Leserumfrage zur Notaufnahme

Zertifikat für die Notaufnahme am Klinikum Mühldorf: Was das den Patienten bringen soll

Das neue Informationssystem: Auf Bildschirmen können alle Wartenden verfolgen, wie viele Patienten aktuell in der Notaufnahme versorgt werden und wie schwer deren Erkrankung ist. Das geschieht natürlich anonymisiert, verschafft aber eine guten Überblick. Und, das hofft die Krankenhausleitung, fördert die Geduld der Wartenden. hon
  • Markus Honervogt
    vonMarkus Honervogt
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Die Notaufnahme des Krankenhauses in Mühldorf hat sich zertifizieren lassen. Genau festgelegte Prozesse und Zuständigkeiten sollen Patienten eine sichere Behandlung bringen. Die viel kritisierte Wartezeit wird es trotzdem weiter geben.

Mühldorf – Mit der Zertifizierung der Notaufnahme will das Krankenhaus Mühldorf einen der schwierigsten Bereiche in jedem Krankenhaus entschärfen: die Notaufnahme. Ob als Ansaugrohr oder Aushängeschild, wie Ärztlicher Direktor Dr. Wolfgang Richter sie bezeichnet, der erste Kontakt mit der Klinik verläuft in vielen Fällen über die Notaufnahme und entscheidet über das Bild, das Patienten vom Krankenhaus mit nach Hause nehmen.

Um die Qualität der Notaufnahme zu erhöhen, hat die Kreisklinik jetzt die wichtigsten Arbeitsschritte genau festgelegt und erfasst. Das Zertifikat der Deutschen Gesellschaft für interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin (DGINA) soll belegen, dass diese Festlegung gelungen ist. Laut Richter ist das Krankenhaus Mühldorf die Nummer 19 aller Krankenhäuser in Deutschland, die sich haben zertifizieren lassen.

Patienten klagen über langes Warten

Denn kein Bereich des Krankenhauses ist so kritikanfällig, wie die Notaufnahme. Patienten klagen regelmäßig über lange Wartezeiten und Behandlung durch Ärzte, die keine Fachärzte sind. Dann steht ein Internist, wo ein Chirurg gebraucht würde, ein junger Kollege, wo Erfahrung gefragt wäre.

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Diese Kritik sei bekannt, schon vor Längerem habe die Klinik reagiert, sagte Richter. Von 8 bis 21.30 Uhr arbeiteten verschiedene Fachärzte in der Notaufnahme, die „eine Behandlung auf Oberarzt-Niveau ermöglichen“. Danach gebe es einen Bereitschaftsdienst, durch den sofort Unterstützung geholt werden könne.

Damit Patienten die Situation besser einschätzen können, werden sie auf Monitoren über die Zahl der Patienten und die Schwere ihrer Erkrankung informiert. Das soll Verständnis für Wartezeiten wecken, sagt der Leiter der Notaufnahme, Dr. Peter Rupp, auf dessen Initiative die Monitore zurückgehen. Denn Wartezeiten, sagt Richter, wird es auch künftig geben, wenn abends oder am Wochenende der Andrang groß ist.

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Um in diesen Phasen eine gute Behandlung sicherzustellen, hat Chefarzt Rupp die Zertifizierung durchgesetzt. „Wir haben alles hinterfragt und einen großen Teil der Arbeitsabläufe neugestaltet“, betonte er. Die festgelegten Prozesse und deren Einhaltung sind in diesem Bereich besonders wichtig, da die Mitarbeiter oft unter hohem Arbeitsdruck stünden, wie Richter betont. Ein genau festgelegtes Vorgehen, hinterlegte Untersuchungs- und Behandlungsmuster, klare Kommunikationswege: All das beinhalten die zertifizierten Prozesse

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Die reichen von der Aufnahme am Empfangstresen über die Erstuntersuchung bis zu Behandlung durch eine Arzt (siehe Grafik). In ihnen ist auch festgelegt, wie lange ein Patient bei welcher Erkrankung maximal warten muss.

Nicht nur im Wartebereich hängen deshalb Monitore, auch dort wo Pfleger und Ärztinnen arbeiten. „So haben wir ständig die Übersicht, wer wo in Behandlung ist mit allen Informationen zu den Beschwerden“, sagt Rupp. Sollte die vorgegebene Wartezeit überschritten werden, gibt es ein Signal auf den Monitoren.

Persönlicher Kontakt ist entscheidend

Neben den organisatorischen Voraussetzungen betonte Richter die Bedeutung des Personals. „Entscheidend in der Wahrnehmung der Patienten ist der persönliche Kontakt.“ Um bei oft hohem Arbeitsdruck patientenorientiert arbeiten zu können, brauche es neben der fachlichen Kompetenz, „fertige Menschen und Personen, die sich dieser Situation stellen können“.

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Landrat Georg Huber betonte, das Mühldorf auch nach der Klinikfusion eine echte Notaufnahme behalten werde. „Das heißt, dass alle Patienten bei uns andocken können und behandelt werden.“ Er warb um Verständnis, dass Patienten mit leichteren Beschwerden oder Erkrankungen länger warten müssten als Schwerkranke. Die Zahl der Patienten nehme zu, weil das Krankenhaus zur zentralen Anlaufstation geworden sei, vor allem in Zeiten, in denen Ärzte am Abend oder Wochenende nicht erreichbar wären. „Wer warten muss, kann auch warten, weil es bei ihm nicht so dringend ist.“ Lebensbedrohliche und schwere Fälle würden natürlich zuerst behandelt. Das gelte in allen Notaufnahmen, betonte Huber.

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