Interview

Startschuss mit Corona im Nacken: Mühldorfer Landrat Maximilian Heimerl 100 Tage im Amt

Mühldorfs Landrat Max Heimerl hat sehr intensive 100 Tage hinter sich.
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Mühldorfs Landrat Max Heimerl hat sehr intensive 100 Tage hinter sich.
  • Josef Bauer
    vonJosef Bauer
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Mühldorf – Für viele war es eine Überraschung, dass Max Heimerl (CSU) es im ersten Wahlgang ins Amt schaffte. Jetzt ist er seit 100 Tagen Landrat, drei Monate, die vor allem vom Kampf gegen Corona geprägt waren. Dieses Thema, sagt der Landrat, wird seine Arbeit weiter stark prägen.

Wie kamen Ihnen die ersten 100 Tage im Amt des Mühldorfer Landrats vor?

Maximilian:Die Zeit war sehr intensiv. Insbesondere die ersten Wochen waren stark von den Auswirkungen der Corona-Pandemie geprägt. Hinzu kam die Anschlagsserie in Waldkraiburg. Mein erster öffentlicher Termin war die Mahnwache gegen Rassismus und Gewalt.

Wie stark lastet die Verantwortung in Coronazeiten auf Ihnen?

Heimerl: Für viele war es eine Überraschung, dass Max Heimerl (CSU) es im ersten Wahlgang ins Amt schaffte. Jetzt ist er seit 100 Tagen Landrat.Das ist schon eine enorme Herausforderung, denn hier geht es ja um den Schutz der Gesundheit, ja sogar des Lebens jedes Einzelnen. Es gab zwar in Deutschland Pandemie-Pläne in der Schublade, aber in der praktischen Umsetzung waren sie nicht erprobt. Hier haben wir eine Lernkurve hinter uns und wertvolle Erfahrungen gemacht, was gut funktioniert und was noch verbessert werden muss. Das war wirklich eine großartige Leistung aller Helfer und Organisationen. Generell ist die Unsicherheit das Schlimmste, was die Menschen belastet. Daher ist es wichtig, dass die Verwaltung schnell Entscheidungen trifft und danach handelt. Das ist uns, denke ich, im Zusammenspiel mit allen Kräften gelungen.

Sie haben auch die Diskussion um die Geburtsstation in Mühldorfer geführt?

Heimerl: Zunächst einmal hat sich die Krankenhausfusion für die Bewältigung der Auswirkungen der Corona-Pandemie als Segen erwiesen. Mit der frühen Entscheidung, die Klinik in Mühldorf als Covid-Zentrum auszubauen, waren wir sehr gut vorbereitet, als sich das Infektionsgeschehen ausbreitete. Dabei konnte der reguläre Betrieb für Nichtinfizierte an den weiteren Standorten aufrechterhalten werden. Das hat sich auch bewährt – für die Versorgung der Bevölkerung in den beiden Landkreisen Mühldorf und Altötting und für das InnKlinikum. Die Patientenzahlen gingen deutlich weniger in der Corona-Hochphase zurück als im Bundesdurchschnitt.

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Die Entbindungsstation blieb aber darüber hinaus geschlossen.

Heimerl:In der Corona-Phase konnte die seit März geschlossene Entbindungsstation in Mühldorf nicht reaktiviert werden. Es stand aber für mich immer außer Frage, dass die Geburtshilfe ein wesentlicher Bestandteil für die Zustimmung zur Fusion der Kliniken war. Daher habe ich mich auch in den vergangenen Wochen mit Nachdruck für den Erhalt eingesetzt. Ich bin sehr froh, dass wir im Verwaltungsrat gemeinsam hier ein klares Votum für den Erhalt erzielt haben.

Wie trifft Corona die Städte und Gemeinden?

Heimerl: Die Steuereinnahmen, insbesondere zur Gewerbesteuer und Einkommenssteuer im ersten Halbjahr sind im Vergleich zu 2019 um rund acht Millionen Euro eingebrochen. Die Haushalte der Gemeinden und Städte sind 2020 von den Steuerausfällen betroffen. Der Landkreis wird das massiv bei seiner Haushaltsplanung für das Jahr 2022 zu spüren bekommen, da hierfür die gemeindlichen Steuereinnahmen aus 2020 maßgeblich sind. Auch der pauschale Ausgleich von Gewerbesteuerausfällen im Rahmen des kommunalen Solidarpakt für das Krisenjahr wird nicht ausreichen, um die Steuerausfälle zu kompensieren.

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Welche Folgen hat das fürdie Bezirksumlage, die der Landkreis zahlen muss?

Heimerl: Das lässt insgesamt nichts Gutes ahnen, da sich der Rückgang der Umlage- und Steuerkraft bei gleichzeitig steigenden Sozialausgaben auf die Festsetzung der Bezirksumlage auswirken wird. Trotz dieser zum jetzigen Stand nicht rosigen Aussichten für 2022 wird der Landkreis bei den bevorstehenden Haushaltsplanungen für das Jahr 2021 die finanzielle Situation der Gemeinden berücksichtigen. Der Landkreis hat vorausschauend seine Ergebnisrücklage zum Ausgleich künftiger Fehlbeträge aufgestockt und mehr Flexibilität für die Haushaltsplanung 2021 gewonnen.

Sind die Investitionen im Schulbereich von über 100 Millionen Euro möglich?

Heimerl:Eine seriöse Antwort zur zeitlichen Umsetzung der Investitionen lässt sich frühestens mit der Haushaltsplanung 2021 im Herbst geben. Wenn irgendwie möglich, wollen wir unseren Investitionsplan halten. Unser Landkreis ist aber immer noch überdurchschnittlich verschuldet. Es sind uns also Grenzen gesetzt, die Corona-Folgen mit zusätzlichen Schulden aufzufangen.

Welche Umstellung in Ihr neues Amt hat Sie überrascht?

Heimerl: Ich kenne das Landratsamt und viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus meiner Zeit als Abteilungs- und Geschäftsstellenleiter, insofern wusste ich, was auf mich zukommt. Ich habe mein Amt mitten in der Corona-Hochphase angetreten, in der sich die gesamte Verwaltung mit ihren ganz unterschiedlichen Bereichen umstellen musste. Herausfordernd waren vor allem sich ständig verändernde Rahmenbedingungen und neuartige Problemstellungen, für die gemeinsam schnell eine Lösung gefunden werden musste. Viele der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hier haben sich darüber hinaus kurzfristig in neue Aufgabengebiete im Katastrophen- und im Gesundheitsschutz eingearbeitet und arbeiten auch an den Wochenenden durch. Dafür möchte ich mich hier auch einmal sehr herzlich bei allen bedanken.

Wo geht es im Urlaub hin?

Heimerl:In diesem Jahr bleibe ich mit meiner Familie in den Sommerferien im Land. Uns zieht es in den Schwarzwald. Draußen in der Natur Entspannung pur, Zeit füreinander haben, den Kopf freibekommen. Da sind wir uns alle nach den anstrengenden Wochen einig. Auch nach dem Urlaub wird uns das Corona-Virus erhalten bleiben. Wir dürfen also nicht leichtsinnig werden. Daher mein Appell an alle: Aufeinander Acht geben, Abstand halten und Mund-Nasen-Schutz tragen. Wir müssen jederzeit auf lokale Ausbrüche vorbereitet sein. Wir müssen jederzeit auf lokale Ausbrüche vorbereitet sein. Wir müssen gut beobachten, wie sich das Infektionsgeschehen nach dem Ende der Ferien verhält, damit wir mögliche Infektionsketten schnell unterbinden können. Wir sind im Landkreis jedenfalls gut gerüstet.

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