Mathilde Mannseicher sorgt seit 20 Jahren dafür dass Menschen Kriegsgräber pflegen

Vergangenes Jahr sprach hielt Mathilde Mannseicherauf dem Soldatenfriedhof in Ysselsteyn/Holland die mahnenden Worte des Friedens. Stettner

Eigentlich wäre um diese Zeit Hochsaion bei Mathilde Mannseicher aus dem Vorstand des Kreisverbandes der Krieger-Soldaten-Reservistenkameradschaften. Jedes Jahr organisiert sie mit ihrem Team die Kriegsgräberfahrten. Viele Jugendliche nehmen an diesen Fahrten in ihren Ferien teil.

Mühldorf/Zangberg – Mit dem Ziel Kiel wäre man 2020 in Deutschland geblieben. „Doch ob die Fahrt stattfinden kann, steht noch in den Sternen“, so die Organisatorin. „Eigentlich müssten wir bis spätestens Ende Mai unsere Buchungen fix machen, und die Briefe an die Mitreisenden sollten rausgehen. Doch das alles ruht.“ Natürlich kommen viele Anrufe mit Fragen zur Fahrt, doch Mathilde Mannseicher bittet um Geduld, bei Neuigkeiten würden alle informiert.

Viele junge Teilnehmer

Seit fast zwei Jahrzehnten organisiert sie die Reisen, die durch ganz Europa gehen. Dabei sind Mitfahrer aus dem Landkreis und darüber hinaus. Und wer meint, an Kriegsgräberfahrten nähmen vorwiegend Senioren teil, täuscht sich: Das Alter der Teilnehmer liegt zwischen 27 und 90 Jahren.

In den fünf Tagen der Fahrt wird ein abwechslungsreiches Programm angeboten, bei dem alle Altersgruppen mitmachen können. „Natürlich sind immer welche dabei, denen es man nicht recht machen kann, aber bei meist über 120 bis 150 Mitfahrern kann man das auch nicht“, sagt sie.

Die Organisation ist mit sehr viel Arbeit verbunden, gerade kurz vor den Fahrten kommen Absagen oder Anfragen für freie Plätze. Da heißt es schnell agieren.

Tiefe und feste Freundschaften über die Jahre entstanden

Auch während der Fahrten steht sie als „Mädchen für alles“ zur Verfügung. „Da kann ich mir schon mal was anhören. Aber was überwiegt, ist doch das Lob, das wir jedes Jahr bekommen. Und das Wichtigste ist, das alle wieder gesund zuhause ankommen.“ Und kaum daheim geht es wieder los, denn nach dem Ausflug ist vor dem Ausflug. Warum sie die Fahrten so gerne organisiert? Darauf lautet ihre Antwort, dass sich über die Jahre viele tiefe und feste Freundschaften entwickelt haben. Nicht umsonst lautet der Slogan „Unterwegs mit uns – unterwegs mit Freunden“.

Gedenken an Kriegstote soll lebendig bleiben

Dass ihr die Reisen am Herzen liegen, begründet sie so: „Das Gedenken an die Kriegstoten und Opfer der Gewaltherrschaft soll lebendig bleiben, weil sie Zeugnis einer bis heute fortgesetzten Kette von Kriegen und Versuchen gewaltsamer Lösungen politischer Probleme sind. Der Kreisverband leistet so hervorragende Friedensarbeit und hält die Erinnerung an die Menschen wach, die während der beiden Weltkriege den Kriegsereignissen und der Gewaltherrschaft zum Opfer fielen. Jeder hat irgendwie mit dem Krieg zu tun.

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Sei es, dass Vater, Bruder oder Opa, für uns in den Kampf gezogen sind. Nicht weniger litten damals die Mütter, Frauen, Töchter – oft bis heute. In jeder Familie hat es so ein Schicksal gegeben. Doch in heutigen Zeiten will man vom Krieg nichts mehr wissen. Aber dieses Gedenken ist wichtig, um die Geschichte aufrecht zu erhalten.“ Gerade für die Jungen wäre es lehrreich, sich an solchen Fahrten zu beteiligen, meint sie, um ihnen die guten Zeiten, in denen wir leben, bewusst zu machen.

Ergreifende Zeremonie für gefallene Soldaten

Unterwegs werden die deutschen Soldatenfriedhöfe besucht. Mit einer ergreifenden Zeremonie wird dort den gefallenen Soldaten gedacht. Mathilde Mannseicher stellt jedes Jahr einen Bus-Chor zusammen, der bei der Gedenkzeremonie singt, und sie begleitet mit Flöte und Trommel.

Die Zeremonie ist ein sehr ergreifender Moment, und man sieht Tränen fließen. Es werden mahnende Worte des Friedens an den Denkmälern gesprochen und eine Schale mit Blumen niedergestellt.

Gemeinsames Singen

Im letzten Jahr hat die Organisatorin beim Besuch des Soldatenfriedhofs im holländischen Ysselsteyn selbst die mahnenden Worte des Friedens gesprochen: „Jedes einzelne Grab, jedes Kreuz und jeder Name ist ein stummer Schrei und eine Mahnung!“ Gedenkstätten sollten eine Aufforderung für uns sein, solche Katastrophen zu verhindern, sagt sie und mahnte eindringlich bei ihrer Ansprache: „Tut alles für den Frieden.“

Kuchenverkauf zugunsten des Volksbunds Deutscher Kriegsgräberfürsorge

Um die Pflege der Kriegsgräber zu sichern, organisiert Mathilde Mannseicher nach jeder Fahrt einen Kuchenverkauf zugunsten des Volksbunds Deutscher Kriegsgräberfürsorge. Ihr zur Seite stehen viele Ehrenamtliche, die ihre Kuchen spenden. Obwohl mit viel Arbeit und manchmal auch Ärger verbunden, überwiegen bei den Ausflügen die schönen Momente. Mathilde Mannseicher freut sich schon wieder, wenn sie „unterwegs mit Freunden“ zur nächsten Fahrt starten kann.

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