Messerstiche in Rücken und Bauch - Mühldorfer (79): „Mein letzter Wunsch war Rache“

In diesem Sechsparteienhaus in Mühldorf Süd tötete ein 79-Jähriger seinen Nachbarn im Streit um den Standort eine Waschmaschine. Vor Gericht gab er die Tat erneut zu.
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In diesem Sechsparteienhaus in Mühldorf Süd tötete ein 79-Jähriger seinen Nachbarn im Streit um den Standort eine Waschmaschine. Vor Gericht gab er die Tat erneut zu.
  • vonMonika Kretzmer-Diepold
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Der Täter ist geständig: Vor dem Schwurgericht in Traunstein begann der Prozess gegen einen 79-Jährigen, der seinen Nachbarn in der Waschküche der gemeinsamen Wohnung in Mühldorf erstochen hat. Motiv: Das 68-jährige Opfer hatte seine eigene Waschmaschine an einen neuen Platz gestellt.

Traunstein/Mühldorf – Ein Streit um die Position einer Waschmaschine im Keller eines Anwesens in Mühldorf endete für einen 68-jährigen fünf Wochen später tödlich. Sein Nachbar, ein 79-Jahre alter Rentner, versetzte ihm von hinten einen Stich mit einem Küchenmesser in den Rücken und danach einen von vorne in den Bauch. Große Blutgefäße wurden durchtrennt, das Opfer verblutete. Jetzt stand der Täter vor dem Schwurgericht Traunstein mit Vorsitzendem Richter Erich Fuchs. Er hat die Tat gestanden.

Streit um Waschmaschine

Er berichtete am Dienstag (23. Juni) ausführlich über den Tattag, der eine Vorgeschichte hat. Im Sommer vor der Tat habe es eine Mieterwechsel in dem Sechsparteienhaus gegeben, in dessen Verlauf der später getötete 68-Jährige seine Waschmaschine im gemeinsamen Waschraum an eine andern Ort gestellt habe.

Darüber gerieten die beiden am 28. August in Streit: „Er hat mich verrückt gemacht.“ Der ihm körperlich überlegene 68-Jährige habe ihn geschlagen – mit den Fäusten und einem Straßenbesen. Dabei habe er schwere Verletzungen am Arm erlitten, so der Angeklagte.

Sein letzter Wunsch war Rache

Nach seiner Strafanzeige habe die Polizei Fotos gemacht, aber drei Wochen lang nichts unternommen, so der Angeklagte weiter. Er sei von Arzt zu Arzt gelaufen wegen seiner Schmerzen im rechten Arm, habe nachts nicht schlafen können.

"Ich hab gewartet, dass ich sterbe. Mein letzter Wunsch war Rache", berichtete der Angeklagte. "In den Nächten hab ich überlegt, was ich mache. Mit den Fäusten hatte ich keine Chance. Er war ein starker Mann.“

Staatsanwalt spricht von Mord aus Heimtücke

Gemäß Anklage von Staatsanwalt Markus Andrä wegen Mords aus Heimtücke versteckte der 79-Jährige in seinem Kellerabteil ein etwa 20 Zentimeter langes Küchenmesser in einem Einkaufsbeutel aus Stoff – mutmaßlich mit der Absicht, den Nachbarn zu töten. Er folgte dem Kontrahenten am 5. Oktober gegen Mittag in den Keller, in der Tasche das Messer.

Der Jüngere stand laut Anklage nichts ahnend zwischen Trockner und Waschmaschine, als der 79-Jährige von hinten an ihn herantrat und ihn mit dem in dem Einkaufsbeutel verborgenen Messer in den Rücken stieß. Das Opfer drehte sich um, da stach der Täter von vorne zu. Der erste Stich in die Lendenregion durchtrennte die untere Hohlader. Der zweite Stich ging durch den rechten Rippenbogen in die Bauchhöhle, drang tief in die Leber ein und durchschnitt einen Ast der Pfortader.

Der Sterbende schrie um Hilfe

Der 68-Jährige schrie laut auf Russisch um Hilfe und versuchte, sich zu wehren. Dabei zog sich der 79-Jährige Schnittverletzungen an den Händen zu. Anschließend verließ er den Keller und rief selbst die Polizei an. „Ich hab' den Nachbarn gestochen“, soll er gesagt haben.

Hausbewohner hörten die Hilferufe und leisteten dem Schwerverletzten Erste Hilfe. Beim Eintreffen der Rettungskräfte und der Polizei war der blutüberströmte 68-Jährige schon bewusstlos. Er starb um 14.18 Uhr im Krankenhaus Mühldorf – infolge eines Schocks durch massiven Blutverlust, wie gestern zwei rechtsmedizinische Sachverständige der Uni München erläuterten.

Zuerst waren sie gute Freunde

Der Angeklagte war 2009 in das Mehrfamilienhaus gezogen, der Getötete kam einige Jahre später dazu. Anfangs waren die beiden „gut Freund“. Nach mehrfachen Streitereien wegen Werbeprospekten im Briefkasten und wegen eines verkehrt abgestellten Anhängers verschlechterte sich das Verhältnis immer mehr – mit tödlichem Ausgang.

Der 79-Jährige mit Verteidiger Axel Reiter zur Seite beteuerte vor Gericht mehrfach, er habe den anderen nicht töten, „ihm nur Schmerzen machen wollen“. Bei der Polizei hatte der Mann laut Aussagen eines Beamten dagegen gesagt, er habe „schon länger überlegt, den Nachbarn aus Rache zu töten“. Der Zeuge weiter: „Ich hatte den Eindruck, dass es ihn kalt gelassen hat, dass ein Mensch gestorben ist.“

Am kommenden Freitag, 26. Juni, fällt das Urteil.

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