-Fällen sei dies endlich erfolgt. Die Negativ-Getesteten seien mittlerweile in ein Haus nach Waldkraiburg umgesiedelt worden.

In seiner Gemeinde gelte es nun, die Asylbewerber zu unterstützen, die sich in Mettenheim in Quarantäne zu begeben haben. Noch am Wochenende hat die Gemeinde Mettenheim auf ihrer Internetseite einen Aufruf gestartet und um Mithilfe aus der Bevölkerung gebeten, etwa um Essen, Verpflegung und Dinge des täglichen Bedarfs zu besorgen. Nähere Auskunft dazu erteilt Petra Asanger im Rathaus unter Telefon 08631/167730.

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